Studie: Frauen wollen sehr wohl in die Führungsetage - man lässt sie nur nicht

Die gute Nachricht? 70 Prozent der Frauen wollen führen. Immer mehr tun es auch. Die schlechte? Über 90 Prozent haben bereits Ungerechtigkeiten am Arbeitsplatz erfahren.

Businessfrauen unterhalten sich

Geht es darum, wieso Österreichs Führungsetagen nach wie vor hauptsächlich von weißen Männern besetzt sind, hört man regelmäßig: "Frauen, die wollen doch eh nicht führen!“ Newsflash: Klar, wollen sie. Oftmals wird es ihnen nur alles andere als leicht gemacht. Welche Motivationen Frauen haben, höhere Positionen anzustreben und was ihnen helfen würde, diese auch zu erreichen (über altbekannte Faktoren wie Flexibilisierung der Arbeitszeit, Kinderbetreuung, etc. hinaus), hat eine neue Studie herausgefunden.

Über 300 Frauen befragt

Im Zuge der Untersuchung des Female Leadership Instituts V-SUIT Business GmbH wurden 304 Frauen zu ihren Einstellungen im Bereich "Frauen und Karriere“ befragt. Zu Beginn die offensichtlichste Frage: Wollen Frauen überhaupt führen? "Das kann ich ganz eindeutig mit 'Ja‘ beantworten“, so Katja Schuh, CEO von V-SUIT. "Das finde ich auch extrem erfreulich, weil immer gesagt wird, Frauen hätten daran eh kein Interesse“.

Die Studie zeigt: In der Altersgruppe von 36-45 Jahren führen 47 Prozent der befragten Frauen, jedoch hätten 73 Prozent gerne eine Führungsposition inne. Was aber brauchen Frauen und was motiviert sie, Karriere zu machen?

Motivation: Träume realisieren

Laut der Umfragte ist der wichtigste Motivationsfaktor die Verwirklichung ihrer Träume. Der Tipp von Katja Schuh: "Ich glaube, es ist ganz wichtig, Träume in klare Ziele herunterzubrechen – in etwas, das ich tatsächlich erreichen kann. Sich fragen: Träume ich nur vom Luftschloss oder visualisiere und plane ich schon mein konkretes Haus? Das macht einen großen Unterschied.“ Außerdem nannten die befragten Frauen Gestaltungsspielraum sowie die Sichtbarkeit erfolgreicher Business Frauen als Role Models.

Coaching und Mentoring wären laut Probandinnen sehr wichtig, um das eigene Potenzial auszuschöpfen und die gesetzten Ziele auch zu erreichen: "Eine gewisse Begleitung kann sehr fruchtbar sein. Aktuell gibt‘s leider einfach noch nicht so viele Frauen in Führungspositionen, zu denen wir aufblicken können“, so Schuh.

Es braucht einen Systemwandel

Welche Fähigkeiten brauchen Frauen, um beruflich weiter zu kommen? An oberster Stelle nannten Frauen hier Durchsetzungsfähigkeit (56 Prozent) und Selbstbewusstsein (51 Prozent). Das Ergebnis deutet darauf hin, dass sich Arbeitsumfelder wohl noch so weit ändern müssen, dass Frauen nicht länger das Gefühl haben sich durchsetzen zu müssen. Immerhin zeigt die Studie auch, dass die beiden Eigenschaften mit dem Alter zunehmen.

Natürlich dürfen systembedingte Faktoren, welche es Frauen erschweren, Führungspositionen zu erlangen, nicht außer Acht gelassen werden: So bestätigt die Umfrage, dass 90(!) Prozent der Frauen bereits Ungerechtigkeiten im Job erfahren haben. Insofern können Frauen noch so viel an sich arbeiten – ohne Strukturwandel wird es weiterhin schwer bleiben, als Frau in die Führungsetage aufzusteigen.

 

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