Tägliches Putzen ist so schädlich wie 20 Zigaretten

Wer täglich mit aggressiven Reinigungsmitteln hantiert, schadet seinen Lungen massiv. Das haben ForscherInnen in einer neuen Studie herausgefunden.

Es kann auch als eine gelungene Ausrede für den wöchentlichen Wohnungsputz dienen, sollte uns aber jedenfalls zu denken geben: Reinigungsmittel schaden unseren Lungen massiv. Das konnten ForscherInnen in einer jetzt veröffentlichten Studie belegen.

WissenschafterInnen der Universität Bergen haben in einer Langzeitstudie die Daten von 6,235 Menschen analysiert. Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren haben sie in regelmäßigen Abständen die Lungenfunktion der TeilnehmerInnen überprüft und mit Hilfe von Fragebögen festgestellt, wie oft sie mit chemischen Reinigungsmitteln in Berührung kommen. Die Ergebnisse wurden jetzt imJournal of Respiratory and Critical Care Medicine veröffentlicht.

"Die kurzfristigen Auswirkungen der Chemikalien in Reinigungsmitteln auf Asthma sind immer besser bekannt, aber zu den Langzeitfolgen fehlt uns Wissen," sagt Studienautorin Cecilie Svanes. "Wir haben befürchtet, dass diese Chemikalien bei regelmäßigem Gebrauch die Atemwege jedes Mal ein kleines bisschen schädigen, Tag für Tag, Jahr für Jahr und diese Schäden das Nachlassen der Lungenfunktion im Alter beschleunigen könnten."

Reinigungskräfte haben so schlechte Lungenwerte wie starke RaucherInnen

Diese Befürchtungen haben sich erschreckenderweise bestätigt: Menschen, die häufig chemische Reinigungsmittel benutzten, hatten genauso schlechte Lungenwerte wie RaucherInnen. Frauen, die als Reinigungskraft arbeiteten, hatten etwa die verringerte Lungenfunktion einer Raucherin, die täglich über Jahre etwa eine Packung Zigaretten raucht.

Das Ausmaß der Schädigung hatte die ForscherInnen erst überrascht, gab Studienautor Øistein Svanes zu bedenken: "Wenn man jeden Tag kleine Partikel aus Reinigungsmitteln inhaliert, die eigentlich dazu da sind, Böden und nicht Lungen zu reinigen, dann sind diese Ergebnisse am Ende nicht so überraschend."

Laut der Studienergebnisse sind Frauen stärker von den Auswirkungen der Chemikalien betroffen. Putzende Männer sind nicht gefährdeter als putzfaule Männer. Die Anzahl der Männer unter den Probanden, die regelmäßig mit Putzmitteln in Berührung kamen, war allerdings sehr gering. Gleichzeitig gab es unter den Studienteilnehmerinnen kaum Frauen, die weder am Arbeitsplatz noch zu Hause putzten.

Microfasertuch statt Putzmittel

"Was wir aus diesen Studienergebnissen lernen können ist, dass Chemikalien in Reinigungsmitteln unsere Lungen sehr wahrscheinlich massiv schädigen," sagt Svanes. "Die Chemikalien sind meistens unnötig, Microfasertücher und Wasser sind mehr als ausreichend für die meisten Zwecke."

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