Studie zu Frauenbildung

Frauen in Österreich sind immer besser ausgebildet, haben Männer ab dem Maturaniveau sogar überholt. Das Ergebnis einer im Februar 2014 präsentierten Studie der Arbeiterkammer klingt positiv. Der Wermutstropfen: Die bessere Bildung spiegelt sich zu wenig in den Berufschancen und gerechter Bezahlung wider.

„Frauen sind zwar besser gebildet, am Arbeitsmarkt mehr gefragt, aber immer noch ungerecht bezahlt", fasst Rudi Kaske, Präsident der Arbeiterkammer Wien, die Ergebnisse der jüngsten Studie zu Bildung und Berufschancen von Frauen zusammen und kritisiert: "Sie investieren viel Mühe, Zeit und Geld in Bildung. Das wird von der Wirtschaft aber nicht ausreichend honoriert."

Die AK-Studie, bei der die Bildungs- und Beschäftigungsdaten von 1981 bis 2010 analysiert wurden, ergab wenig Überraschendes. So haben Frauen in den vergangenen 30 Jahren zwar beim Bildungsniveau deutlich aufgeholt - bei Matura sowie Hochschulabschlüssen die Männer sogar überholt - und auch der Anteil an berufstätigen Frauen ist auf 67 Prozent angestiegen. Doch handelt es sich bei Letzterem vor allem auch um einen enormen Zuwachs der - laut AK nicht immer freiwilligen - Teilzeitbeschäftigungen. Die Segmentierung in "typisch weibliche" und "typisch männliche" Berufe ist dabei erhalten geblieben - und mit ihr die Unterschiede in der Bezahlung.

Um die Situation zu verbessern, sollten Unternehmen den mit fünf Millionen Euro dotierten Topf zur Förderung nicht-traditioneller Berufswahl stärker nutzen, lautet eine Forderung von AK-Präsident Kaske, um die Situation zu verbessern. Zuletzt wurden nur rund 100.000 Euro abgeholt. Außerdem sollten mehr Frauen Zugang zu einer Vollbeschäftigung ermöglicht werden. Letzteres ist eine Notwendigkeit, die auch die Regierung sieht und mit dem Ausbau von Betreuungsplätzen Maßnahmen setzt: "Bis 2018 sind insgesamt 350 Millionen Euro dafür vorgesehen. Damit können wir pro Jahr rund 15.000 neue Kinderbetreuungsplätze schaffen", so Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Ob dann jedoch qualifizierte, passende Jobs und vor allem adäquate Bezahlung auf die Frauen warten, wird man sehen.

Unter-(Niveau)-beschäftigt

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass ein schulischer oder beruflicher Bildungsabschluss nicht bedeutet, eine adäquate Beschäftigungzu finden. Außerdem spüren Frauen mit der erhöhten Erwerbsbeteiligung auch die Schattenseiten des Arbeitsmarkts: Die Arbeitslosenquote von weiblichen Personen ist von 2,7 Prozent 1981 auf 6,3 Prozent im Jahr 2011 gestiegen.

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Anteil der Frauen und Männer nach Bildungsabschluss, die unter ihrer Qualifikation eingesetzt werden in Prozent.
Für die Studie „Frauen und Bildung“ der Arbeiterkammer-ExpertInnen Gerlinde Hauer, Sybille Pirklbauer, Peter Prenner und Petra Völkerer wurden Bildungs- und Beschäftigungsdaten von 1981 bis 2010 analysiert. Die Studie wurde im Februar 2014 veröffentlicht.

Bei Männern wie Frauen waren 2010 nur zwei Drittel der Erwerbspersonen so beruflich eingesetzt, wie es ihrem Ausbildung-Niveau entsprach. 22 Prozent arbeiteten unter ihrem Bildungs- bzw. Qualifikationsniveau, bei MigrantInnen war dieser Anteil mit 33 Prozent sogar noch höher.

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Auch wenn diese Statistik oberflächlich betrachtet für Männer wie Frauen gleichermaßen gilt, liegt der Unterschied im Detail: So finden fast 60 Prozent der weiblichen AHS- bzw. BMHS-Absolventen keinen geeigneten Job. Im Vergleich sind es bei den Männern 48 (AHS) bzw. an den BHS - dank der großen Nachfrage nach technischen Ausbildungen - "nur" 30 Prozent. Auch bei AkademikerInnen sind 35 Prozent der Frauen bzw. 26 Prozent der Männer für ihren Posten überqualifiziert.

Besser sieht die Situation für Frauen aus, die eine berufsbildende mittlere Schule (BMS) oder eine Lehre absolviert haben. Hier arbeiten nur 17 bzw. neun Prozent unter Qualifikationsniveau. Wirklich "good news" sind aber auch das nicht, schließlich - so geben die Studienautorinnen zu bedenken - haben Frauen nur halb so oft einen Lehrabschluss und arbeiten danach im Einzelhandel, in der Gastronomie oder als Friseurin. Das sind Tätigkeitsbereiche, bei denen der Bruttoverdienst von € 9,50 Euro pro Stunde liegt - also um etwa 80 Cent unter dem eines un- oder angelernten Hilfsarbeiters!

Auch so kann man auf die Gleichstellung der Gehälter aufmerksam machen:

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