"Suffering in Silence": Diese 10 humanitären Krisen werden durch Corona vergessen

Im Bericht "Suffering in Silence" veröffentlicht CARE die vergessenen Krisen weltweit und zeigt, wo Millionen Menschen unbeachtet von der Weltöffentlichkeit leiden. Durch die Corona-Pandemie hat sich die Situation noch verschärft.

Papua Neuguinea

Während es humanitäre Krisen in Syrien, Griechenland oder der Türkei noch relativ häufig in die Schlagzeilen schaffen, werden viele andere Konflikte und Problemsituationen weltweit weitestgehend vergessen. Die Corona-Pandemie hat die Sache nicht besser gemacht, im Gegenteil: Viele humanitäre Krisen werden nun vollkommen von der Covid-Situation überschattet, während Berichterstattung und Unterstützung jedoch dringend nötig wären. Ein neuer Report der Hilfsorganisation CARE zeigt auf, wo Millionen Menschen unbeachtet von der Weltöffentlichkeit unter Hunger, Krieg und Verfolgung leiden.

6 afrikanische Länder unter den Top 10 der vergessenen Krisen

Im kürzlich veröffentlichten Bericht "Suffering in Silence" der Organisation CARE in Zusammenarbeit mit dem Medienbeobachtungsdienst Meltwater belegt Burundi Platz Eins der zehn vergessenen humanitären Krisen. Armut, extreme Wetterbedingungen und politische Instabilität sorgen dort für das Leid von Millionen Menschen. Nirgendwo auf der Welt ist der Anteil an chronischer Unterernährung in der Bevölkerung höher als in diesem ostafrikanischen Land. Dennoch erhielt Burundi mit 429 Artikeln 2020 die geringste Medienaufmerksamkeit. Auf Platz Zwei liegt im diesjährigen Ranking Guatemala, wo Menschen bereits seit Jahren in Armut leben. Die jahrelange Dürre sorgt dafür, dass es nicht mehr genug Nahrung gibt. Auf Platz Drei der vergessenen Krisen findet sich die Zentralafrikanische Republik, wo mehr als 71 Prozent der Bevölkerung unter der internationalen Armutsgrenze leben. Einer von vier Menschen wurde inner- oder außerhalb des Landes vertrieben.

Die zehn vergessenen Krisen der Welt:

1. Burundi – 2,3 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
2. Guatemala – 10 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze
3. Zentralafrikanische Republik – Ein Viertel der Bevölkerung wurde vertrieben
4. Ukraine – 3,4 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
5. Madagaskar – Fast die Hälfte der Kinder leidet wegen Mangelernährung unter
Wachstumsverzögerungen
6. Malawi – 2,6 Millionen Menschen brauchen Nahrungsmittelhilfe
7. Pakistan – 49 Millionen Menschen fehlt es an ausreichend Nahrung
8. Mali – 1,3 Millionen Menschen leiden Hunger
9. Papua-Neuguinea – 4,6 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
10. Sambia - 2,6 Millionen Menschen brauchen Nahrungsmittelhilfe

"Wenn wir nicht an COVID-19 sterben, sterben wir an Hunger oder Gewalt"

Die Vereinten Nationen schätzen, dass in diesem Jahr rund 235 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen werden. "Die Auswirkungen von COVID-19 in Verbindung mit dem fortschreitenden Klimawandel haben diese Zahl um fast vierzig Prozent gesteigert", so Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. Das sei der höchste Anstieg, der jemals stattgefunden hat. "Es ist ein historisches Ausmaß menschlichen Leids".

Claudine Awute, Vizepräsidentin für internationale Programme bei CARE in Bezug auf die Corona-Pandemie: "Humanitäre Krisen kennen keine Grenzen, kein Geschlecht, keine Religion und keine globalen Pandemien. Für Frauen und Mädchen sowie schutzbedürftige Personen, die in diesen bestehendenKrisen leben, ist COVID-19 lediglich eine zusätzliche Bedrohung". Frauen und Mädchen aus Krisengebieten würden Awute regelmäßig berichten: "Wenn wir nicht an COVID-19 sterben, sterben wir an Hunger oder Gewalt". Den praktisch flächendeckenden Mangel an medialer Aufmerksamkeit für einige der anhaltenden Krisen der Welt sieht die Vizepräsidentin als "äußerst besorgniserregend".

Wenn ihr euch über die Arbeit von CARE informieren und spenden möchtet, findet ihr alle Infos dazu hier.

 

Aktuell