Stimmt es, dass wir über die Webcam beobachtet werden können?

Frau vor Tastatur

Wir alle verbringen gerade sehr viel Zeit vor Handy und Laptops. Dabei scheinen spätestens mit dem Lockdown, inklusive Homeoffice und Videokonferenz-Flut, sämtliche Sorgen in puncto Überwachung wie weggeblasen zu sein. Internetsicherheit sollte aber auch in Zeiten von Social Distancing nicht vernachlässigt werden.

Im ersten Teil unserer neuen Serie "Stimmt es, dass …" fragen wir:

Stimmt es, dass wir über unsere Webcams beobachtet werden können?

Die kurze Antwort lautet: Ja. Natürlich können wir beobachtet werden. Die längere Antwort: Das ist aber nicht so ohne weiteres möglich. Das heißt, es können nicht einfach irgendwelche bösen Hacker*innen etwas in ihre Tastatur tippen und schon schauen sie uns in die Wohn- und Schlafzimmer.

Tatsächlich ist es so, dass wir, damit uns jemand ausspionieren kann, sogar selbst etwas dafür tun müssen. In der Regel dringen Kriminelle nämlich über Spyware, also Schadsoftware, in unsere Geräte ein. Firewalls und Anti-Virus-Programme helfen da nur bedingt. Die Schwachstelle des Systems ist ja in dem Fall der User oder die Userin selbst.

Eingeschlichen

Das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort warnt entsprechend vor angreifbaren Komponenten in unseren Handys und Computern: Eingebaute Mikrofone, GPS-Sender und Kameras könnten mit relativ wenig Aufwand gehackt werden. Das geschieht über Software, die wir in der Regel selbst herunterladen und leichtfertig installieren, ohne sie genauer zu prüfen oder die AGBs anzusehen. "Meist wird Spyware mit kostenlosen Programmen mitgeliefert", heißt es vom Ministerium. "Teils sind solche Spionageaktivitäten sogar in den AGBs aufgeführt. Diese müssen bei der Installation von der Nutzerin bzw. vom Nutzer akzeptiert werden."

Schau genau

Daher empfiehlt das Bundesministerium einige Verhaltensregeln im Umgang mit dem Thema Internetsicherheit: nicht wahllos Programme und Apps installieren und Anhänge öffnen. Egal, ob eine Nachricht per Mail kommt, über Messenger oder ob es sich um Links auf Webseiten handelt – die wichtigste Regel lautet immer: skeptisch sein. "Hinterfragen Sie also generell alle Benachrichtigungen, Angebote oder Forderungen und machen Sie sich Gedanken, welchen zusätzlichen Grund diese haben könnten." Im Zweifelsfall beim Absender einer Mail mit unklarem Inhalt lieber nachfragen, bevor man etwas öffnet. Keine Passwörter weitergeben und nicht ohne Grund persönliche Daten wie Geburtsdatum etc. angeben.

Achtlose Opfer

Wie leichtsinnig wir tatsächlich sind, wenn es um Webcams an Computern und Co geht, hat eine Studie der University of California Berkeley gezeigt. Dort wurden 98 Personen vor Laptops gesetzt, um bestimmte Aufgaben zu erledigen. Anschließend wurden sie gefragt, ob sie bemerkt hatten, dass das Licht der Webcam geleuchtet hatte, das signalisiert, dass sie in Betrieb ist. Nur 27 von 98 Personen hatten es überhaupt wahrgenommen. Erschwerend kommt dazu, dass es auch möglich ist, die Kamera zu aktivieren, ohne dass das Licht aufleuchtet. Daher die vielleicht simpelste Verhaltensregel: Einfach ein Post-itüber die Kamera kleben, wenn man sie gerade nicht braucht.

Infos über Online-Sicherheit und aktuell kursierende Schadsoftware und Phishing Mails etc. findet ihr z.B. hier, hier und hier.

 

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