Sylvie Meis hat eine TV-Show und sie ist schlimmer als GNTM

Diese neue Casting-Show strotzt vor Klischees - es ist zum Weinen!

Wenn mich jemand fragt "Was ist typisch deutsch für dich?" - dann antworte ich immer mit: "Castingshows". Und obwohl "Das Supertalent", "Ninja Warrior", "Germany´s Next Topmodel" und Co nicht aus der Feder deutscher FernsehmacherInnen stammen, sondern von anderen Ländern abgekupfert wurden, scheint es trotzdem zu einem Markenzeichen geworden zu sein. Zumindest für mich.

 

Sylvie Meis sucht jetzt ein Dessous-Model

Vergangenen Mittwoch, pünktlich zur Prime Time, bekamen die oben genannten noch ein Geschwisterchen, das besonders einem zum verwechseln ähnlich schaut: "Sylvies Dessous Models". Quasi Germany´s Next Topmodel, nur in Unterwäsche. Darauf hat die Welt gewartet. Nicht. Model, Moderatorin und Unterwäsche-Label-Gründerin Sylvie Meis macht sich darin auf die Suche nach, Zitat Promiflash, "Deutschlands heißestem Unterwäsche-Girl". Und weil Meis ihre eigene Unterwäsche-Kollektion noch mehr vermarkten will, gibt es nun die Show auf RTL. Genauer gesagt: Eine Produktplatzierung, die 120 Minuten dauert. In verschiedenen "Challenges" müssen die Kandidatinnen unter strengen Blicken überzeugen, dass sie die "perfekte Markenbotschafterin für das Lingerie-Label sind". Und ganz in Casting-Show-Manier, kann natürlich nur ~eine~ gewinnen.

 

"Hotte Girls"

Dabei wird so stark auf äußere Merkmale und Perfektion geachtet, dass der gesamten Body-Positivity-Bewegung ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Die Kandidatinnen werden ausschließlich "Girls" genannt und ständig fallen Adjektive wie "hot", "sexy" oder "supersinnlich". Das ganze passiert, während sich die "Girls" auf einem Sofa räkeln und sich der Kritik von Sylvie Meis stellen. Dagegen wirkt sogar GNTM harmloser, denn dort wurde zumindest vorgeheuchelt, dass es auch um "personality" geht. Und auch generell fühlt sich die Sendung an wie eine komplett überzogene Satire, wenn Sylvie Meis ständig "Girls", "Champagne" und andere englische Wörter in ihre Sätze streut.  

 

Quoten fielen schlecht aus

Im Voraus wurde das neue Format groß angekündigt. Mit Werbung wurde nicht gegeizt: Es gab Beiträge im Boulevard, einige von RTL, sowie auch eigene Youtube-Specials wie ein "30 Fragen an Sylvie Meis"-Video, das Fragen wie "Na Sylvie, bist du eine Tanz-Maus?" oder "Morgens Nutella oder eher was gesundes?" (Antwort Nutella) auf Lager hatte. Trotzdem, oder wahrscheinlich eher deshalb, erntete das Serien-Debüt Kritik und schlechte Quoten. Laut dem Portal "Quotenmeter" erreichte die Show nur einen Marktanteil von knapp neun Prozent. Und dass, obwohl es auch ein "großes Umstyling" á la GNTM gab. Tja - vielleicht reicht es mittlerweile doch nicht mehr aus, halbnackte Frauen, die auf ihr Äußeres reduziert, bewertet und bloßgestellt werden, um 20:15 ins Fernsehen zu bringen. Wir können es zumindest hoffen. 

 

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