Studie: Home-Office für Alleinerziehende am härtesten

Wie eine aktuelle Umfrage zeigt, ist es für Alleinerziehende am schwierigsten, ihre Arbeitszeiten im Corona-bedingten Home-Office einzuhalten.

Frau arbeitet, Kinder spielen

Damit sich das Coronavirus nicht zu rasch ausbreitet, arbeiten viele Menschen seit dem Frühjahr von zuhause aus. Während einige die Vorteile dieser neuen Art und Weise zu arbeiten genießen können (mehr Flexibilität, mehr Freizeit dank entfallender Anfahrtswege, …), bringt das Home-Office für manche erst wieder neue Herausforderungen. Eine neue Studie der Wirtschaftsuniversität Wien zeigt nun, dass vor allem Alleinerziehende unter dem Arbeiten im Home-Office leiden.

Frauen machen mehr Überstunden

Ein Team rund um Ökonomin Katharina Mader hat erforscht, wie die Menschen in Österreich das Arbeiten von daheim in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen erlebt haben. 1.353 Personen wurden dabei befragt. Das Ergebnis: Vor allem Frauen mit Kindern haben es schwer, ihre Arbeit mit dem Privatleben zu vereinbaren. So gaben 35 Prozent der Frauen in Paarhaushalten mit Kindern an, schlechter von zu Hause aus arbeiten zu können – bei den Männern waren es nur 26 Prozent. Tendenziell kreuzten Frauen häufiger an, außerhalb der Arbeitszeit erreichbar zu sein, Überstunden im Home-​Office zu machen oder am Wochenende zu arbeiten. Männern in jenen Haushalten stand zudem tendenziell öfter ein eigenes Arbeitszimmer zur Verfügung.

Noch schwieriger war es aber für die Alleinerziehenden (von denen im österreichweiten Schnitt rund 90 Prozent Frauen sind): Alleinerziehende hatten weniger oft ein eigenes Zimmer, arbeiteten seltener zu vereinbarten Arbeitszeiten und konnten Freizeit und Arbeitszeit am schlechtesten trennen.

Allgemein scheint das subjektive Gefühl der Abgrenzung von Freizeit und Arbeitszeit im Home-​Office zu verschwimmen. Singles gelang die Trennung der beiden Bereiche am besten. Sie gaben an, eher nicht am Wochenende zu arbeiten oder Überstunden zu machen.

Care-Arbeit immer noch Frauensache

Die Umfrage zeigte auch, dass die Care-Arbeit immer noch zum großen Teil den Müttern zufällt. Bereits in den ersten Jahren offenbaren sich deutliche Unterschiede: So kommen Mütter von Kleinkindern (null bis zwei Jahre) im Schnitt auf elf Stunden unbezahlte Arbeit pro Werktag, wovon mehr als sieben Stunden Kinderbetreuung sind, der Rest Kochen, Aufräumen, Putzen und sonstige Arbeiten. Väter von Kleinkindern kommen hingegen auf gerade einmal vier Stunden Kinderbetreuung und sieben Stunden Erwerbsarbeit pro Werktag.

Diese Verteilung bleibt meist aufrecht und setzt sich nach den langen Karenzen der Mütter fort. Unabhängig davon, wie viele Stunden die Frauen anschließend wieder arbeiten.

Ausbau der Kinderbetreuung dringend nötig

Fazit: Die Zeit im Lockdown war besonders für Familien mit Kindern sehr herausfordernd, speziell für Frauen und ganz besonders für Alleinerziehende. Home-​Office könne laut den Autor*innen der Studie deswegen nicht "das alleinige Instrument sein, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern". Es brauche dringend einen Ausbau qualitätvoller und vor allem leistbarer Kinderbetreuungsstätten sowie eine allgemein geschlechtergerechte Arbeitsmarkt-​ und Familienpolitik.

Die Studie der WU Wien findet ihr hier.

Wer noch mehr wissen möchte: Im WIENERIN-Podcast 'Feminismus zum Mithören' hat uns Ökonomin Katharina Mader erklärt, inwiefern die Corona-Pandemie bereits bestehende Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern aufzeigt. Die ganze Folge gibt's hier.

 

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