Supermom macht Urlaub

Diesmal: Ab ins Kinderhotel? Vom Fluch und Segen familienfreundlicher Urlaubsgestaltung.

Es war einmal ... eine fröhliche und naive Mutter von drei kleinen Kindern, die im Sommer 2010 glaubte, ausgerechnet im Land der Bambini-Fanatiker urlaubstechnisch gut aufgehoben zu sein. Fehlanzeige: Die Italiener sind gar nicht kinderfreundlich! Zumindest nicht um 6:00 Uhr Früh. So KURZ NACH Mitternacht können ihnen die kleinen, österreichischen Urlaubsgäste gestohlen bleiben. Dafür dürfen die italienischen Kids ungestraft gern bis 0:00 Uhr lärmen. Wer also Reibereien mit fremden Völkern um Schlafgewohnheiten und wandelnde Ruhestörungen vermeiden will, muss ein passendes Ausweichquartier finden.

Sommer 2011. Die Lösung aller (FamilienUrlaubs)Probleme heißt laut Katalog "Kinderhotel". Aber auch diese familienorientierte Form der Urlaubsgestaltung hat durchaus ihre Tücken:


1.) Die anderen Gäste.

Gleich am ersten Abend die erste Katastrophe: Mehrere hundert Kilometer von der Heimat entfernt, sitzt nur einen Tisch weiter meine unrühmliche Liebesvergangenheit aus Teenagertagen. Auch die wandelnde Peinlichkeit hat sich offensichtlich vermehrt und entspannt nun vierköpfig direkt vor meiner Nase. Nicht, dass ich mich nicht auf andere Familien mit Kindern eingestellt hätte, aber muss ich ausgerechnet in MEINEM Kinderhotel am anderen Ende der Welt MEINEN Ex treffen? Knackig ist bei ihm an diesem Abend offensichtlich nur mehr sein Salat. Und spätestens als ich ihn am nächsten Tag aus sicherer Entfernung bei der animierten Morgengymnastik am Pool beobachte, ist jeder Anflug von Nostalgie verflogen.


2.) Der Kinderclub.

Wunder passieren. Die Animateure des Hotel eigenen Kinderclubs haben zmindest zwei der drei Kinder verzaubert. Liegt es am magischen Eis, das sie dort jeden Nachmittag bekommen? Kein Raunzen mehr zu hören. Supermom liest ungestört Bücher und holt sich zu unorthodoxen Zeiten Cocktails von der Poolbar. Die Stille irritiert. Bald wird klar: Die Kinder sind verhext. Segelturn? Uninteressant. Altstadtbesichtigung. Auf keinen Fall! Kinderclub! Kinderclub! Nur ein hinterhältiger Plan ganz fieser Eltern kann diesen teuflischen Bann brechen.

3.) Ivan, der Schreckliche.


Ivan ist eigentlich schrecklich nett und von Beruf Barkeeper. Ein Blick genügt und er schenkt einem ein, was man braucht. Solchen Leuten sollte man in jedem Land aus dem Weg gehen.

4.) Die Kinder-Disco.


Musik ist eine Droge. Tanzen auch. Was aber die Kinder allabendlich auf der Hotel eigenen Bühne bis 22:00 vollführen, ist Folter. Der unermüdliche Einsatz chronisch gut gelaunter Animateure hört nämlich auch nach einem üppigen Abendessen nicht auf. Den Eltern bleibt kurz nach 20:00 der letzen Bissen ihres leckeren Haifisch-Steaks* sprichwörtlich im Hals stecken. Ab in die Unterhaltungskampf-Arena und rechtzeitig bereit, die Kameras für den großen Auftritt der kleinen Stars in Position zu bringen. Süß am ersten Abend, unendliche Qual ab dem zweiten.
* Sorry, Haifische: Jetzt wo ich weiß, dass ich vom Aussterben bedroht seid, eß' ich euch bestimmt NIE wieder. Versprochen.

5.) Brankas Spiegeleier.


Es ist ja nicht so, dass wir es vorher NICHT gewusst hätten, aber man isst im Urlaub immer zu viel. Während die Erwachsenen sich täglich durch ein mehrgängiges Menü schlemmen - angefangen von den täglichen Spiegeleiern, die Köchin Branka allmorgendlich liebevoll serviert, haben die Kinder täglich mehrmals dasselbe gegessen: Pizza, Pizza, Pizza und Pizza.

Fazit: Die Gefahren eines Urlaubs Kinderhotel lauern nicht wie durchsichtige Quallen im Meer, sondern sind offensichtlich. Anfangs ist es noch angenehm, den Lärm der eigenen Kinder im allgemeinen Getöse untergehen zu lassen. Aber spätestens dann, wenn die Animateure die Kontrolle über die eigenen Kinder übernehmen und mindestens 10 Frauen mit Zwillingskinderwägen das Frühstücksbuffet abräumen, BEVOR man sich selbst Brankas gebratene Köstlichkeiten aufgeladen hat, sollte man darüber nachdenken, ob ein Urlaub im Kinderhotel unter seinesgleichen die richtige Form der Entspannung ist ...

Das Leben selbst ist das größte Abenteuer. Kinder die besten Gefährten bei diesem waghalsigen Ritt durch die Schluchten des Alltags und die ungebremsten Ausflüge in das Reich der Fantasie. Eltern wollen ihre Kleinen zu glücklichen, gesunden, aufgeklärten, integren und liberalen Menschen erziehen. Klingt einfach, ist es aber nicht.
So ringt auch unsere Supermom mit den Schwierigkeiten, die das Leben mit Kind so mit sich bringt: Wäschebergen, schwierigen Hausübungen, aufdringlichen Schwiegermüttern, Sex, faulen Babysittern, falschen Essgewohnheiten, lästigen Ratschlägen ...

SIE BRINGEN JOB UND KIDS LÄSSIG UNTER EINEN HUT? HABEN DIE PERFEKTEN KINDER UND DIE PERFEKTE FIGUR? Dann lesen Sie doch BITTE NICHT WEITER!!!!!
 

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