Teures Fliegengitter

Teurer Spaß: Ein Amazon - Verkäufer verklagt einen Kunden auf Schadenersatz in Höhe von 70.000 Euro. Der hatte es gewagt, ein 22 Euro teures Fliegengitter auf der Internetplattform negativ zu bewerten.

Mittlerweile eigentlich ganz normal: Wir Verbraucher sind es gewöhnt, auf Online-Plattformen wie Ebay, Tripadvisor oder AmazonBewertungen über Hotelzimmer, Bücher oder Laptops abzugeben. Das dachte sich, so die Augsburger Allgemeine Tageszeitung aus Deutschland, auch ein Kunde aus dem Kreis Augsburg in Bayern.

Was ist passiert?


Er kaufte im Juni 2013 ein Fliegengitter für 22,51 Euro. Das wurde prompt geliefert. Der Kunde will sich beim Installieren „genau an die beigelegte Anleitung" gehalten haben. Da sie missverständlich formuliert gewesen sei, habe das Fliegengitter aber nicht mehr ins Küchenfenster gepasst. Daraufhin kontaktierte der Käufer den Händler telefonisch. Ab dem Zeitpunkt widersprechen sich die beiden Parteien, was den Tathergang angeht.

Zwei Parteien, zwei Meinungen

Der Käufer behauptet, vom Händler abgekanzelt worden zu sein, der Händler widerspricht dieser Aussage via Anwalt. Wenige Tage später bewertete der Kunde das Fliegengitter auf Amazon, sein Resumée: "Die Lieferung erfolgte schnell. Das war das Positive. In der Anleitung steht ganz klar, man muss den Innenrahmen messen, das ist falsch. Damit wird das Ganze zu kurz! Die Ware selbst macht einen guten, stabilen Eindruck; der Verkäufer nie wieder!"

Aufforderung, die Bewertung zu löschen


Der Verkäufer reagierte prompt: Er forderte den Käufer auf, die negative Bewertung zu löschen oder zu ändern und drohte gleichzeitig mit einem Anwalt. Die Reaktion des Kunden wiederum: Er beschwerte sich bei Amazon, woraufhin das Unternehmen das Konto des Händlers sperrte - so der mittlerweile eingeschaltete Anwalt des Kunden aus Augsburg.

Vorläufiger Zwischenstand?

Was folgt, ist ein Ping-Pong zwischen den beiden Beteiligten und deren Anwälten. Der Anwalt des Händlers reagierte eine Woche später mit der Forderung, eine Unterlassungserklärung abzugeben und die Anwaltskosten des Händlers in Höhe von 800 Euro zu erstatten. Der Kunde war zwar bereit, die Bewertung zu löschen - die Anwaltskosten zu zahlen, verweigerte er.

Die Rechtsschutzversicherung des Augsburger Kunden leitete daraufhin ein Mediationsverfahren ein, allerdings ohne Erfolg: Im Herbst flatterte dem ein Schreiben in den Briefkasten, in dem ihn der Amazon-Händler auf Zahlung von rund 70.000 Euro verklagte. Seine Rechnung: Auf dem Verkäuferkonto säßen seit der Sperrung noch 13.000 Euro fest, ihm sei seitdem rund 39.000 Euro Gewinn entgangen, dazu rechnete er weitere Schäden in Höhe von 20.000 Euro.

Ob der Händler damit wohl durch kommt? Er meint es zumindest ernst und hat laut der Augsburger Allgemeinen Tageszeitung bereits 2.000 Euro Gerichtskostenvorschuss gezahlt. Im Juni wird das Landgericht Augsburg über den Fall verhandeln.

 

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