Stermann & Grissemann finden Rape Culture also lustig? Wir nicht.

"Sind Frauen Menschen wie wir?" Diese Frage stellten sich Dirk Stermann und Christoph Maria Grissemann gestern in der neuen ORF-Sendung „Wie tickst du“.

"Sind Frauen Menschen wie wir?" Diese Frage stellten sich Dirk Stermann und Christoph Maria Grissemann gestern in der neuen ORF-Sendung „Wie tickst du“. Herausgekommen ist dabei eine fragwürdige Sendung, die nur so vor Chauvinismus und Sexismus strotzt – und selbst die Verharmlosung von Vergewaltigungen einfach so stehen lässt.

Ein „Best of“ der getätigten Aussagen – direkt aus der Klischeekiste:


"Ich hätte kein Problem, wenn die Frauen nicht wählen dürften."

"Was hast du Weib den ganzen Tag zu tun? Kommst heim und scheißt deinen Mann zusammen. Der Arme geht arbeiten, liefert das Geld ab, und sie keppelt nur mit ihm."

"Wenn eine Frau so schwach ist, dass sie nur dann Frau ist, wenn das in der Hymne drinnen ist, dann tut sie mir eh leid."

"Frauen sind eher gefühlsbetonter, Männer sind eher sachlich.“

"Wenn zum Beispiel ein Junge vergewaltigt worden ist in jungen Jahren, dann geht er meistens zugrunde, später dann im Alter. Bei einem Mädchen, da ist es weniger der Fall. Ich glaube, die sind stärker, psychisch."

„Emanzipation ist bei uns in Kärnten nit so a Thema.“

"Ich fühle mich pudelwohl, weil die Herren einfach pflegeleichter sind. Da gibt es keinen Zickenterror und gar nichts."

Die große Frage dabei bleibt: welchen gesellschaftlichen Mehrwert schafft so eine Sendung? Ist es wirklich notwendig, sexistische und gewaltverharmlosende Aussagen einfach unhinterfragt stehen zu lassen? Was will der ORF damit erreichen?

Der gesellschaftliche Mehrwert erschließt sich uns nicht wirklich


Man kann sich nur vorstellen, wie Herr und Frau Österreicher zuhause vor dem Fernseher sitzen und sich so mancher denkt: „Na stimmt ja eh.“ Eher unwahrscheinlich ist, dass sich die Mehrheit der ZuseherInnenschaft auf die Hinterbeine stellt und ruft: „Jetzt brauchen wir mehr Feminismus!“ und „Nieder mit dem Patriarchat!“

Das, was sich hier Satire nennt, reproduziert einfach nur gesellschaftliche Rollenbilder und Klischees. Die Sendung bietet eine Bühne für Chauvinisten, die sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und sich in ihrem Sexismus bestätigt fühlen. Und wer jetzt schreit „Satire darf alles“ sollte sein Satireverständnis hinterfragen. Missstände aufzuzeigen ist wichtig – ja. Und die sind in Sachen Gleichstellung in Österreich augenscheinlich sehr groß. Diese Missstände – noch dazu in Form von Identifikationsfiguren – einfach so stehen zu lassen, ist jedoch fatal und hat mit Satire rein gar nichts zu tun. Dass dann die Moderatoren Fragen stellen wie "Mädchen haben ein bisschen Angst vor Technik, oder?" hilft der Sache auch nicht ungemein.

Die Männer sind so arm und die Frauen irgendwie wahnsinnig anstrengend


Oder: Warum so wenige Männer im Kindergarten arbeiten? Das könnte wohl auch an der schlechten Bezahlung liegen – nicht nur daran, dass die Welt so ungerecht für Männer ist, die ihre Gefühle nicht zeigen dürfen und den Kindern nicht nah sein dürfen (Achtung, Sarkasmus). Genau weil es ein sogenannter „Frauenberuf“ ist, wird er abgewertet, schlecht bezahlt und nicht ernst genommen. Das wäre ein Thema gewesen, über das man hätte reden können.

Stattdessen werden Dieter Bohlen und noch ein paar Sexisten zitiert, um dann von Grissemann mit dem Satz „Frauen sollten die gleichen Rechte haben wie alle anderen Frauen auch“ kommentiert zu werden. Und dann jammert er darüber, dass ihm seine Mama immer gesagt hat, er sei kein richtiger Mann. Eine Runde Mitleid, bitte.

More of the same


Wenn der Sinn von Satire nur noch darin besteht, Klischees zu reproduzieren, dann fragt man sich: wozu das Ganze? Es ist ja nicht so, als ob kritische, junge, feministische Stimmen im österreichischen Mainstream (auch nur annähernd) vertreten wären, oder als ob sie in den österreichischen Medien die Oberhand hätten. Nein: die Realität ist, dass Männer diese Medienwelt dominieren. Das heißt folglich: auch ihre Anliegen und ihr Sexismus werden ständig reproduziert. Das macht solche Sendungen wie „Wie tickst du“ noch überflüssiger, weil sie nur "more of the same" sind.

Denn wir haben genug davon gehört, und hören es jeden Tag, was Chauvinisten über Feminismus und Frauen denken. Wir haben genug davon, zu hören, warum Frauen dies und das sind und wohin sie gehören. Lasst endlich jene zu Wort kommen, die wirklich etwas zu sagen haben – und die nicht die immergleichen, altbackenen und gefährlichen Geschlechterklischees hervorholen. Danke, wir wissen alle, wie Österreich in dieser Hinsicht tickt. Und es bringt uns nicht weiter, den gleichen Leuten wieder und wieder eine Bühne zu bieten. Dafür sind wir in diesem Land mit der Gleichstellung der Frauen einfach noch nicht gar so weit vorangeschritten.

Gewalt gegen Frauen ist kein Witz


Vergewaltigung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unhinterfragt zu verharmlosen, Frauenrechte ins Lächerliche zu ziehen, Frauen als "hysterische" Wesen darzustellen, und das auch noch als Satire zu betiteln – moderiert von zwei älteren Herren, die halbwitzige Fragen stellen wie „Ist es schon Sexismus, wenn ich mit einem Mann zusammenarbeite?“ oder frauenpolitische Errungenschaften mit einem ironischen „echt eine Frechheit“ zu kommentieren – kann nicht den gesellschaftspolitischen Auftrag erfüllen, den der ORF zu erfüllen hat.

Wir habens kapiert: es ist in euren Augen erfrischend, politisch inkorrekt zu sein. Denn Political Correctness ist überhaupt nicht lustig. Und besonders unlustig ist dieser öde Feminismus, der uns den ganzen Spaß am Leben nimmt. Aber leider ist die Realität für Frauen noch immer verdammt hart und auch ziemlich anstrengend. Und das ist leider kein Witz.

Zur Serie: Der WIENERIN-Fail-Button "zeichnet" regelmäßig besonders rückständige Ansichten in Sachen Frauen- und Familienpolitik aus.

 

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