Studie: Klimawandel verstärkt Gewalt gegen Frauen

Mangelnde Ressourcen und Naturkatastrophen führen zu zunehmender geschlechtsspezifischer Gewalt. Das zeigt aktuell eine von der Weltnaturschutzorganisation veröffentlichte Studie.

Vor allem in Regionen, in denen Frauen aufgrund ihrer gesellschaftlichen, untergeordneten Rolle festen Regeln verpflichtet sind, sind sie von Klimakatastrophen härter betroffen. Oft verbieten ihnen etwa gesellschaftliche Strukturen, schwimmen zu lernen, was besonders bei Frauen zu tödlichen Folgen bei Überschwemmungen führt.

Frauen sind Folgen des Klimawandels besonders ausgesetzt

Deutlich wurde das etwa beim Tsunami in Indonesien und Sri Lanka 2004: Mehr als 70 Prozent der Todesopfer waren weiblich. Ähnlich 2008, als der Zyklon "Nargis" Myanmar traf: 62 Prozent der Opfer waren Frauen. Dass Frauen und Mädchen es sind, die vom Klimawandel am härtesten betroffen sind, zeigt sich allerdings nicht nur bei akuten Naturkatastrophen: In vielen patriarchalen Gesellschaften sind Frauen und Mädchen dafür zuständig, den Haushalt mit frischem Wasser und Brennmaterial zu versorgen. Bedingt durch die Klimakrise müssen sie immer weitere Strecken zurücklegen, um an die nötigen Ressourcen zu kommen.

Das bedeutet nicht nur härtere körperliche Anstrengung, sondern vor allem Zeit und Energie, die fehlt, um sie für Bildung oder politisches Engagement aufzubringen, denn: Immer noch sind Frauen vor allem in entlegenen Gebieten kaum an der politischen Entscheidungsfindung beteiligt. Sie kämpfen nicht nur mit ökonomischen Herausforderungen, sondern auch mit sozialen Gegebenheiten.

Naturkatastrophen führen zu Gewalt

Eine aktuelle Studie der Weltnaturschutzorganisation listet weitere Beispiele auf: Nachdem der Taifun "Haiyan" 2013 Thailand traf, stieg der Menschenhandel dort um 30 Prozent. Aus dem westafrikanischen Sierra Leone wurde bekannt, dass Mitarbeiter*innen humanitäre Hilfsgüter oft nur gegen sexuelle Handlungen ausgeben würden. In Teilen Ost- und Südafrikas spricht man vom "Fisch gegen Sex"-Prinzip, das heißt: Frauen bekommen Meeresprodukte auf dem Fischmarkt oft nur gegen Geschlechtsverkehr. Durch den Klimawandel bedingte schlechtere Ernten verheiraten Familien ihre Töchter oft noch früher, damit die Frauen den Familien nicht zur Last fallen.

Frauen auf der Flucht

Treiben die ökologischen und sozialen Folgen der globalen Erhitzung die Frauen in die Flucht, sind sie auch in Lagern nicht sicherer, so die Wissenschaftler*innen in der Studie: In Notunterkünften sei es Aufgabe der Frauen und Mädchen, Feuerholz zu sammeln. Dabei würden sie häufig bedroht oder missbraucht. Laut einem Bericht aus Tschad fanden 91 Prozent der Vergewaltigungen in unmittelbarer Nähe zu Notunterkünften statt. Das Fazit: Auch wenn Frauen gegen die globale Erhitzung kämpfen, können sie geschlechtsbezogener Gewalt ausgesetzt sein, so die Autor*innen der Studie. Es bleibt also bei jener Message, die schon Akteur*innen bei der Klimakonferenz 2007 auf Bali forderten: "Keine Klimagerechtigkeit ohne Gendergerechtigkeit!"

 

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