Tahiti-Reisebericht: Tanz mit dem Delfin

Tahiti und seine Inseln stehen nicht nur als Synonym für das Paradies, sondern auch für hautnahe Begegnungen mit großen Meerestieren wie Delfinen, Manta-Rochen oder Haien. Wer spüren will, wie sich Sehnsucht in seiner schönsten Form anfühlt, ist hier richtig.

Welche Magie die Farbenpracht und Schönheit Französisch-Polynesiens auf Menschen ausüben, zeigt dieTatsache, dass sich viele gar nicht mehr trennen konnten. Wie gut kann ich doch den Schauspieler Marlon Brando oder den Maler Paul Gauguin verstehen, die sofort und für immer ihr Herz an die Südseeinseln verloren. Oder den englischen Schriftsteller D. H. Lawrence, der seiner geliebten Freundin so gern die Südsee geschenkt hätte.

Ich bin auf jeden Fall schon am Aéroport Tahiti Faa’a in Papeete überwältigt. Der Zauber des Landes erfasst mich sofort. Er setzt ein, als ich mit einem „Ia Orana e Maeva i Tahiti“ und einem prachtvollen Lei, der traditionellen Blumenkette, begrüßt werde. Hier rieche ich ihn das erste Mal, den süßlich-aromatischen, verheißungsvollen Duft der Tiaré-Blüte, die gleichzeitig das Wahrzeichen Französisch-Polynesiens ist.

Französisch-Polynesien besteht aus insgesamt 118 Inseln und Atollen. Im Herzen der Südsee gelegen, 17.000 Kilometer von Europa entfernt, lockt es mit konstanten Temperaturen um die 27 Grad Celsius, ganzjährigem Sonnenschein und ­einer atemberaubenden Vielfalt an Farben, Kultur, Flora und Fauna. Wie die kostbaren Tahiti-Perlen ragt Französisch-Polynesien mit seinen Inseln aus dem Südpazifik. Und wie auch jede Perle ein kostbares Unikat darstellt, so ist auch jede einzelne Insel ein unverwechselbarer Solitär mit eigener Kultur, eigener Vegetation und höchst individuellem Charakter.

Tor zur Südsee

Fast alle Reisen nach Französisch-Polynesien finden in Papeete, der pulsierenden Hauptstadt Tahitis, ihren Beginn und ihr Ende. Hier kann man einen typischen Markt besuchen, sich im Pearl Museum Lust auf die prachtvollen Tahiti-Perlen holen oder auf meterhohen Wellen surfen. Apropos Surfen: Auf Tahiti wurde der Legende nach das Surfen erfunden und die Wellen von Teahupoo gelten als die größten der Welt. Und hier ist an einem ruhigen Taleingang, gesäumt von prachtvollen exotischen Pflanzen, auch die einzige komplett restaurierte mystische Tempelstätte Polynesiens zu finden: die Anlage Marae im Arahurahu-Tal. Ein stiller Ort um Kraft zu tanken, zur Erinnerung, zum Bewahren und zur Besinnung.

Rollende Superspeise

Und wo ­essen die Einhei­mischen oder auch Reisenden, die möglichst viel über das Land selbst erfahren möchten? Oftmals in den Roulottes. Hierbei handelt es sich um rollende Restaurants, die sich an angesagten Plätzen gruppieren. Hier speisen und lachen Familien oftmals bis in den tiefen Abend. Hier gibt es original tahitia­nische Küche ebenso wie Pizza & Co. Ich wähle das Nationalgericht „poisson cru à la tahitienne“ und genieße das köstliche Zusammenspiel von ­rohem Thunfisch, Kokos, landes­typischen Gewürzen und Limetten.

Bei allem Glück über die wunderschöne Küste sollte man aber keinesfalls das spektakuläre Inland von ­Tahiti verpassen. Empfehlenswert ist die Tour durch das Papenoo-Tal über den Maroto-Pass, vorbei am Vaihira-See und an tosenden Wasserfällen. Überall sieht man hier Einheimische, die sich am Wasser oder in der Natur entspannen und die Pracht ihres Landes auf sich wirken lassen.

Unsere Tour mit Marama Safari endet mit einem Lunch im Restaurant Le Relais de la Maroto mit Blick auf Berge, Täler und Gärten. Viel zu schnell wird es Abend – Zeit, um im Manava Suite Resort den Tag genussvoll ausklingen zu lassen, und zwar stilecht mit einem Mai-Tai-Rum-Cocktail und glutvollem Sonnen­untergang.

Lesen Sie weiter auf Seite 2!

Freude durchströmt mich, als ich am nächsten Tag an Bord des Terevau Catamaran erlebe, wie langsam und immer deutlicher die Silhouette von Moorea am Horizont erscheint. Begleitet von Meeresvögeln vergeht die halbe Stunde Fahrzeit wie im Flug.

Moorea hat ein wildes, ursprüng­liches Herz und zeigt der Legende nach die Rückenflosse eines großen Fisches. Die Trauminsel mit fantastischer Lagune, weißen Sandstränden und grandioser Unterwasserwelt ist 17 Kilometer von Tahiti entfernt.

Schmusen mit dem Delfin

Für mich steht Moorea für ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde: Schmusen und Schwimmen mit „Lokahi“. Der 19-jährige, sehr menschenfreundliche Delfin gehört mit „Kuokoa“ und Freundin „Hina“ zu den heißgeliebten Protagonisten des Moorea Dolphin Center, das im luxuriösen InterContinental Resort & Spa Moorea seinen Stammsitz hat.

„Schulkinder können das Delfinzentrum im Rahmen des Unterrichts kostenlos besuchen“, klärt mich Center-Managerin Cécile Gaspar auf. So wird der Nachwuchs möglichst früh für den Schutz der Meere sensibilisiert, ist doch der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle für die ­Polynesier. Und dieser ist direkt mit einer intakten Inselwelt verbunden.

Ich spüre Glücksgefühle, als ich Lokahi streichle und in seine klugen Augen blicke. Ihm scheint die Begegnung ebenfalls Spaß zu machen, denn er erlaubt mir eine Umarmung und schenkt mir am Ende ein nasses Küsschen – ein Herzensbrecher.

Auf Moorea finden sich viele Aussichtspunkte, die einen Blick auf die Cook’s Bay ermöglichen. Die Bucht ist eng mit der Geschichte der legendären Bounty verbunden, ging doch hier James Cook erstmals an Land.

Viele Einheimische tragen in Französisch-Polynesien voller Stolz aufwendige Tätowierungen. Darüber möchte ich gern mehr wissen und besuche Taniera, einen Körperkünstler, der auf Moorea lebt und noch die Kunst der traditionellen Tätowierung beherrscht. „Mein Vater war streng gegen das Tätowieren und auch die Missionare haben es ver­boten, trotzdem bin ich meinen Weg gegangen“, berichtet Taniera, als ich ihn in seiner Hütte besuche. Hier ­tätowiert er nach traditioneller Art, mit Farben, die zum Beispiel aus Nüssen gewonnen werden, und der Spitze eines Knochens.

Bora Bora und die Vanille

Lieben Sie Vanille? Dann sind Sie auf Raiatea genau richtig. So wird auf der Vanilleplantage von Millaud Heiata Therese hochklassige Vanille pro­duziert. Voller Stolz berichtet die ­erfolgreiche Polynesierin, dass die Vanille ihres Familienbetriebes beim Wettbewerb für Agrarprodukte in ­Paris mit einer Goldmedaille aus­gezeichnet wurde.

Die Magie der Trauminsel erfasst ihre Besucher auf den ersten Blick. Seichte Lagunen, von Riffen ­geschützt, türkisblaues Wasser, prachtvolle bunte Fische, die völlig angst- und stressfrei durchs Meer gleiten – und als Blickmagnet der mächtige Mont Otemanu, der höchste Berg der Insel. Wer das Meer und seine Bewohner liebt, findet in den Gewässern um Bora Bora seine ­Erfüllung, denn hier sind tief be­rührende Begegnungen mit großen Meerestieren möglich.

Lesen Sie weiter auf Seite 3!

Ein Profi für mächtige Fische ist der Manager von Manu Taxi Boat, Jean-François Ferrand, bringt er mit seinen Taxibooten doch Touristen an eine sorgsam ausgewählte Stelle in der Lagune. Dort haben Rochen und Zitronenhaie ihr Revier. „Keine Angst, die tun nichts“, ruft mir ­Jean-François zu und stürzt sich mit Schwimmbrille und Flossen ins ­tiefblaue, glasklare Meer. Ich hangle mich ebenfalls von Bord und platziere mich an einem Stahlseil, das unter Wasser gespannt ist. Und da kommen sie auch schon, die prachtvollen, ­majestätischen ­Meeresbewohner.

Rochen und Hai

Der erste ist ein Stachelrochen. Ich halte still, strecke meine Hand sehr vorsichtig aus und harre der Dinge. Der Rochen weiß mit Händen umzugehen und schmiegt sich zuerst um meinen Arm und anschließend um meinen Körper. Dann bringt er seine Kinder und den Rest seiner Familie vorbei, die sich ebenfalls mit mir vergnügen. Das Spiel lautet „Umschlängele den Menschen“. Sie schwimmen einfach an mir vorbei, um mich herum und berühren mich ständig mit ihrer ­zarten Haut.

Dann kommen die Haie. Auch sie lassen sich das Abenteuer Mensch nicht entgehen und zeigen keinerlei Berührungsängste. Hätte mir vor dieser Begegnung jemand erzählt, dass ich einmal mit Haien kuscheln würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber die wunderschönen Zitronenhaie mit ihrer prachtvollen Färbung fragen nicht lange nach meiner Meinung. Sie kommen einfach, schmiegen sich an meinen Körper und kuscheln.
Die lockende ­Option, noch ein Picknick auf einem Motu erleben zu können, beendet schließlich meine romantische Hai-Begegnung. Ein ­unvergessliches Erlebnis und die ­traditionell zubereiteten Speisen sind einfach köstlich.

Bungalow-Luxus

Der junge ­Polynesier, der mich begleitet, arbeitet bei Moorings Katamaran und ist Skipper, Guide und Koch in einer Person. Außerdem kennt er die besten Tauchgründe. Blitzschnell hat er das Beiboot vom Luxuskatamaran ins Wasser gelassen und bringt mich direkt dorthin. Sachte und lautlos gleite ich, ausgestattet mit Schnorchel, Taucherbrille und Flossen, durchs kristallklare Wasser und erfreue mich an den völlig angstfreien, ­bunten Fischen, Muscheln und Wasserschildkröten und den ­vielen Korallen.

Farbenprächtig, berührend und voller Ästhetik sind auch die poly­nesischen Tänze. Im The Sofitel Bora Bora Marara Beach & Private Island kann ich einem dieser Tanzspektakel zusehen. Außerdem erlebe ich hier auch das erste Mal den Luxus, in ­einem Über-Wasser-Bungalow zu schlafen. Das Faszinierende? Wenn die Meeresbewohner unter der ­Glasplatte im Boden – angelockt von Strahlern – für mich ein stilles Unterwasserballett geben. Dank einem Glastisch kann ich hier sitzen und diese grandiose Vorstellung genießen.

Das Paradies gibt es für alle

Auf Bora Bora sind sie zu finden, die Traumresorts der Stars und Superreichen. Wie zum Beispiel das legendäre The St. Regis Bora Bora Resort mit seinen Luxusvillen über dem Wasser und dem direkten Blick auf den Otemanu, der wie ein sanfter Riese über Bora Bora wacht.

Es gibt viele Arten, Tahiti und ­seine Inseln kennenzulernen, vom Luxusurlaub bis zum lässigen Indi­vidualtrip in den kleinen Pensionen, was aber am Ende allen Besuchern bleibt: Man will nicht weg, der Abschied fällt schwer. Und einmal mehr denke ich mir noch: Ja, ich verstehe all jene, die hiergeblieben sind.

Faktbox (9ecaaecd)

 

Aktuell