Susanne Bisovsky

Trends lässt Österreichs bekannteste Haute-Couture-Designerin links liegen. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit traditionellem Design und setzt es in einen ganz neuen Kontext. Auch privat bleibt sie einem Accessoire treu: dem Kopftuch.

Übrigens ist vom 4.5.2012 bis 6.1.2013 die Ausstellung "Mitgift" von Susanne Bisovsky in der Kunsthalle Wien zu sehen.

Sie tragen seit Ihrem dritten Lebensjahr Kopftuch. Wie kam es dazu?


Ich war ein eher kränkliches Kind, und meine Mutter hat mich immer bis oben hin eingepackt. Irgendwann war Kopfbedeckung für mich etwas ganz Selbstverständliches. Erste modische Erfahrung damit machte ich mit elf, da begann ich, das Kopf-tuch im Nacken zu binden, was mir richtig gut gefiel. Bis heute gibt es für mich keine schönere Einrahmung für das Gesicht. Statt so vieler Friseure sollte es lieber mehr Kopftuchgeschäfte geben, das wäre auch eine gute Lösung für jeden „bad hair day“.

Sie sind den Meisten als Trachtendesignerin bekannt. Was ist so spannend an den traditionellen Outfits?
Meine Leidenschaft begann während des Studiums, die unglaubliche Detailvielfalt und die handwerklichen Spezialtechniken haben mich extrem fasziniert. Erstaunlich für mich war auch, dass Tracht, wie ich sie umsetzte, sofort internationales Interesse hervorrief. Mein damaliger Professor, Jean-Charles de Castelbajac, holte mich schon im ersten Studienjahr nach Paris. Der richtige Durchbruch kam dann aber mit Helmut Lang: Mein Latex-kleid, Spitze eingegossen in Latex, wurde damals „Dress of the Year“. Helmut war es auch, der mich bestärkte, das Thema Tracht zu intensivieren und weiterzuverfolgen.


Abseits der Trachtendesigns feiern Sie heuer zehn Jahre „Wiener Chic“. Was steckt hinter dieser Kollektion?

Parallel zur Tracht hat mich die Wiener Souvenirlandschaft mit ihren Petit-Point-Täschchen, den Porzellanmalereien und dem Wiener Gobelin immer fasziniert. Der Kollektionsname steht für diese Zuckerwatteromantik, allerdings mit einem kleinen Augenzwinkern. Zentrales Motiv dabei ist immer die Wiener Rose aus dem Biedermeier, die mich seit Jahrzehnten begleitet und Ausgangspunkt fast aller meiner Entwürfe ist.

Sie orientieren sich überhaupt nicht an modischen Trends. Wollen Sie auch keine setzen?

Generell begeistern mich Dinge, die über Jahrzehnte Beständigkeit in Qualität und Ästhetik haben. Sobald man sich intensiv auch mit dem sogenannten Alten beschäftigt, fließt der Zeitgeist trotzdem mit ein. Kurze Effekthaschereien ziehen allerdings an mir vorüber.

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Geboren: 1968 in Linz. Ausbildung: Hochschule für angewandte Kunst Wien, Diplomabschluss mit Auszeichnung in Helmut Langs Meisterklasse. Auszeichnungen: Adlmüller-Stipendium, Landespreis für Österreich, „Concours International des Jeunes Créateurs de Mode“, Paris. Aktuell: Trachtenkollektion für Almdudler und Kooperation mit der Porzellanmanufaktur Herend.

Susanne Bisovsky, Ausstellung: MITGIFT, KUNSTHALLE Wien
4.5.2012 - 6.1.2013

Sie haben für Designer wie Helmut Lang, Jean-Charles de Castelbajac oder Kathleen Madden in Paris gearbeitet und sind doch wieder nach Wien zurückgekehrt. Was hält Sie hier?

Die Inspirationen für meine Arbeit finde ich genau hier und nirgendwo anders. Den Komplex, im Ausland zu arbeiten, um erfolgreich zu sein, habe ich nie verstanden.


Warum ist es für heimische Designer oft so schwer, in Österreich Fuß zu fassen?

Es stimmt schon, nur wer lange Zeit im Ausland war, gilt hier etwas. Für mich persönlich ist das unverständlich. Internationale Aufmerksamkeit erregte ich durchweg mit Kleidungsstücken, die aus regionalen Inspirationen entstanden. Ich war einfach authentisch und habe nicht versucht, mich international anzupassen. Den Österreichern mangelt es modetechnisch leider oft an Selbstbewusstsein.

Sie werden mittlerweile häufig kopiert, und einige Jungdesigner haben Ihr Lieblingsmotiv zum Thema eigener Kollektionen gemacht. Wie stehen Sie dazu?

Ich beobachte diese Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits ehrt es mich, dass plötzlich viele auf diesen Zug aufspringen, andererseits bin ich etwas beleidigt, dass Dinge, die ich mir in 20 Jahren aufgebaut habe, für modische Schnellschüsse missbraucht werden.

Man sagt, Haute Couture stirbt langsam aus. Aber Sie setzen nach wie vor auf handgemachte Einzelstücke.

Angesichts der Uniformierung im Straßenbild entsteht eine große Sehnsucht nach individuellen Kleidungsstücken. Ich bemerke eine immer stärkere Nachfrage nach aufwendig gefertigten Einzelstücken. Der Preis spielt dabei interessanterweise nur eine untergeordnete Rolle.

Was bedeutet für Sie persönlich Luxus?

Zeit, die ich mir nehmen kann, mich intensiv meinen Entwürfen und Recherchen zu widmen.


Sie tragen privat fast ausschließlich Schwarz, obwohl Sie beruflich in Farben und Mustern schwelgen.

Ich gewinne damit den nötigen Abstand zu meinen Kreationen. Außerdem ist es praktisch, weil ich viel an der Schneiderbüste und über den Spiegel arbeite und mich damit optisch in den Hintergrund setze.


Ihre Pläne für die Zukunft: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Mein Ziel ist es, meinen eigenen Salon zu haben à la Emilie Flöge oder Adlmüller, um Haute Couture in Österreich wieder einen Raum zu geben. Dafür gibt auch schon sehr konkrete Pläne.

 

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