Tess Holliday zeigt: Fettsein ist eine Form von Widerstand

Auf Instagram teilt die Body-Positivity-Ikone Tess Holliday Gedanken, die auch 2020 leider noch nicht Realität sind: Alle Menschen sollten unabhängig von ihrer Körperform respektiert werden. Solange das nicht gelebt wird und Fettfeindlichkeit existiert, ist Dicksein ein rebellischer Akt.

Tess Holliday

"Ich bin erschöpft und emotional ausgelaugt", schreibt Tess Holliday auf Instagram. "Es wäre cool, mal nur einen einzigen Tag zu haben, an dem mir nicht Hunderte von Menschen sagen, wie sehr sie mich hassen oder wie ekelhaft ich bin."

Holliday wurde bekannt, als sie bei der Model-Agentur Milk unter Vertrag genommen wurden. Daraufhin rissen sich Medien um die Amerikanerin mit Kleidergröße 52. Viele schienen in der Markenkommunikation auf diesen neuen, 'diversen' Zug aufspringen zu wollen und nach außen zu signalisieren: Schaut her, in unserem Hause halten wir nicht viel von Schönheitsstandards und Körpernormen. Seitdem muss Holliday, so schreibt sie auf Instagram weiter, jeden Tag ihr Recht auf Glück als dicke Frau im Internet verteidigen. Die Message, die sie schon 2018 auf ihrer Website veröffentlichte, ist auch 2020 noch nicht angekommen: "Bloß weil ich nicht Kleidergröße 38 habe, heißt das nicht, dass ich ein weniger lebenswertes Leben führe. Ich bin eine fette Frau und ich liebe mein Leben."

Diversität geht noch nicht weit genug

Bewegungen wie Body Positivity oder Body Neutrality gewinnen immer mehr an Zuspruch und die Fassade von stereotypen Schönheitsbildern bröckelt. Normvorstellungen werden immer öfter infrage gestellt, Menschen in Medien immer diverser abgebildet – und trotzdem: Das sind nur Babysteps.

Mit einem Instagram-Posting Anfang der Woche zeigte Holliday erneut, wie viel Aufklärungsarbeit sie über ihr Leben als dicke Frau immer noch leisten muss - und damit auch: Wir sind noch nicht weit genug. "So viele Tippfehler, aber was soll’s… ich werde jetzt Whiskey trinken gehen und mich selbst feiern, dass ich immer noch hier bin. Mein Körper ist meine eigene Form des Widerstands und das ist wahre Macht", schreibt sie unter das Bild von ihr in der Badewanne, das gefolgt ist mit einer Reihe von Screenshots ihrer Tweets.

"Der Hass auf dicke Menschen wird gefeiert, besonders in Amerika", schreibt sie weiter. Die Ernährungskultur ist in unserer Gesellschaft so tief verwurzelt und Dünnsein wird mit Glück, Erfolg und Schönheit gleichgesetzt. Ihre Erfolge seien hingegen wegen ihrer Körperform oft geschmälert worden: "Mein Glück ist mir wegen meines Gewichts so oft von anderen gestohlen worden."

Auch wenn es manchmal anstrengend und auslaugend ist: Dickenfeindlichkeit versucht sie mit noch mehr Selbstliebe zu trotzen, sagt sie. Denn: "Wenn du zu einer fetten Person nicht nett sein kannst, bist du das Schwein, nicht ich."

 

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