Stilfrage an Pola Fendel: Ist Vintage noch en vogue?

Mit dem Secondhand-Verleih Kleiderei trat Pola Fendel an, die Mode zu revolutionieren. Ihr Vorhaben scheiterte - warum sie dennoch mehr denn je an Vintage glaubt, erzählt sie hier.

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Ich wurde Ende der 1980er-Jahre geboren und habe früh erkannt, dass man, wenn man secondhand kauft, Sachen findet, die sonst niemand hat. Das schien mir schon als Teenie spannender, als zu einer großen Modekette zu laufen und am Ende genau gleich gekleidet zu sein wie alle anderen Mädchen. Insofern habe ich Vintagekleidung aus der Lust am Individualismus und gar nicht primär aus einem Nachhaltigkeitsgedanken heraus für mich entdeckt.

GEGENTREND

Fast Fashion hatte nie einen größeren Stellenwert als heute. Doch zu jeder Welle gibt es auch eine Gegenbewegung. Ich denke, dass die Begehrlichkeit für Einzelstücke wächst, je mehr wir mit Massenware überschwemmt werden. Dazu kommt das zunehmende Bewusstsein für Nachhaltigkeit und dafür, dass Menschen in dieser Branche mitunter katastrophalen Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind. All das macht Vintage letztlich zu einem so beliebten und konstant wichtigen Thema.

WAS GEHT?

Die 1990er sind nach wie vor und gerade bei jungen Frauen und Männern unglaublich en vogue: verwaschene Crop-Tops, Karo-Minikleidchen, natürlich die klassische Levi's 501, aber auch Baggy-Hosen Ich selbst habe keinen stringenten Stil; ich liebe Brüche und kleide mich intuitiv - manchmal ladylike im Kostüm, dann wieder wie eine Zwölfjährige. Ich mag Menschen, die mit Mode experimentieren, die selbst die ausgefallensten Stücke mit Beiläufigkeit tragen. Der von mir geführte Vintagestore Burggasse 24 soll aber ein Ort sein, an dem jeder fündig wird, egal ob jung oder alt, superinformiert oder einfach auf der Suche nach zeitlosen Basics.

TAUSCHHANDEL

Die Frage, wie man den Konsum der Zukunft mitgestalten kann, beschäftigt mich schon seit Langem. Die Kleiderei, ein Verleihkonzept für Vintagemode, das ich mit einer Partnerin erdacht habe, war eine Antwort darauf, die aus wirtschaftlicher Sicht zwar gescheitert ist, an die ich aber nach wie vor fest glaube. Ich würde es schön finden, diese Idee irgendwann hier in Wien wieder aufleben zu lassen.

Von Hamburg aus hat Pola Fendel den Vintagemodeverleih Kleiderei miterfunden. Heute lebt sie in Wien und managt hier den Vintageshop Burggasse 24.

Am 5. September 2019 ist Pola Fendel eine der Speakerinnen am WIENERIN Gründerinnentag 2019. Alle Infos zur Veranstaltung rund ums Gründen und Selbstbestimmt Arbeiten gibt es HIER.

Im WIENERIN Podcast spricht Pola über ihr Start-up, das Scheitern und den Gender Funding-Gap.

 

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