Tennis-Star Andy Murray setzt sich für Anerkennung von Frauen ein

Der schottische Tennis-Spieler Andy Murray ist aktuell auf Platz 2 der Weltrangliste, immer wieder macht er aber auch Schlagzeilen mit seinen feministischen Aussagen.

In unserer Reihe "Hawara der Woche" stellen wir regelmäßig Männer vor, denen Gleichberechtigung genauso wichtig ist, wie uns.

Dass die Leistungen von weiblichen Sportlerinnen oft übersehen werden, ist dem Feministen und Top-Tennisspieler Andy Murray gut bekannt, umso schneller wusste er, was er auf den sexistischen Kommentar des BBC-Reporters John Inverdale antworten sollte:
„Sie sind der erste Tennisspieler, der zwei olympische Medaillen im Tennis gewonnen hat. Das ist eine außergewöhnliche Leistung, denken Sie nicht?“ fragte der britische Journalist. „Ich denke Venus und Serena Williams haben beide circa vier gewonnen“, antwortete Murray aus dem Stegreif. Diese Spontanantwort verdient defintiv die Kür zum Hawara der Woche, noch dazu, wo Murray schon seit einem Jahr immer wieder über die ungerechte Behandlung von Frauen im Tennis spricht.

"Weibliche Leistung im Sport muss anerkannt werden"


Murray war 2014 einer der ersten Top-Athleten, die sich eine weibliche Trainerin ausgesucht haben, was in der Sportwelt zu kritischen Reaktionen führte. Der australische Tennisspieler Marino Matosevic meinte, er würde sich nie von einer Frau trainieren lassen, da er nicht viel von Frauentennis hält. „Heute dreht sich alles nur noch um politische Korrektheit. Also ja, irgendwer muss es wohl probieren. Ich werde es nicht sein.“ Mehrere Spieler inklusive der britischen Tennislegende Virgina Wade dachten, es handle sich um einen Scherz als sie von Mauresmos Ernennung hörten. Die Französin Mauresmo war selbst Nummer eins auf der Damen-Tennis-Weltrangliste, aber als Trainerin wurde sie weitgehend nicht ernst genommen.

Andy Murray: "Meine Trainerin wird unfair behandelt"

Murray verteidigt seine Trainerin vehement: „Es war klar, dass ihr Geschlecht Thema sein würde, aber ich hätte nie gedacht, dass es solche Wellen schlägt. Jedes Mal wenn ich verloren habe, wurde sie verrissen.“ Laut Murray ist das seinen männlichen Trainern wie zum Beipsiel Ivan Lendl nie passiert. „Anstatt mich zur Verantwortung zu ziehen, gingen alle auf Amélie los.“ Weil sie seine Entscheidung nicht unterstützten, trennte sich Murray sogar von zwei weiteren Menschen in seinem Team, seinem Assistenz-Coach und seinem Manager. Letztes Jahr gab Murray zu, die Saison schlecht begonnen zu haben, dass das aber nicht auf Mauresmo zurückzuführen sei. „Anfang der Saison war ich auf dem 11. Rang, nun bin ich auf Platz 3. Ich glaube, das spricht für sich selbst.“

"Ich halte das Matcho-Getue nicht aus"

Neben ihrer Expertise im Tennis schätzt Murray weitere Qualitäten an seiner Trainerin: „Die meisten Coaches sind besser im Reden als im Zuhören. Es ist eine besondere Qualität, wenn dir ein Coach zuhören kann, wie es dir geht. Amélie ist extrem gut darin.“ Es fiel ihm immer schon leichter, sich gegenüber Frauen zu öffnen, früher wurde er auch von seiner Mutter gecoacht, die ihn überhaupt erst auf den Sport brachte.

Männerrunden im Profi-Sport bezeichnet Murray als Matcho-Getue, das ihn nervt, weil man nicht man selbst sein kann. „Testosteron ist ab einer gewissen Konzentration schwer genießbar. Immer darauf achten, dass du dir keine Blöße gibst, darauf achten, was du sagst, dich nicht öffnen, damit dir das nicht als Schwäche ausgelegt werden kann.“

"Ich bin Feminist"


Statt dessen bezeichnet sich der Sportler als Feminist: "Mir ist wichtig geworden, dass Frauen eine faire Chance bekommen. Wie sehr das noch nicht so ist, habe ich erst durch die Arbeit mit Amélie gesehen, das ist richtig. Und wenn jemand, dem es wichtig ist, dass alle die gleichen Rechte haben, ein Feminist ist, dann bin ich das, ja, dann bin ich ein Feminist.“

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