Taschengeld-Gap: Warum kriegen schon Buben so viel mehr Geld?

Seit Corona müssen wir ganz genau aufs Geld schauen. Und staunen: Denn der Gender Pay Gap, der uns Frauen es so schwer macht, dauerhaft Geld zu sparen, beginnt bereits in Kindertagen. Das Verrückte am Taschengeld-Pay-Gap: Dort geht es noch nicht mal ums Arbeiten.

Zwei Kinder liegen kopfüber auf einem Sofa, das Mädchen schreit, der Bub grinst

Warum sollte ein 8-jähriger Bub mehr Taschengeld bekommen als ein 8-jähriges Mädchen? Genau, es gibt keinen Grund. Aber Tatsache ist, dass offenbar Eltern einen Unterschied sehen, denn laut einer Studie der Halifax-Bank beziehen Buben 12 Prozent mehr Taschengeld als Mädchen. Was folgt aus dieser Ungerechtigkeit? Mädchen werden es offenbar schon sehr früh gewöhnt, dass ihre männlichen Freunde und später dann Kollegen einfach mehr Kohle kriegen. Das Absurde jedoch beim Taschengeld-Pay-Gap: Hier geht es noch gar nicht ums Arbeiten, um Leistung und damit um gerechte und faire Bezahlung, sondern einfach nur ums Sein. Kopfschütteln? Ja, kann man, hilft aber nichts.

Was jedoch hilft, ist zu lernen, dass die Welt derzeit (noch) so funktioniert und dass man als Mädchen oder Frau sich daher besonders viel Finanzwissen aneignen sollte. Gerade jetzt in der Corona-Krise trifft es Frauen oft doppelt so hart wie Männer, weil sie oft Kinder zu versorgen oder Angehörige zu pflegen haben und weil Frauen gerade in Österreich zu einem sehr hohen Teil in Teilzeit arbeiten – was ihnen weit weniger Pension einbringt.

Was sind die wichtigsten Fragen, die man sich jetzt stellen soll, und – noch wichtiger – wo sind die Antworten? Wir haben bei Nina von Gayl, Kuratorin des FLiP der ERSTE Bank – nachgefragt.

WIENERIN: Wie krieg ich überhaupt einen Überblick über meine Finanzen?

Nina von Gayl: Das erste und wichtigste ist immer: das Haushaltsbuch. Im Wesentlichen ist es eine Aufzeichnung von allen Ausgaben und allen Einnahmen. Das kann man einfach in ein Büchlein schreiben, oder es gibt mittlerweile auch dutzende Apps, die einen dabei unterstützen. Gut ist, wenn man diese Aufzeichnung mehrere Monate macht, denn jede*r von uns hat Zahlungen, die man vielleicht nicht monatlich, sondern vierteljährlich hat, wie Versicherungen.

Und wie geht’s dann weiter?

Das nächste ist der Budgetplan. Ich will ja am Ende eine Vorsorge treffen, Vermögen aufbauen, einfach ein Sparpotenzial aufzeigen.

Was ist denn mit dem guten alten Sparbuch?

Tja, diese Zeiten sind vorbei. Das muss man so klar sagen, denn am klassischen Sparbuch verliere ich derzeitGeld. Die Zinsen sind minimal und bei einer Inflation von ca. zwei Prozent wird mein Erspartes immer weniger wert.

Wie soll ich dann zu Vermögen kommen?

Vermögen macht man am Kapitalmarkt. Das klingt vielleicht zuerst ein bisschen unheimlich, aber das, was man immer so als hohes Risiko und hohe Verluste liest, das sind Spekulationen, und davon rede ich überhaupt nicht. Was ich meine, sind viele Produkte, die sich für eine langfristige Anlage eignen. Das sind etwa Fonds, die von einer Bank gemanagt werden. Dann gibt es auch noch ETFs (exchange-traded funds – börsengehandelte Indexfonds). Da kann man sich z.B. für verschiedene Branchen, wie Umwelt oder IT, oder Märkte wie z.B. Europa oder Asienentscheiden. Um hier sicher zu werden, muss man sich natürlich Wissen aneignen. Eine Bank ist hier ein guter Berater, aber es gibt auch viele Online-Communitys, über die man hier lernen kann. Das bedeutet, man muss Zeit investieren, um sich zu informieren.

Wie sorge ich denn am besten für meine Kinder vor?

Bausparen war früher ja der Klassiker. Dieser ist nach wie vor eine gute Möglichkeit, aber mittels Fondssparen lässt sich viel besser Vermögen für das Kind aufbauen. Die Laufzeiten sollten lange gewählt werden und man kann über 10 oder 15 Jahre wirklich gute Rentabilitäten erzielen.

Was mache ich, wenn ich wirklich erst am Anfang stehe als Frau und ich nicht weiß, wo ich anfangen soll?

Das FLiP ist tatsächlich eine gute Adresse, um sich mal zu informieren. Eigentlich gedacht als Information für Kinder und Jugendliche, werden wir ab Herbst ein eigenes Angebot für Frauen haben. Es wird eine spezielle Tour geben, die findet am ERSTE Campus in Wien statt. Außerdem ist auch eine Seminarreihe in Vorbereitung, die in sechs Teilen alle relevanten Themen abbilden wird.

 

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