Test: Vegan leben

40.000 Österreicher leben vegan, sprich sie verzichten auf den Genuss von tierischen Produkten: Fleisch, Eier oder etwa Milch sind für sie tabu. Kochbücher mit veganen Rezepten boomen derzeit. Doch was macht den Reiz eigentlich aus? Der Selbstversuch auf der Suche nach der Wahrheit – Teil 1: Die Einkaufsliste.

Warum verzichtet man völlig auf tierische Produkte? Aus Mitleid mit den Tieren, die geschlachtet und zu Fleisch verarbeitet werden? Aus Überzeugung, dass Kuhmilch nur den Kälbern gehört und die in der Milchproduktion künstlich verlängerte „Stillzeiten" der Kühe weder für die Kühe noch für den Milch trinkenden Menschen gesund sein können? Weil der Konsum von tierischen Produkten aufgrund der breiten pflanzlichen Palette nicht notwendig ist? Oder einfach, weil es der Gesundheit gut tut?

Ich bin jedenfalls willig das herauszufinden. Ich - bekennender Fleischtiger, Milchtrinker und Eieresser - werde einige Wochen versuchen ohne all diese tierischen Genüsse auszukommen. Natürlich bin ich kein Fan von Massentierhaltung und Eiern aus Legebatterien (in Österreich mittlerweile verboten), dennoch habe ich es bis jetzt nicht als notwendig erachtet ganz auf diese Lebensmittel zu verzichten. Ich habe bisher lieber auf qualitativ hochwertige Eier der Klasse 0 und Fleisch österreichischer Herkunft gesetzt.

Unter welchen Bedingungen die Milchkühe leben, ist leider schwer zu sagen. Da ich mitten in der Großstadt situiert bin, kann ich nicht mal schnell beim Bauern um die Ecke frische Milch holen. Wenn man aber allein den Geschmack der Packerlmilch mit frischer Kuhmilch vergleicht, sind meist Welten dazwischen. Zumindest wenn ich an die Milch der Kühe meines Großvaters denke, seines Zeichens Bergbauer mit einem guten Dutzend Kühen, die zwar den Winter im Stall mit getrocknetem Heu verbracht haben, dafür den ganzen Sommer frische Kräuter und Gras auf der Alm genießen konnten. Doch auch diese Milch ist bei der Molkerei gelandet, wurde konserviert und an den Supermarkt ausgeliefert. Ich nehme jedoch an, dass nur ein kleiner Teil der Kühe ein derart glückliches Kuhleben frönen kann, denn für meinen Großvater war das damals ein Nebenverdienst und nicht die Haupteinnahmequelle. Ein Milchbauer mit hundert oder womöglich einigen hundert Kühen wird kaum jeder einzelnen Kuh hinterher laufen können, um diese dann zweimal täglich an die Melkmaschine zu hängen.

Doch zurück zum Thema: Die Schwierigkeit der Umstellung liegt vermutlich weniger in den offensichtlichen Speisen, als vielmehr im Detail. Kuhmilch lässt sich durch Sojamilch ersetzen, Fleisch durch Tofu, Seitan oder Tempeh (aus diesen gibt es sogar Würstel und Wurst) und ein paar Wochen ohne Eier können doch auch nicht schaden? Meine Recherche zeigt, dass ich mir auch um den Ei-Ersatz keine Sorgen machen muss. Je nachdem wofür die Eier gebraucht werden, kann ich zu Avocado, Banane, Leinsamen, Apfelmus, Tofu, Maismehl oder zu Sojamehl (ein Esslöffel pro Ei) greifen. Zumindest auf den ersten Blick also alles kein Problem.

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Wie sich die Umstellung auf das tägliche Kochen und den Speiseplan auswirkt, wird sich zeigen. Auch beim Naschen sind von nun an Grenzen gesetzt, denn Gummibärchen sind aufgrund der Gelatine tabu, Kekse enthalten Eier, Schokolade häufig Milch. Man sieht, da fangen die Probleme schon an...

Doch ich will nicht gleich den Teufel an die Wand malen. Ich werde entsprechende Naschereien entdecken und wenn nicht dann liegt die Vermutung nahe, dass in den Wochen veganen Genusses zumindest die Gesundheit profitieren könnte.


Einkaufsliste

Jede Umstellung beginnt mit einem guten Plan. Daher kontrolliere ich die vorhandenen Lebensmittel und notiere, was ich in den kommenden Wochen auf jeden Fall brauchen werde.

Sojamilch, und -joghurt
Tofu in verschiedenen Variationen
Nüsse wie Mandeln und Walnüsse
Pseudogetreide wie Amarant und Buchweizen
Samen, fürs erste Leinsamen und Sesam
Gemüse (Avocado, Gurke, Paprika, Zucchini)
Kartoffeln
Erbsen, Kichererbsen, Linsen, Bohnen
Obst (Banane, Apfel, Datteln, Orangen, Papaya)
Haferflocken
Dinkelmehl, Sojamehl

Öle, Essig, Gewürze, Zucker und viele andere Lebensmittel habe ich bereits zuhause.
Na dann kann es losgehen!

Lesen Sie nächste Woche: Die ersten Koch- und Backversuche und warum Kaffee mit Sojamilch einfach nicht dasselbe ist.

 

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