Studie: Vielen Frauen geht es mit Kindern psychisch schlechter als davor

Mutterschaft geht häufig mit verringertem mentalem Wohlbefinden einher, so eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Wenn ein Hashtag zur Realität wird: als #regrettingmotherhood zur weltweiten Debatte darüber führte, welche Auswirkungen Mutterschaft auf das Wohlbefinden von Frauen hat, gab es noch wenige wissenschaftliche Untersuchungen dazu, die die Erzählungen fundieren. Bis jetzt: das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat sich jetzt angesehen, wie negativ sich das Muttersein tatsächlich auf die Psyche auswirkt. Das Ergebnis ist wenig erfreulich.

Repräsentative Längsschnittdaten des sozioökonomischen Panels (SOEP) zeigen: es kommt zu einem substanziellen und signifikanten Absinken des mentalen Wohlbefindens im Zeitraum bis sieben Jahre nach der Geburt. Schwermut, Depression, mentaler Stress, sozialer Rückzug und Angstgefühle sind die konkreten Ausprägungen. Es gibt jedoch starke Unterschiede zwischen den Müttern.

Viele Mütter sind unglücklich

30 Prozent der untersuchten Mütter erfahren eine substanzielle Verschlechterung des gesundheitsbezogenen Wohlbefindens. Gleichzeitig profitieren aber auch 19 Prozent von einer substanziellen Verbesserung. Ein Vergleich mit kinderlosen Frauen legt nahe, dass zumindest ein Teil dieser Veränderungen genuin durch Mutterschaft und nicht sonstige altersbezogene Effekte erzeugt wird, so die Studie.

Ob gesellschaftliche Mutterideale damit zu tun haben, kann die Studie nicht beantworten. Die hohe Belastung, wenig Arbeitsaufteilung zwischen den Elternteilen und finanzielle Schwierigkeiten spielen jedoch mit Sicherheit eine Rolle.

Mutter mit Kind

Ein interessantes Detail: die Symptome treten verstärkt vier bis sieben Jahre nach der Geburt auf, also nicht direkt danach. Der Studienautor Marco Giesselmann erklärt sich das mit später auftretenden Vereinbarkeitsproblemen.

Gelegentliche oder häufige Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit aufgrund emotionaler Probleme werden in der späten Phase der Mutterschaft von etwa einem Viertel der Frauen berichtet. Dies sind fast 50 Prozent mehr als vor der Mutterschaft.

Fazit der Studie: #regrettingmotherhood ist teilweise real

"Wissenschaftliche, öffentliche und mediale Diskurse, die sich um das Schlagwort #regrettingmotherhood formieren, beziehen sich auf ein normenbezogenes Spannungsfeld und die daraus abgeleiteten, uneinlösbaren sozialen Erwartungshaltungen an Mutterschaft", resümiert der Autor. "Ideen und Befunde zu schädigenden Einflüssen von Mutterschaft, die durch unsere Ergebnisse teilweise gestützt werden, können als Forderung nach Revision und Aufweichung tradierter Mutterschaftsideale gedeutet werden." Mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten, gleichberechtigte Elternschaft und ein realistisches Mutterbild würden den nachhaltigen negativen psychischen Folgen für Mütter entgegenwirken.

LINK zur Studie "Mutterschaft geht häufig mit verringertem mentalem Wohlbefinden einher"

 

Aktuell