Tote Flüchtlinge auf der Autobahn

Dutzende Menschen sind in einem LKW in Österreich erstickt. Sie waren auf der Flucht in ein besseres Leben und vertrauten sich dem Falschen an. Die Lehren daraus müssen noch gezogen werden. Sicher ist: verschärfte Grenzkontrollen sind keine Lösung. Ein Kommentar.

Sie waren auf der Flucht in ein besseres Leben. Stattdessen erwartete sie ein tragisches Ende, zusammengepfercht und ohne Luft zum Atmen. Das schreckliche Schicksal jener Menschen, die kürzlich in einem Fahrzeug im Burgenland erstickt sind, kann nicht in Worte gefasst werden. Die Vorstellung vom Ausmaß ihrer Verzweiflung und Angst macht sprachlos.

Statt jedoch die restriktive Einreisepolitik zu hinterfragen, wird jetzt der Finger auf die sogenannte „Schleppermafia“ gezeigt. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sprach auf einer Pressekonferenz von einem „dunklen Tag“ und „Schleppern, die nicht am Wohlergehen der Flüchtlinge interessiert“ seien. Ihre Lösung: Strafen für Schlepper und verschärfte Grenzkontrollen.

Doch mehr Abschottung bedeutet auch mehr Tote auf der Flucht. Jenen, die jetzt verschärfte Einwanderungsgesetze und Mauern an Grenzen fordern, sei gesagt: dass Menschen vor Hunger und Krieg fliehen, wird sich durch solch restriktive Maßnahmen nicht ändern. Lediglich die Art, wie sie es tun.

Anstatt also eine Politik zu betreiben, die noch mehr Menschen in den Tod treibt, sollten sichere Fluchtkorridore geschaffen werden. Sollte es möglich sein, dass Männer, Frauen und Kinder in andere Länder flüchten, ohne vor Mauern und Stacheldrahtzäunen zu stehen. Ohne ihr letztes Erspartes an Schlepper abzugeben, die sie auf eine Reise ins Ungewisse führen. Ohne Angst davor zu haben, dass sie in ihrer neuen Heimat von Polizisten empfangen und retraumatisiert werden. Ohne auf einer Autobahn mitten in Österreich zu sterben.

„Etwa 50 Leichen im Boot im Mittelmeer entdeckt“ – eine Schlagzeile aus Libyen, die heute näher erscheint denn je. So gehen auch die Toten in Österreich nicht bloß auf das Konto eines einzelnen Mannes, sondern einer verfehlten Einwanderungspolitik.

 

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