Teilzeitarbeit

Eine aktuelle Wifo-Studie zeigt: Die Frauenquote der Berufstätigen ist gestiegen, fast ausschließlich aber bei Teilzeit-Jobs. Betroffen sind Frauen ab Mitte 30: Fehlende Kinderbetreuung und traditionelles Familienbild spielen dabei noch immer eine Rolle. Einzige gute Nachricht: Teilzeit wird etwas besser bezahlt.

45,5 Prozent aller erwerbstätigen Frauen haben in Österreich einen Teilzeit-Job, deutlich mehr als der EU-Durchschnitt von 32,6 Prozent. Nur acht Prozent der Männer tun es ihnen gleich. Und Teilzeit-Kräfte verdienen weniger. Diese Aussagen wurden bisher als Begründung für den "Gender-Pay-Gap" hergenommen. Eine Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen, die laut EU in Österreich besonders hoch ist und die durch den hohen Anteil an weiblichen Teilzeitkräften zu erklären wäre. Stimmt nicht! Mit dieser Vermutung macht nun nämlich eine aktuelle Studie des Wifo - Wirtschaftsforschungsinstituts Schluss.

Per Stichprobe (20.138 Personen) untersuchte das Wifi die heimischen Löhne in den Jahren 2005 bis 2011 und bereinigte sie um die Inflation. Ergebnis: Teilzeitarbeitende Frauen verdienen demnach im Durchschnitt 11,4 Euro brutto pro Stunde, jene in Vollzeit 11,9 Euro. Netto verdienten sie 8,8 Euro je Stunde (Teilzeit) bzw. 8,5 Euro (Vollzeit). Ähnlich war das Ergebnis bei den Männern: Männer in Teilzeit verdienten brutto 14,6 Euro, Männer in Vollzeit 15,3 Euro pro Stunde. Netto verdienten sie 10,7 Euro (Teilzeit) bzw. 10,5 Euro (Vollzeit). Die Einkommensschere lässt sich somit nur zu zehn bis 18 Prozent dadurch erklären, dass Frauen Teilzeitarbeit wählen, so die Wifo-Experten.

Ist Teilzeit also der neue Traumjob? Lesen Sie weiter auf Seite 2 >>

Widerlegung der "Teilzeitfalle"?!

Mit dem höheren Verdienst hat es sich auch bereits wieder mit den guten Nachrichten. Denn dass Teilzeit pro Stunde sogar etwas profitabler ist als Vollzeit, heißt nicht, dass es besser ist. Das zeigt bereits die Tatsache, dass laut Statistik Austria das Bruttojahresgehalt der Vollzeiterwerbstätigen 2010 knapp € 41.000 betrug, bei den Teilzeit-Kollegen nur rund € 16.000. Abgesehen von weniger Bemessungsgrundlage für die Pension sowie geringen Aufstiegschancen.

Bei diesen Risiken ist klar, dass Frauen die Wahl für Teilzeit-Arbeit nicht immer freiwillig erfolgt: Mangel an Kinderbetreuung, das Bild vom arbeitenden Mann und der Hausfrau, scheinen laut Wifo zu den Hauptgründen für die Entscheidung zu sein. Warum würde sonst der Anteil der Vollzeitbeschäftigten ab Mitte Dreißig stark absinken, um danach nur schwach wieder zu steigen? Bei den Männern bleibt diese Quote übrigens durchwegs konstant.

 

Aktuell