Studie zeigt: Tele-Psychotherapie funktioniert besser als erwartet

Aufgrund der Coronamaßnahmen sind bzw. waren "echte" Therapiesitzungen teilweise nicht möglich. Der Bedarf an Psychotherapie ist seit Monaten allerdings so groß wie schon lange nicht.

In Coronazeiten findet die Psychothterapie oftmals online oder via Telefon statt

Wegen der Coronamaßnahmen sind bzw. waren Therapiesitzungen in Person teilweise nicht umsetzbar. Der Bedarf an Psychotherapie ist seit Monaten allerdings so groß wie schon lange nicht, wie unterschiedliche Studien zeigen. Viele sind nun auf virtuelle oder telefonische Gespräche umgestiegen, um nicht völlig auf die Therapie verzichten zu müssen. Eine neue Studie des Österreichische Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP) und der Donau-Universität Krems hat untersucht, wie sich der Umstieg auf die Arbeit und die Klient*innen ausgewirkt hat.

Sprung ins kalte Wasser

Für den Großteil der Psychotherapeut*nnen und Klient*innen in Österreich war es der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser: Mit Ausbruch der Pandemie und den damit verbundenen Kontaktbeschränkungen wurden tele-psychotherapeutische Behandlungen erstmals auf breiter Basis durchgeführt. Unter Tele-Psychotherapie versteht man den Einsatz psychotherapeutischer Methoden bei Überbrückung räumlicher Distanz zwischen Psychotherapeut*in und Klient*n. Für die Studie wurden mehr als 1.800 Psychotherapeut*innen und 100 Klient*innen im Verlauf der Pandemie zu ihren Erfahrungen und Eindrücken befragt.

"Gewährleistet, dass alle Menschen in Österreich durchgehend psychotherapeutische Behandlung erhalten können"

Das Studienergebnis zeigt, dass Psychotherapeut*innen die Behandlung per Telefon bzw. Internet positiver bewerten als sie es anfangs erwartet hätten, wenn auch Tele-Therapie nie 1:1 mit persönlicher Anwesenheit vergleichbar sei. Klient*innen nahmen den Unterschied zur Therapie in Person weniger stark war und berichten zu großen Teilen von positiven Erlebnissen. Dieses Ergebnis deckt sich auch mit vergleichbaren Studien aus anderen Ländern.

"Der großflächige Einsatz von Tele-Psychotherapie war ein echtes Novum. Umso erfreulicher sind die wirklich guten Erfahrungen, die auf beiden Seiten gemacht wurden. Durch die technischen Möglichkeiten ist gewährleistet, dass alle Menschen in Österreich durchgehend psychotherapeutische Behandlung erhalten können - egal in welchem Bundesland, egal unter welchen Covid-Einschränkungen", wird Barbara Haid, Studienautorin und Präsidiumsmitglied im ÖBVP in einer Aussendung zitiert.

Könnte die Tele-Psychotherapie bleiben?

Laut Präsidiumsmitglied Haid, ist eine Fortführung der Tele-Therapie nach Corona durchaus denkbar: "Auch nach der Pandemie sollte es für Psychotherapeut*innen möglich sein, einen gewissen Anteil ihrer Behandlungen auf diese Weise durchzuführen und mit der Sozialversicherung abzurechnen. Die face-to-face Psychotherapie soll aber immer der zentrale Bestandteil eines psychotherapeutischen Gesamtbehandlungsprozesses sein."

 

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