Studie: Frauen fühlen sich in der Corona-Krise im Stich gelassen

Und sie glauben nicht, dass das besser wird. Zwei Drittel der Frauen erwarten eine Verschlechterung ihrer beruflichen Situation nach der Corona-Krise. Das zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag der SPÖ-Frauen.

Studie: Frauen fühlen sich von öffentlichen Einrichtungen im Stich gelassen

"Frauen sehen sich einer Vier- und Fünffachbelastung gegenüber und fühlen sich allein gelassen, ja vollkommen im Stich gelassen und sogar an der Nase herumgeführt“, sagt SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Sie zitiert dabei aus einer aktuellen Umfrage im Auftrag der SPÖ-Frauen zur Situation von Frauen am Arbeitsmarkt, die sich durch die Corona-Krise dramatisch geändert hat. Kurzarbeit, Ängste vor Arbeitsplatzverlust, Betreuungsproblematik, Haus- und Familienarbeit, und fehlende Arbeitsteilung beschäftigen Frauen in Österreich aktuell besonders.

Frauen erwarten sich eine Verschlechterung ihrer Situation

1.000 Frauen zwischen 15 und 65 Jahren wurden im April von der Triple M Markt- und Meinungsforschung befragt. Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass sich ihre berufliche Situation verschlechtern wird. Ein Drittel der Frauen haben Angst vor Jobverlust. Bei jenen, die in Kurzarbeit oder Alleinerzieherinnen sind, sind es sogar 45 bzw. 44 Prozent.

"In Krisenzeiten verschärfen sich Ungleichheiten", sagt Christina Matzka vom Triple M Markt- und Meinungsforschung. "Die Frauen wissen und erwarten das selbst." Zum ersten Mal habe die Meinungsforscherin beobachtet, dass Frauen mit höherem Bildungsniveau sogar noch größere Ängste um ihre Jobs haben. Bildung sei für die Betroffenen nun kein Garant für Jobsicherheit.

Arbeitsteilung gab es schon vor der Krise kaum - und jetzt erst recht nicht

86 Prozent der Frauen sagen, dass Frauen den Hauptteil der Belastungen in der momentanen Situation tragen. Bei den Alleinerzieherinnen sind es sogar 93 Prozent. Drei Viertel von ihnen fühlen sich außerdem von öffentlichen Einrichtungen mit der Mehrfachbelastung alleingelassen. Jede zweite befragte Frau mit Kindern berichtet von einem (viel) höheren Betreuungsaufwand durch die Krise.

Das ist generell nicht neu: Schon vor der Krise haben Frauen die Hauptlast bei Haushalt und Betreuungsarbeiten getragen. Durch die Krise hat sich das verstärkt. "Halbe-Halbe ist noch lange nicht angekommen", sagt Matzka.

Was bleibt von den Heldinnen?

72 Prozent bzw. 90 Prozent der Befragten stimmen der öffentlichen Inszenierung von Einzelhandelsmitarbeiter*innen und Beschäftigten in der Pflege als 'Heldinnen' zu. Die Probandinnen glauben aber zu überwiegenden Teilen, dass es keine nachhaltige Veränderung des Stellenwertes dieser Berufsgruppen geben wird. "Schön, dass Frauen als Heldinnen des Alltags gesehen werden - aber was haben sie am Ende davon?", fasst Matzka die Stimmung zusammen.

SPÖ-Frauen fordern Paket für Alleinerzieher*innen und Arbeitszeitverkürzung

"Frauen werden als Superheldinnen beklatscht, aber wir und sie wissen, dass Klatschen allein zu wenig ist", sagt die ehemalige Frauenministerin Heinisch-Hosek und kritisiert, dass sich die aktuelle Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) in der aktuellen Krise bisher zu wenig zu Wort gemeldet habe: "Wenn das Männerquartett der Regierung in Pressekonferenzen über die Krise spricht, hört man nie, wie es den Frauen geht und was sie leisten." Es reiche nicht, was die Regierung tue. "Wir dürfen die Frauen nicht alleine lassen."

Die SPÖ-Frauen fordern ein Paket für Alleinerzieher*innen mit einer Erhöhung des Familienhärteausgleichefonds und staatlicher Unterhaltsgarantie. Außerdem solle das Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent erhöht werden und die ersten 1.700 Euro des Einkommens steuerfrei sein. Die Oppositionspartei bringt außerdem das Thema Arbeitszeitverkürzung wieder auf's Tapet - mit einem alten Slogan der Sozialdemokratie, dem gerade zeitgemäß neues Leben eingehaucht werden soll. Aus dem bekannten 8-8-8 wird 6-8-10. Also: Sechs Stunden Arbeit, acht Stunden Schlaf, zehn Stunden Freizeit. Das würde alle arbeitenden Menschen in Österreich entlasten. Und so auch Frauen, die diese Entlastung dringen brauchen.

 

Aktuell