Studierende erzählen, wie sie sich ihre ideale Uni vorstellen würden

Mein Name, mein Geschlecht, meine Hochschule. Die Universität ist nicht für alle ein Ort, an dem sie sich frei und sicher fühlen.

Ausgehend von der Initiative “smash the gender binary”, die von Studierenden der Akademie der Bildenden Künste Wien im Herbst 2015 initiiert worden war, gründete sich ein neues Projekt: „NaGeh“. Das Ziel: Diskriminierung von nicht-binären, trans- und inter*geschlechtlichen Personen an Hochschulen aufzuzeigen. Wir haben mit Student*innen über ihre Erfahrungen und Wünsche an der Universität gesprochen:

Madeleine


Identität:
„Mein Name ist Madeleine. Mein Name ist Madeleine und ich bin eine trans Frau. Ich studiere an der Universität Wien und habe auf diesem Weg sehr viel erlebt. Ich habe während des Studiums meine Transition begonnen und das war für mich persönlich sehr anstrengend und ist sehr geprägt gewesen von Unsicherheiten und der Frage, wie mich die Menschen wahrnehmen und ob ich akzeptiert werde. Man erlebt nicht immer schöne Dinge in dieser Zeit."

Wünsche: „Die Lebensrealitäten von trans-, inter- & nicht-binären Menschen sichtbar machen, weil sie noch immer total ignoriert werden und nicht wahrgenommen werden (wollen). Dazu kommen noch strukturelle Diskriminierungen, mangelndes Bewusstsein der Menschen, die damit nicht direkt betroffen sind – und da ist es an der Zeit, mehr Rechte und mehr Awareness zu schaffen. Mehr Möglichkeiten zu bieten für Menschen, die das offizielle Geschlecht wechseln oder/und die sich nicht den Kategorien männlich oder weiblich zuordnen können oder wollen."

Maßnahme: „Viele trans-, inter- und nicht-binäre Menschen haben ihren Identitätsnamen, der abweicht vom offiziellen Geburtsnamen, vom Passeintrag. Und da soll es auch die Möglichkeit geben, auch an der Uni den Identitätsnamen zu verwenden."

Jonathan


Identität:
„Ich heiße Jonathan. Ich bin ein binärer trans Mann und studiere an der Akademie der Bildenden Künste. Kurz bevor ich die Aufnahmeprüfung gemacht habe, habe ich meine Transition begonnen, und behördlich meine Dokumente geändert. Ich habe diesen Prozess und vor allem den Weg dorthin als sehr anstrengend empfunden. Auf der Uni war es schwierig mich zurechtzufinden, nachdem es eben nur binäre Kategorisierungen gab, in denen ich mich damals nicht wiederfand und mit denen ich mich nach wie vor nicht wohlfühle und ich das Gefühl hatte, dass trans-, inter- und nicht-binäre Thematiken ausgeblendet werden."

Wünsche: „Es geht um Menschenrechte. Darum, anzuerkennen, wie sich die Person definiert und äußert. Ich sehe nicht ein, weswegen es nach wie vor als legitim angesehen wird, Menschen so zu missachten. In den momentanen Strukturen scheint kein Platz dafür zu sein, dass Menschen sich verändern, Prozesse durchmachen, nicht immer eine starre Selbstdefinition haben und diese oft unabhängig von normativen Vorgaben (Konzepten?) existiert. Dass dafür an Hochschulen mehr Raum geschaffen wird, finde ich wünschenswert. Wir wollen außerdem keine Zwang-Outings mehr erfahren, dadurch dass der falsche Name, das falsche Geschlecht bei der Anrede verwendet werden, und keine Angst mehr haben müssen, nicht unbehelligt zur Toilette gehen zu können. Das sind Missstände, die sowohl Studierende als auch Hochschulpersonal beeinträchtigen und die es zu verändern gilt."

Maßnahmen: „Richtlinien, wie mit trans, inter* & nicht-binären Personen respektvoll umgegangen werden soll. Von vornherein zu etablieren, dass geschlechterneutrale Anreden verwendet werden. Besonders schwierig ist es für Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Nur Menschen mit österreichischer Staatsbürgerschaft können Namen und Personenstand ändern und Menschen, die auch das nötige Geld und die Zeit dafür haben. Dafür ein Bewusstsein zu schaffen und diese Verfahren letztendlich zugänglicher und offener zu gestalten wäre wichtig."

Tinou Ponzer


Identität:
„Ich bin Tinou Ponzer vom Verein Intergeschlechtliche Menschen Österreich. Ich studiere nicht, sondern bin angesprochen worden von der Initiative und wollte mich auch ein bisschen beteiligen, um auch aus intergeschlechtlicher Perspektive etwas dazu zu sagen. Intergeschlechtliche Menschen können sich unterschiedlich identifizieren, als Inter, Mann, Frau oder auch noch anders – ihre Körper, d.h. ihre Geschlechtsmerkmale entsprechen aber nicht der klassischen Vorstellung von ausschließlich männlichen oder weiblichen Normen. Offiziell existieren intergeschlechtliche Menschen nicht. Oder auch nicht-binäre Personen – Menschen, die sich nicht zuordnen können oder wollen."

Wünsche: "Wir brauchen Antidiskriminierungsmaßnahmen. Es sollen gleiche Rechte – Möglichkeiten geschaffen werden, damit Menschen, die da sind, nicht unsichtbar gemacht werden. Wenn man einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs und Sensibilisierung umsetzt, dann führt das dazu, dass die Scheuklappen weg sind."

Maßnahmen: "Es muss Selbstbestimmung, was die eigenen Personen-Daten, das eigene Geschlecht betrifft auch an den Hochschulen umgesetzt werden. Gerade diese haben schon immer maßgeblich Demokratisierung und gesellschaftliche Weiterentwicklung befördert. Es stellt sich aber auch grundsätzlich die Frage, warum in so vielen Bereichen, auf so vielen Papieren ein 'Kasterl' zu Geschlecht überhaupt angekreuzt werden muss?"

Für weitere Informationen und einer Zusammenfassung der Begrifflichkeiten besuchen Sie die Homepage http://vimoe.at/faq/!

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