Surprise, surprise: Männer sind in der Arbeit viel emotionaler als Frauen

Frauen, das erklärt uns das sexistische Handbuch, sind viel zu emotional im Job. Und Männer, die bewahren immer einen kühlen Kopf und haben alles ganz rational im Griff. Richtig? Falsch. Laut einer aktuellen Studie ist das nichts weiter, als ein sexistisches Märchen: Männer sind im Job dreimal so emotional wie Frauen.

Laut einer aktuellen Studie ist das nichts weiter, als ein sexistisches Märchen: Männer sind im Job dreimal so emotional wie Frauen.

Wir leben in einer Welt voll sexistischer Stereotype. Umso schöner, wenn die Wissenschaft sie systematisch zerpflückt! Nachdem wir ja erst vor kurzem geklärt hatten, dass gendergerechte Sprache sogar verständlicher ist als das generische Maskulinum und Frauen eindeutig die besseren Führungskräfte sind, wird nun das nächste sexistische Märchen entzaubert: Es stimmt nämlich nicht, dass Frauen emotionaler im Job sind.

Eine aktuelle Umfrage unter 2.250 Angestellten in Großbritannien ergab: Männer sind im Job viel emotionaler als Frauen - und sie reagieren auf andere Trigger. Männer sind doppelt so häufig emotional, wenn "ihre Ideen nicht gehört werden" oder wenn sie "kritisiert werden". Noch intensiver wird es, wenn ein Projekt über dem Budget liegt, eine Deadline verfehlt oder gar gecancelt wird - dann haben Männer dreimal häufiger einen emotionalen Ausbruch als Frauen.

Männer schreien, Frauen weinen

Wir wiederholen an dieser Stelle nochmal: Männer sind also die Emotionaleren im Job. Die Studie hat aber gezeigt, dass Männer und Frauen emotionale Ausbrüche anders verarbeiten. Während Männer doppelt so häufig schreien oder sogar ihre Jobs in einer emotionalen Reaktion kündigen, weinen Frauen doppelt so oft am Arbeitsplatz: 41 Prozent der Probandinnen, aber nur 20 Prozent der Probanden, gaben an, schon einmal während der Arbeit geweint zu haben.

Mehr als die Hälfte (59 Prozent) der Arbeiter*innen und Angestellten haben allerdings das Gefühl, ihre Emotionen im Job nicht zum Ausdruck bringen zu können. Ein Drittel (33 Prozent) gab an, echte Gefühle mit "einem positiven Gesichtsausdruck" zu überspielen. Das kommt nicht von ungefähr, sondern ist Teil der Arbeitskultur: 30 Prozent der befragten Menschen in Führungspositionen halten Gefühlsausbrüche im Job für ein Zeichen von Schwäche, mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass Emotionen im Job komplett unterdrückt werden sollten.

Es ist nicht die Arbeit, es sind die Anderen

Kolleg*innen sind hauptsächlich verantwortlich für Gefühlsausbrüche in der Arbeit: 33 Prozent der emotionalen Vorfälle wurden von Arbeitskolleg*innen ausgelöst, aufgabenbezogene Gefühlsausbrüche liegen im Vergleich bei 20 Prozent. Eine*r von zehn Befragten gab Mobbing als Arbeitsplatz als Auslöser an, ganze 60 Prozent berichteten sogar von "einer*einem Feind*in am Arbeitsplatz".

Das am häufigsten am Arbeitsplatz erlebte Gefühl unter allen Befragten war Freude (91 Prozent) und Überraschung (90 Prozent), allerdings dicht gefolgt von Wut (85 Prozent), Traurigkeit (82 Prozent) und Empörung (80 Prozent). Im Laufe des Arbeitslebens wird das aber besser. Je älter Arbeitnehmer*innen werden, desto eher erfahren sie Gefühle von Freude und Überraschung und sind weniger oft traurig, wütend, empört oder ängstlich. Während 77 Prozent der jüngere Arbeitnehmer*innen zwischen 23 und 38 Jahren an Angstgefühlen im Job leiden, sind es bei den 55- bis 73-Jährigen noch 45 Prozent.

Am schlimmsten ist das Arbeitsleben aktuell für Millennials: Sie sind am ehesten mit emotionalen Herausforderungen im Job konfrontiert und erleben besonders häufig Gefühle der Traurigkeit (91 Prozent), Wut (91 Prozent) und Empörung (80 Prozent).

 

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