Studie: Mädchen denken schon mit 6 Jahren, Jungs wären schlauer als sie

Dass wir in einer sexistischen Gesellschaft aufwachsen, ist längst bekannt. Jetzt aber zeigt eine aktuelle Untersuchung, wie bald wir bereits frauenfeindliche Denkmuster verinnerlicht haben.

Studie Intelligenz

Rosa für die Mädels, Blau für die Jungs, die Mädchen sollen Kochen spielen, die Burschen mit Autos und Maschinen: Die geschlechterspezifischen Unterschiede in der Erziehung, die vermeintlich harmlos klingen, haben Auswirkungen, wie sich Frauen und Männer später selbst wahrnehmen. Das weiß man längst aus der Wissenschaft. Neu ist allerdings nun eine Studie, die zeigt, in welch jungem Alter wir sexistische Denkweisen bereits verinnerlichen.

Ist eine Person besonders schlau, muss es ein Mann sein

Lin Bian, Psychologin an der University of Illinois, hat kürzlich eine Serie an Studien durchgeführt, um zu erkennen, ab wann wir gesellschaftliche Strukturen auch in unserem Denken verinnerlicht haben. Für die Untersuchung wurden 240 Kinder mit folgendem Szenario konfrontiert:

Dort, wo ich arbeite, arbeiten auch viele andere Menschen, aber es gibt eine Person, die wirklich was Besonderes ist. Diese eine Person ist wirklich, wirklich schlau. Diese Person kann Dinge flott umsetzen und findet viel schneller Lösungen als alle anderen. Diese Person ist wirklich, wirklich schlau.

Im Anschluss wurden den Kindern vier Bildern von erwachsenen Menschen gezeigt – zwei Bilder mit Frauen, zwei Bilder mit Männern. Die Proband*innen sollten sagen, wer "diese Person" aus der Geschichte am ehesten sein könnte.

In der Gruppe der 5-Jährigen tendierten die Kinder dazu, eine Person ihres Geschlechts auszuwählen: Kinder, die sich mit dem weiblichen Geschlecht identifizieren, wählten eher ein Bild einer Frau – und umgekehrt. In der Gruppe der 6- und 7-Jährigen gab es allerdings eine signifikante Veränderung: Die Buben suchten immer noch eher das Bild eines Mannes aus – und immer mehr Mädchen taten es ihnen gleich. Ab einem Alter von sechs Jahren suchten Mädchen zu gleichen Teilen Bilder eines Mannes und Bilder einer Frau aus.

Wann beginnen wir, sexistisch zu denken?

Man mag jetzt vielleicht verleitet sein, zu denken, es wäre etwas Gutes, dass Mädchen Schlausein zu gleichen Teilen mit Männern und Frauen assoziieren – aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Buben tun das nämlich nicht und schreiben Schlausein signifikant häufiger einem Mann zu.

Studienautorin Bian betont, dass das zwar wichtige, neue Forschungsergebnisse seien, man aber nun nicht davon ausgehen könnte, dass sexistische Denkmuster immer im Alter von fünf bis sieben Jahren angeeignet werden. Bildung würde dabei noch einen wichtigen Faktor spielen, den die Untersuchung außer Acht gelassen hat. Nichtsdestotrotz: Eine weitere Studie aus der Serie an Untersuchungen von Bian zeigt, dass Mädchen eher die Finger von Spielen und Aktivitäten gelassen haben, wenn sie "für wirklich, wirklich schlaue" Kinder ausgewiesen waren.

Auch wenn Frauen schlauer sind, nehmen sie das nicht so wahr

Dass sich Frauen also durch Sozialisierung im Laufe des Lebens weniger zutrauen als Männer, ist bewiesen. Und das obwohl es zahlreiche Studien gibt, dass Frauen in akademischen Bereichen eher besser abschneiden als Männer. Nur: Frauen setzen gute Leistungen in Schule oder Uni nachweislich nicht mit hoher Intelligenz gleich. Egal, wie gut Frauen bei Prüfungen abschneiden – sie würden deutlich weniger häufig als Männer von sich selbst behaupten, schlau zu sein.

Wie man das ändern kann? Bians Forschungsteam hat nun herausgefunden, wann sich das Denken und der Selbstwert zu verändern beginnt. Der nächste Schritt sei nun, das Phänomen wissenschaftlich besser verstehen zu lernen – um es dann endlich ändern zu können.

 

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