Studie zeigt: Österreicher*innen sprechen nicht über Gehälter – und das ist ein Problem

Vor allem zwischen Lebenspartner*innen gibt es kaum Transparenz.

Studie zeigt: Österreicher*innen sprechen nicht über Gehälter – und das ist ein Problem

Weißt du, was dein*e Partner*in verdient? Oder deine Kolleg*innen? Wenn nicht, bist du damit nicht allein. Wie eine aktuelle Umfrage der Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu deutlich macht, ist das Thema Geld, genauer das Thema Gehalt, in Österreich nach wie vor ein Tabu. Das kann vor allem für Frauen negative Auswirkungen haben. Die interessanten Erkenntnisse der Studie haben wir für euch zusammengefasst.

Zur Umfrage

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage des Marketagent Instituts. Im Zeitraum zwischen dem 29.10. und 4.11.2021 haben 500 Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren aus ganz Österreich teilgenommen. Die Ausgangsstichprobe wurde gewichtet und ist repräsentativ für die österreichische Gesamtbevölkerung.

Gehalt kaum Thema in der Beziehung

Mit dem*r Partner*in teilt man alles? Die Realität sieht anders aus: Wie die Gehaltsumfrage zeigt, wird in Beziehungen nicht immer offen über das Einkommen gesprochen. Nur rund zwei Drittel der Österreicher*innen (66 Prozent) wissen, wie viel der*die derzeitige Lebenspartner*in verdient. Und davon hat nur rund jede*r Zweite (55 Prozent) dem*r Partner*in die Höhe des Gehalts von sich aus erzählt.

Gerade wenn es drum geht, das Thema Gehalt proaktiv anzusprechen, sind die Hemmungen groß: Nur elf Prozent der Befragten haben selbst aktiv nach dem Gehalt des*r Beziehungspartners*in gefragt. Ganze acht Prozent haben überhaupt noch nie das Einkommen des*r anderen angesprochen.

Gehalt in Beziehungen

Am ehesten weiß Familie Bescheid

Wie offen und ob überhaupt über das eigene Gehalt geredet wird, hängt für den Großteil der Befragten (55 Prozent) davon ab, wer es wissen will. Hier gibt es einen interessanten Geschlechterunterschied: Offenbar ist für Frauen (61 Prozent) das Gegenüber für die Auskunftsbereitschaft eher ausschlaggebend als es für Männer (49 Prozent) der Fall ist.

Klarer Spitzenreiter in Sachen Offenheit ist mit Abstand die eigene Familie: Bei fünf von zehn Österreicher*innen (52 Prozent) sind Angehörige am besten informiert. Bei knapp einem Viertel der Befragten ist der Freundeskreis informiert (23 Prozent), danach folgen Arbeitskolleg*innen (21 Prozent). Bei 10 Prozent der Teilnehmer*innen weiß niemand im näheren Umfeld davon.

Wer weiß über Gehalt Bescheid

Frage nach dem Gehalt fühlt sich übergriffig an

23 Prozent der Befragten antworten offen und ehrlich auf die Frage nach dem eigenen Gehalt. Trotzdem empfindet es nur ein Bruchteil von vier Prozent als positiv, über das Einkommen gefragt zu werden. Vielmehr wird es mit negativen Gefühlen konnotiert und als übergriffig sowie unangenehm wahrgenommen (12 Prozent).

Ein Teil der Befragten fühlt sich sogar unsicher, ob offen darüber gesprochen werden darf bzw. kann (11 Prozent). Ganze 16 Prozent der Befragten sehen das Thema als Privatangelegenheit und legen deshalb auch keinen Wert auf Gehaltstransparenz. Nur eine*r von zehn Österreicher*innen ist hingegen der Meinung, dass jede*r vom anderen wissen soll, wie viel man verdient.

Gehaltstransparenz hilft bei Verhandlungen

Knapp ein Viertel der Befragten (23 Prozent) findet es schade, dass Gehalt noch immer ein Tabuthema ist und wünscht sich verstärkt Initiativen für mehr Gehaltstransparenz. Fast ein Fünftel (18 Prozent) gab sogar an, dass mehr Transparenz bei Gehaltsverhandlungen wesentlich weiterhelfen würde. "Gehalt ist ein entscheidender Faktor für mehr Motivation und Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Um ein angemessenes und faires Gehalt abschätzen zu können, brauchen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine umfassende, transparente Informationsbasis – auch als Entscheidungsgrundlage bei Gehaltsverhandlungen", meint Nina Zimmermann, CEO von kununu in einer Aussendung.

Gender Pay Gap

Auch was faire Entlohnung und Geschlechtergerechtigkeit betrifft, wäre mehr Gehaltstransparenz ein wichtiger Faktor, um Ungleichheiten zu beseitigen – Stichwort Gender Pay Gap. Nach wie vor verdienen Frauen international wie auch hierzulande im Schnitt weniger als ihre männlichen Kollegen. In Österreich haben wir nach wie vor eine Einkommensschere von 18,5 Prozent, die sich nur sehr langsam schließt. Werden Gehälter verschwiegen, so bleiben Ungleichheiten in der Entlohnung länger unbemerkt und sind schwieriger zu beanstanden. Aus diesem Grund werden Rufe nach Richtlinien zur Offenlegung der Gehälter seit einigen Jahren immer lauter; einige Länder wie etwa Schweden haben derartige Vorschriften bereits umgesetzt.

 

Aktuell