t.A.T.u.-Sängerin für Lesben, aber gegen Schwule

Mit ihrer Performance aus lesbischer Schulmädchen-Erotik wurde das Pop-Duo t.A.T.u. berühmt. Für eine der Sängerinnen hört die Liberalität gegenüber Homosexuellen damit aber auch schon auf: "Lesben sind schöner als Schwule."

Das russische Pop-Duo t.A.T.u. wurde Anfang der 2000er Jahre weltberühmt. Weniger wegen der schiefen Töne, die die damals 17- und 19-jährigen Sängerinnen Julia Wolkowa und Lena Katina von sich gaben, sondern wegen des „Lesben-Lolita-Images“, das sie sich dank Schulmädchen-Uniform und Zungenküssen in Videos und bei Konzerten zulegten. t.A.T.u. galten als Pop-Phänomen und stürmten von Tokia über Wien bis Los Angeles mit ihrem Hit „All the Things She Said“ die Charts.

Julia und Lena spielten in Videos und bei Live-Auftritten wie etwa beim Eurovision Songcontest 2003 mit klischeehaften Männerfantasien, gaben sich Zungenküsse und präsentierten sich als lesbisches Paar. Mit ihrer offenen Einstellung zu gleichgeschlechtlicher Liebe sah man in den beiden eine Art Revoluzzerinnen gegen das bekannt schwulen- und lesbenfeindliche Klima in Russland.
Der Verdacht, es handle es sich dabei doch nur um eine geschickt inszenierte Marketingstrategie und keineswegs um eine tatsächliche liberale Lebenseinstellung, wurde schon damals laut.

In einer russischen TV-Show sprach Julia Wolkowa, dunkelhaarige Hälfte des 2011 aufgelösten Duos, jetzt Klartext: Sie hätte nichts gegen Lesben, Schwule hingegen würde sie keineswegs akzeptieren. Auf die Frage, ob sie ihren eigenen Sohn verstoßen würde, wäre er homosexuell, antwortete Wolkowa sogar ohne zu zögern: „Ja, ich würde ihn verstoßen, weil ich glaube, dass ein richtiger Mann ein richtiger Mann sein muss. Gott hat den Mann für die Fortpflanzung erschaffen, das ist die Natur. Der Mann ist für mich Unterstützung, eine starke männliche Stimme, ein männliches Aussehen. Definitiv nein, ich würde einen schwulen Sohn nicht unterstützen.“

Für mich sind Lesben, die Händchen halten oder sich küssen, schon aus ästhetischen Gesichtspunkten viel schöner als zwei Männer.
von Julia Wolkowa

Der geschockte Moderator der Show: „ Stop. Stop. Sie haben eben gesagt, dass es Sie nicht stören würde, wenn Ihre Tochter lesbisch ist. Sie haben über Freiheit gesprochen.“ Wolkowa: „Das trifft nur für eine Tochter zu, nicht für einen Sohn. Für Männer ist das keine gute Freiheit. … Ein Mann hat kein Recht, eine Schwuchtel zu sein. Zwei Mädchen zusammen – das ist nicht dasselbe wie zwei Männer zusammen. Für mich sind Lesben, die Händchen halten oder sich küssen, schon aus ästhetischen Gesichtspunkten viel schöner als zwei Männer.“

Trotzdem bestand Julia Wolkowa im Interview darauf, nicht „gegen Schwule zu sein.“ Sie habe viele schwule Freunde und dass „es immer noch besser wäre, schwul zu sein als ein Mörder, Dieb oder Drogenabhängiger.“

Als Reaktion auf das Interview ihrer Ex-Kollegin hat die andere t.A.T.u.-Hälfte, Lena Katina, via Facebook folgenden Status geteilt: „Hallo an alle! Ich sehe, dass es viele Kommentare zu meiner Haltung zu Schwulen und Lesben und meiner Religion gibt. Ich möchte eines sagen: Gott lehrt uns, in Liebe zu leben, tolerant zu sein und andere Menschen nicht zu verurteilen! Und das tue ich! Liebe ist Liebe, ein wunderbares Gefühl! Ich denke, jeder sollte frei sein, zu lieben, wen er lieben möchte und sein können, mit wem er sein und sein Leben verbringen möchte!“

 

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