Stimmt es, dass sich die COVID-19-Impfung auf die Periode auswirken kann?

Online berichten Frauen von verstärkten Blutungen und Schmerzen nach der COVID-19-Impfung. Gynäkologe Michael Feichtinger gibt Entwarnung:

Stimmt es, dass sich die COVID19-Impfung auf die Periode auswirken kann?

Über die gängigen Reaktionen auf die COVID-19-Impfungen ist mittlerweile schon allerlei bekannt. Wer sich impfen lässt, weiß, dass es anschließend kurzzeitig u.a. zu Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen kommen kann. Nun sorgt eine neue Impfreaktion für Aufmerksamkeit: Potenzielle Unregelmäßigkeiten bzw. verstärkte Blutungen und Schmerzen bei der Periode.

Vor einigen Monaten teilte die US-amerikanische medizinische Anthropologin Dr. Kate Clancy auf ihrem Twitter-Account, dass sich ihre Periode nach Erhalt der COVID-19-Impfung deutlich verstärkt hatte.

Seither berichteten viele weitere Menschen ähnliche Erlebnisse: "Ich habe eigentlich einen sehr regelmäßigen Zyklus. Eine Woche vor meiner Impfung hatte ich meine Tage. Ich bekam meine erste Dosis Pfizer und - boom - eine Woche später hatte ich schon wieder meine Periode! Dieses Mal allerdings besonders heftig, mit starken Krämpfen und Müdigkeitserscheinungen", schreibt eine Userin auf Twitter.

Womanizer-Umfrage: Jede*r Fünfte stellt Veränderung fest

Sextoy-Marke Womanizer nahm dies zum Anlass, eine Umfrage unter ihrem Tester*innenpanel durchzuführen. 552 menstruierende Menschen (aus Deutschland, USA, Großbritannien und Österreich), die bereits die erste oder zweite Impfdosis erhalten hatten, nahmen an der Befragung teil. Jede*r Fünfte gab dabei an, dass die Impfung eine Auswirkung auf den Menstruationszyklus hatte.

Bei 31 Prozent davon war die Periode stärker als sonst, 29 Prozent gaben an, dass ihre Periode schmerzhafter war als normalerweise. Bei ca. 22 Prozent verspätete sich der Start der Menstruation um ein paar Tage. Zusätzlich berichteten einige der Befragten von Zwischenblutungen oder einer längeren Periodendauer.

Zyklusauffälligkeiten nicht unbedingt auf Impfung rückführbar

Im großen Stil wurden die Auswirkungen der COVID-19-Impfungen auf die Menstruation bislang noch nicht untersucht. Gynäkologe Priv. Doz. DDr. Michael Feichtinger (Wunschbaby Institut Feichtinger) sieht vorerst jedoch keinen Grund zur Sorge.

Eventuell seien Veränderungen bei der Blutung auf ein Absinken der Thrombozyten (Blutplättchen) zurückzuführen. Ganz nüchtern betrachtet sei die wahrscheinlichste Erklärung für Auffälligkeiten jedoch, "dass in letzter Zeit einfach unglaublich viele Menschen geimpft wurden. Und wenn zwei häufige Ereignisse - nämlich die Menstruation und die Impfung - zusammenkommen, dann kann es natürlich schon sein, dass eine Frau auch rein zufällig nach der Impfung eine Unregelmäßigkeit in ihrem Zyklus, eine stärkere oder schwächere Blutung wahrnimmt und diese dann mit der Impfung in Verbindung bringt – obwohl beides eigentlich nicht miteinander zusammenhängt".

Daten des britischen Nebenwirkungserfassungsregisters würden zwar zeigen, dass es ein paar hundert Meldungen zu Zyklusveränderungen nach Corona-Impfungen gab – "was bei Millionen von Impfungen allerdings nichts ist", so Feichtinger.

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Keine Langzeitfolgen zu erwarten

Tatsächlich sind Veränderungen bei der Periode nach Impfungen nicht so ungewöhnlich. So zeige die Fachliteratur laut Feichtinger, dass auch andere Impfstoffe, etwa gegen Grippe oder HPV, einen kurzfristigen Einfluss auf den Zyklus haben können, was in der Regel kein Grund für Bedenken ist.

Bezüglich langfristiger Folgen müsse sich niemand Sorgen machen. Diese seien als Reaktion auf die COVID-19-Impfung jedenfalls nicht zu erwarten.

Schwächere Blutungen nach COVID-19-Erkrankungen möglich

Während die Auswirkungen der COVID-19-Impfungen auf die Menstruation noch wenig erforscht sind, gibt es bezüglich Zyklusauffälligkeiten nach COVID-19-Erkrankungen zu diesem Zeitpunkt bereits ausführlichere Untersuchungen. Hierbei hat sich gezeigt, dass eine Infektion mit dem Virus durchaus Einfluss auf die Periode haben kann: "Wir wissen, dass Frauen nach einer Infektion teilweise deutlich schwächere Blutungen haben oder auch in den Monaten nach der Erkrankung längere Abstände zwischen den Regelblutungen verzeichnen." In der Regel handle es sich dabei allerdings ebenfalls nur um kurzfristige Effekte.

Ich warne davor, dass Endometriose-Patientinnen sich nicht impfen lassen, weil sie sich vor eventuellen Auswirkungen auf den Zyklus fürchten. Schlussendlich kann das zu schlimmeren Nachteilen für ihre Situation führen.

von Priv Doz. DDr. Michael Feichtinger

Kann die COVID-19-Impfung Endometriose-Beschwerden verschlimmern?

Die Möglichkeit verstärkter Schmerzen während der Periode könnte gerade für Endometriose-Betroffene im ersten Moment etwas beunruhigend klingen, da sie oftmals schon unter heftigen Schmerzen während der Periode leiden.

Was ist Endometriose?

Endometriose gilt als zweithäufigste Erkrankung bei Frauen im gebärfähigen Alter. Es tritt dabei Gebärmutterschleimhaut an anderen Stellen im Körper auf, wo sie nicht hingehört. Diese sogenannten Herde werden von Hormonen gesteuert, unterliegen dem Zyklus und lösen Blutungen aus. Da das Blut nicht abfließen kann, bilden sich Zysten, Verwachsungen, Entzündungen und Vernarbungen, die oft zu sehr starken Schmerzen führen.

Feichtinger beruhigt: "Eine etwas verstärkte Regelblutung im Zuge einer Covid19-Infektion oder -Impfung würde mir bei einer Endometriose-Patientin prinzipiell keine Sorge bereiten". Er spricht sich auch im Falle von Endometriose-Betroffenen deutlich für eine Impfung gegen das Coronavirus aus. "Menschen mit Endometriose haben in der Coronazeit stark gelitten. Der Zugang zu Medizin ist erschwert worden, dadurch haben weniger Untersuchungen und OPs stattgefunden". Aus diesem Grund wären Endometrioseerkrankungen erst später festgestellt worden. Viele Betroffene hätten monatelang starke Schmerzen gehabt, wodurch sich auch der psychologische Stress multipliziert hätte.

Der Arzt sähe gerade bei Endometriose-Patient*innen den Vorteil der Impfung, da sie auf diese Weise geschützt wären und somit leichter Zugang zu einer OP bzw. Spezialambulanz hätten, um ihre Endometriose behandelt zu bekommen. Der Gynäkologe warnt davor, "dass Endometriose-Patientinnen von der Impfung Abstand nehmen, weil sie sich vor eventuellen Auswirkungen auf den Menstruationszyklus fürchten. Schlussendlich kann das zu schlimmeren Nachteilen für ihre Situation führen".

Blutungen bei Frauen in der Menopause

Sogar bei Frauen in der Menopause sowie trans Männern, die aufgrund ihrer Hormonbehandlung keine Periode mehr hatten, seien laut Bericht der BBC Blutungen nach COVID-19-Impfungen aufgetreten. Dies könne laut Feichtinger mit "einem seltenen Absinken der Blutplättchen, also einer stärkeren Neigung zu Blutungen zusammenhängen. Natürlich kann es im Falle einer starken Blutungsneigung auch abseits von COVID-Impfungen zu Blutungen kommen".

Theoretisch läge es auch im Bereich des Möglichen, dass die Immunreaktion nach der Impfung dazu führt, dass Schleimhautzellen vorübergehend abgestoßen werden und es deswegen zu einer kurzfristigen Blutung kommt. Allgemein gehöre ein Auftreten von Blutungen bei diesen Personengruppen jedenfalls ärztlich abgeklärt.

Was ist in Bezug auf die Verhütung zu beachten?

"Bei natürlichen Verhütungsmethoden wie Basaltemperatur-Messung, Cervixschleim-Auswertung würde ich nach einer Corona-Impfung aufpassen. Es kann durchaus sein, dass sich der Zyklus kurzfristig verschiebt oder es nach der Impfung zu einem Anstieg der Temperatur kommt", erklärt der Experte. Wer auf diese Art und Weise verhütet, sollte sich also laut Feichtinger lieber nicht in falscher Sicherheit wiegen. Bei anderen Verhütungsmethoden wie Pille, Spirale oder Kondom seien grundsätzlich keine Auswirkungen zu erwarten.

Bislang kaum Studien - ist der Gender Health Gap schuld?

Warum wurde das Thema Periode & Impfung bislang kaum erforscht? Ist die Gesundheit von Frauen bei Untersuchungen womöglich - wieder einmal - vernachlässigt worden (Stichwort "Gender Health Gap")? Feichtinger sieht die Erklärung hierfür in einer "relativ knappen Entwicklungsphase der Impfstoffe". Man hätte den Fokus vor allem auf mögliche schwerwiegende Reaktionen gelegt, welche die Menschen potenziell langfristig betreffen: "Hat diese Impfung schwerwiegende Nebenwirkungen in Bezug auf Fruchtbarkeit und Schwangerschaft? Nein, hat sie nicht. Hat sie schwerwiegende Nebenwirkungen, wenn ich chronisch krank bin? Nein, hat sie üblicherweise nicht - im Gegenteil, sie schützt mich vor einer COVID-19-Infektion, die mich womöglich umbringt".

Dass vergleichsweise "kleineren Nebenwirkungen" wie einer vorübergehenden Zyklusunregelmäßigkeit bislang wenig Beachtung geschenkt worden ist, sei laut Feichtinger allerdings durchaus auf einen gewissen "Gender Gap" zurückzuführen.

 

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