Strache auf Ibiza: Er wollte doch nur flirten

Am Freitag veröffentlichten die deutschen Medien "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" ein Video von HC Strache und Johann Gudenus, das letztlich die türkis-blaue Koalition sprengen sollte. Straches Rücktrittsrede danach kam über sexistische Muster und Schuldzuweisungen nicht hinaus.

Gudenus und Strache in der vermeintlichen Oligarchenvilla auf Ibiza.

Es gibt einen recht einfachen Weg, auf die brisante Frage „Ist das jetzt Sexismus?“ eine Antwort zu finden. Man vertausche schlicht die Geschlechter in einer Situation und bewerte die Reaktionen erneut. Man stelle sich also eine Vizekanzlerin vor, die bei Wodka-Red Bull mit einem vermeintlichen russischen Oligarchenneffen ganz offen über Korruption spricht. Über Pläne, die Pressefreiheit im Land zu untergraben, illegale Parteispenden zu organisieren und sie durch die Vergabe von öffentlichen Aufgaben an den Spender rückfließen zu lassen.

In der darauf folgenden Rücktrittsrede entschuldigt unsere hypothetische Vizekanzlerin das öffentlich als „typisches Bitchgehabe“. Es wäre eine „b‘soffene Gschicht“ gewesen, sie hätte doch nur dem „schorfen“ Russen imponieren wollen und es tue ihr leid. Niemand würde das der Vizekanzlerin durchgehen lassen. HC Strache aber stellt sich in seiner Erklärung für diesen Abend genauso dar: Als Mann, der in einer Art Brunfttanz anbietet, die Republik zu verscherbeln, weil ihm die blonde Frau so gefällt.

Geduldete Männlichkeit

Die "Bitch" ist in dem Szenario das Gegenstück zum "Macho". Der Vergleich hinkt, weil das "übertrieben männliche Gehabe" des Machos in unserer Gesellschaft im besten Fall ein augenzwinkerndes Kavaliersdelikt, beinahe jede Form der Weiblichkeit aber verpönt ist.

Das ist nicht nur im Fall von Strache ein Problem. "Boys will be boys" heißt es im Englischen und meint, dass Männer nun mal eben so wären. Was willst machen, so sans halt, die Manda! Frauen wird hingegen immer noch gern pauschal die Kompetenz für Führungspositionen, in der Politik wie in Unternehmen, wegen ihrer angeblich ach so ausprägten Emotionalität abgesprochen. Eine Frau könnte sich einen Auftritt wie jenen Straches niemals erlauben.

Als Mann versagt

Auch über Strache wird jetzt ein bisschen getuschelt, unter den FPÖ-Fans auf Facebook ist das Verständnis aber prinzipiell da. Nur: Die Macho-Ausrede ist freilich auch in dieser Situation nicht ernst zu nehmen. Der ehemalige Vizekanzler versucht so, sein Verhalten als persönlichen Ausrutscher zu inszenieren. Als Mann habe er einen Fehler gemacht, in all seinen Rollen als Macho, Ehemann und Ehrenmann. Lara Fritzsche, stellvertretende Chefredakteurin des "SZ Magazins", analysiert treffend auf Twitter: „So legt er nahe es ginge um private Verfehlungen auf dem Feld der Männlichkeit. Dort sind Sympathien sicher.“

Strache und die FPÖ sehen sich ohnehin nur bedingt für das Zerbrechen der Koalition verantwortlich. Es sind vielmehr attraktive Frauen und wallenden Männerhormone. Medien, die recherchieren und Korruption aufdecken, und ominöse Kräfte, die der FPÖ eins auswischen wollen. Ein antisemitischer Hinweis auf Tal Silberstein darf in der blauen Erklärung auch nicht fehlen. Schuld sind immer die anderen, man selbst erliegt höchstens den Grenzen der eigenen Person. Was könnte menschlicher sein? Gerade ein Mann hat es sowieso wahrlich schwer in diesen stürmischen Zeiten für das Patriarchat. Und „wer war noch nie stockbetrunken?“, fragt EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky. Das sollen die WählerInnen verstehen.

"Machos" in der Regierung

Was Strache mit seiner Erklärung aber eigentlich sagt ist: „Ich bin zu unreif, um in Gegenwart einer attraktiven Frau meinen Job verantwortungsvoll und pflichtbewusst nachgehen zu können.“ So jemand war Vizekanzler der Republik Österreich. Letztlich fällt das in die Verantwortung von Sebastian Kurz und seiner ÖVP. Wir sollten es für die kommenden Wahlen nicht vergessen.

 

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