Testosteron kann durch Verhalten erhöht werden

Eine neue Studie verändert unsere Sichtweise über Biologie und Geschlecht. Wie Frauen allein durch ihr Verhalten ihren Testosteron-Spiegel deutlich erhöhen können.

Für viele Verhaltensweisen von Männern wird üblicherweise ein Hormon verantwortlich gemacht: Testosteron. Eine neue Studie hinterfragt jedoch die biologischen Ursachen männlichen Machtverhaltens und sagt: auch Frauen können das. Sie müssen sich nur genau so benehmen, wie es von Männern gesellschaftlich erwartet wird. Damit zeigt die Studie: soziale Faktoren spielen eine größere Rolle bei der Testosteronproduktion als gedacht.

Wenn sich Frauen so verhalten, als hätten sie Macht, dann hat das dramatische Auswirkungen auf ihren Testosteronspiegel. Dieser erhöhte sich bei den untersuchten Frauen um durchschnittlich zehn Prozent, wenn sie skrupellose Chefinnen spielen sollen.

Sich machtvoll zu verhalten, erhöht Testosteron-Level

Damit werfen die ForscherInnen eine interessante Frage auf: Benehmen sich Männer so machtvoll, weil sie mehr Testosteron besitzen - oder besitzen sie mehr Testosteron, weil sie dazu konditioniert werden, sich so zu verhalten? Um das herauszufinden, haben die ForscherInnen der Universität von Michigan eine Gruppe von Männern und Frauen gebeten, zwei unterschiedliche Szenen nachzuspielen. In der ersten Szene sollten sie einen Mitarbeiter kündigen, auf eine sehr kalte und skrupellose Art und Weise - in der zweiten Szene sollten sie das Gleiche mit mehr Mitgefühl durchspielen.

Vor und nach dem Experiment wurde ihr Testosteronspiegel gemesen. Der Hormonlevel hat sich in beiden Szenarien und bei beiden Geschlechtern erhöht, aber der Anstieg bei den Frauen war besonders interessant. Das Testosteron bei den untersuchten Männern erhöhte sich um drei oder vier Prozent - bei den Frauen waren es durchschnittlich zehn Prozent.

Die soziale Umgebung und das Verhalten, das Männern und Frauen ansozialisiert wird, könnte somit eine größere Rolle bei der Hormonproduktion spielen als wir gedacht haben. Sollten sich diese Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, wäre das ein Durchbruch in der Forschung über Biologie und Geschlecht.

 

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