Stress in der Schwangerschaft führt zu Potenzproblemen bei Söhnen

Eheprobleme, plötzlicher Tod oder andere Stressmomente in der Schwangerschaft könnten einschneidende Auswirkungen auf die spätere Potenz der männlichen Nachkommen haben, sagt eine neue Studie.

Männer, deren Mütter in der Schwangerschaft viel Stress ausgesetzt waren, könnten in ihrem späteren Leben unter Problemen bei der Fortpflanzungsfähigkeit leiden. Das legt eine neue Multi-Generationen-Studie nahe, die kürzlich im Fachmagazin Human Reproduction veröffentlicht wurde. Für die Untersuchung wurden 2,804 Frauen im Zeitraum von Mai 1989 und November 1991 untersucht und ihre Nachkommen schließlich 20 Jahre später auf ihre Gesundheit überprüft.

Für die Studie mussten die Frauen Auskunft über Ereignisse in der Schwangerschaft geben. Zu "Stress" zählten die ForscherInnen Vorkommnisse wie Tod von Verwandten oder FreundInnen, Trennung, Eheprobleme, Scheidung oder Probleme mit Kindern.

Bis zu einem Drittel weniger Spermien durch Stress

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass jene Männer, die im frühen Stadium der Schwangerschaft Stress ausgesetzt waren, eine geringere Gesamtanzahl an Spermien aufwiesen, weniger agile Spermien hatten und eine geringere Konzentration an Testosteron zeigten, als jene, die keinen stressigen Ereignissen ausgesetzt waren.

Jene männlichen Nachkommen, die drei oder mehr "stressige" Lebensereignisse in ihrer frühesten Entwicklung erfuhren, zeigten sogar eine um 36 Prozent geringere Menge an Spermien in ihrem Ejakulat, kommt die Studie zum Schluss.

Auch andere Faktoren spielen eine Rolle

Für den Studienleiter Roger Hart ist damit klar, dass stressige Ereignisse in der frühen Phase der Schwangerschaft der Mutter für Männer besonders heikel sind. So könnten diese zu lebenslangen Einschnitten der reproduktiven Fähigkeiten der Männer führen.

Trotz der Zusammenhänge warnen die ForscherInnen davor, nun voreilige Schlüsse zu ziehen. Es könnten auch andere Faktoren, etwa individuelle Lebensweise der Männer, eine Rolle bei den Ergebnissen spielen. Bei Stress in der späteren Phase der Schwangerschaft geben die WissenschaftlerInnen aber Entwarnung - hier konnten, zumindest in diesem Fall, keine Zusammenhänge gefunden werden.

Letztlich zeige die Studie aber, dass Unterstützung der Frauen während der Schwangerschaft nicht nur für die Mütter sondern auch für die Nachkommen von essentieller Bedeutung ist. Auf einen weiteren Umstand machen die ForscherInnen ebenfalls aufmerksam: gesundheitliche Vorsorge. Die kommt bei Männern nämlich weiterhin immer noch viel zu kurz.

 

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