Therapie bei Krebs in Schwangerschaft

Frauen, die während ihrer Schwangerschaft eine Krebsdiagnose erhalten, können ihre Therapie sofort beginnen und brauchen nicht aus Angst vor Folgen für ihr Kind die Schwangerschaft abzubrechen.

Das ist das Fazit einer Studie, die der belgische Experte Frederic Amant jetzt beim Europäischen Krebskongress vorgestellt hat. Sie wurde zeitgleich im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Angst vor einer Schädigung des Fetus durch eine Krebsbehandlung nicht berechtigt ist. Eine notwendige Chemotherapie ist daher kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch. Die Therapie der Mutter sollte ohne Verzögerung starten", betonte Amant, der seit Juli 2015 am Antoni-Van-Leeuwenhoek-Spital in Amsterdam als gynäkologischer Onkologe arbeitet, aber weiterhin ein Programm mit dem Titel "Krebs in der Schwangerschaft" an der Universitätsklinik Leuven in Belgien leitet.

Keine Unterschiede in geistiger Entwicklung

Insgesamt 129 Kinder aus Belgien, den Niederlanden, Italien und Tschechien waren in die Studie eingeschlossen worden und wurden mit der gleichen Anzahl gleichaltriger Kinder verglichen, deren Mütter keine Krebserkrankung hatten. Allgemeine Gesundheit und mentale Entwicklung wurden im Alter von 18 Monaten und im dritten Lebensjahr erhoben. Bei 47 Kindern wurde bei der zweiten Untersuchung auch die Herzfunktion mittels Elektrokardiogramm und Echokardiografie untersucht.

Die häufigsten Krebserkrankungen der Mütter waren Mammakarzinom und hämatoonkologische Erkrankungen wie Leukämie oder Lymphom. 89 Kinder (69 Prozent) waren vor ihrer Geburt einer Chemotherapie ausgesetzt, vier (3,1 Prozent) einer Strahlentherapie und sieben (5,4 Prozent) beiden Therapiestrategien. Jeweils eine Mutter (0,7 Prozent) hatte ein Biotechmedikament gegen Krebs (Trastuzumab bzw. Interferon beta) erhalten. 13 Frauen (10,1 Prozent) waren während der Schwangerschaft nur operativ, 14 (10,9 Prozent) gar nicht behandelt worden.

"Verglichen mit der Kontrollgruppe fanden wir keine signifikanten Unterschiede in der geistigen Entwicklung der Kinder. Auch die Anzahl der während der Schwangerschaft erhaltenen Chemotherapiezyklen - die von einem bis zehn reichte - hatte keinen Einfluss auf das Ergebnis", erklärte Amant. Auf der "Bayley Scales of Infant Development", einem Test zum Aufdecken von Entwicklungsverzögerungen, erreichten beide Gruppen einen mittleren Punktewert von 101. Bei den Kinder von an Krebs erkrankten Müttern reichte die Bandbreite von 56 bis 145 Punkten. In der Vergleichsgruppe lag die Streuung zwischen 50 bis 145 Punkten. Die Durchschnittswerte waren für alle Behandlungsarten (Chemo- und/oder Strahlentherapie sowie Chirurgie) fast gleich zu den Kindern von Frauen ohne Krebsleiden.

Was die Wissenschafter aber fanden, war ein Absinken des Scores im Mittel um 2,2 Punkte für jede fehlende Schwangerschaftswoche. Prof. Amants Schlussfolgerung: "Verzögerte Entwicklung mentaler Prozesse scheint mit Frühgeburtlichkeit zusammenzuhängen." Frühgeburten waren häufiger bei Kindern krebserkrankter Mütter - egal ob sie eine Behandlung erhielten oder nicht. Die Schwangerschaftsdauer lag bei den erkrankten Müttern im Durchschnitt bei 36 Wochen (Bereich: von 27 bis 41 Wochen). In 79 (61,2 Prozent) Fällen wurden die Kinder vor der 37. Woche geboren, was in der Normalbevölkerung nur bei sieben bis acht Prozent der Schwangerschaften vorkommt.

 

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