Stundenlange Vergewaltigung ist laut deutschem Gericht nur "wilder Sex"

Er schiebt ihren Kopf zwischen zwei Metallstreben am Bett, sie schreit und wehrt sich, vier Stunden lang. Doch für ein Brandenburger Gericht ist das keine Vergewaltigung.

Ein 23-Jähriger wirft eine Frau aufs Bett, schiebt ihren Kopf zwischen zwei Metallstreben, sie kratzt ihn und schreit, er soll aufhören. Vier Stunden lang dauert die Tat. Vor Gericht wird der Mann dennoch von der Vergewaltigung freigesprochen. Von diesem unglaublichen Fall, der sich in Brandenburg ereignet hatte, berichtete vergangene Woche die "Märkische Allgemeine".

Obwohl das Gericht den Angaben des Opfers glaubte, erkannte es beim mutmaßlichen Täter keinen Vorsatz. Denn er habe geglaubt, der Sex sei einvernehmlich passiert und nicht gewusst, was er ihr antat, "als er in der Nacht des 18. August 2016 in seiner Wohnung über seine Bekannte herfiel und den Geschlechtsverkehr über Stunden hinweg so rabiat vollzog, dass sie in den folgenden beiden Wochen nicht richtig laufen konnte. Das Schöffengericht glaubte einerseits dem Opfer, andererseits aber auch dem Angeklagten, demzufolge der wilde Sex einvernehmlich war", schreibt die "Märkische Allgemeine".

„Könnte es sein, dass der Angeklagte dachte, Sie seien einverstanden?“

Es sind solche Urteile, die beweisen, wie tief verankert die Vergewaltigungskultur in unserer Gesellschaft wirklich ist. Denn nicht der Täter musste sich rechtfertigen, sondern das Opfer, dem die Frage gestellt wurde: „Könnte es sein, dass der Angeklagte dachte, Sie seien einverstanden?“ Sie sagte, dass das sein könnte - sie könne ja nicht wissen, was er sich dabei gedacht hatte, auch weil er aus einem "anderen Kulturkreis" komme.

Doch sie gibt ganz klar an: Sie wollte keinen Sex mit ihm - und das hatte sie ihm zuvor auch gesagt. Sie war zu ihm gekommen, um Drogen zu kaufen. Gemeinsam haben sie Speed konsumiert. Er zerrte sie trotz ihres Widerstands aufs Bett und vergewaltigte sie stundenlang. Irgendwann habe sie aufgehört, sich zu wehren und zu schreien - und es über sich "ergehen lassen", wird sie zitiert.

Der Angeklagte bestritt bis zum Schluss, die Frau vergewaltigt zu haben. Als Begründung gab er unter anderem an, dass er so etwas nie machen könnte, weil er selber eine Schwester und Mutter habe.

Dass es solche Urteile gibt, verwundert leider nicht, wenn man sich die Statistik ansieht. In Österreich wird nicht einmal eine von zehn Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht und nicht einmal jede fünfte Anklage führt zu einer Verurteilung.

 

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