Statt über 90-60-90 reden Kandidatinnen über Gewalt gegen Frauen

Bei der Wahl zur Miss Peru ging es diesmal nicht um 90-60-90, sondern um Gewalt gegen Frauen.

Ein Schönheitswettbewerb ist ja eigentlich nichts, das zur Veränderung von klischeehaften Frauenbildern beiträgt. Ganz im Gegenteil: bei Miss-Wahlen zählen meist bloß Körpermaße und strahlendes Lächeln, um bei der Jury zu punkten.

Nicht so in Peru: Bei der Wahl zur "Miss Peru" Ende Oktober haben die Kandidatinnen ein starkes Statement gegen Gewalt an Frauen gesetzt. Bei der üblichen Vorstellungsrunde setzten sie nicht auf belanglose Details über ihre Körpermaße, sondern zeigten Statistiken über das Ausmaß von Gewalt auf. Auf Twitter ging die Aktion unter dem Hashtag #MisMedidasSon, oder #MeineMaßeSind, um die Welt.

"2202 Frauenmorde in den letzten neun Jahren in meinem Land"

Die 23 Frauen gingen einzeln ans Mikrofon und jede davon präsentierte eine erschreckende Zahl aus ihrer Region: "Mein Name ist Camila Canicoba und ich repräsentiere das Department Lima. Meine Maße sind: 2202 Frauenmorde in den letzten neun Jahren in meinem Land", sagte etwa eine Kandidatin. Melina Machuca aus Cajamarca gab an, dass 80 Prozent der Frauen aus ihrer Stadt Opfer häuslicher Gewalt seien. Almendra Marroquín aus der Ortschaft Cañete wies darauf hin, dass 25 Prozent der Mädchen und jungen Frauen an Schulen missbraucht werden. Juana Acevedo erklärte, dass über 70 Prozent der Frauen täglich sexueller Belästigung auf den Straßen ausgesetzt seien. Die Zahlen stammen aus einer Statistik des Frauenministeriums.

Im Hintergrund wurden Zeitungsausschnitte von Berichten über Gewalt gegen Frauen gezeigt. Abschließend erklärten die Frauen außerdem, welche Gesetzesänderungen notwendig wären, um Gewalt gegen Frauen effektiver zu bekämpfen. Die 20-jährige Gewinnerin des Wettbewerbs, Romina Lozano, regte den Aufbau einer Datenbank an, in der Frauen Übergriffe melden können. Sie selbst sei Opfer von Belästigung geworden.

Initiiert wurde die Aktion von der Organisatorin des Schönheitswettbewerbs, Jessica Newton. "Das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen in diesem Land ist entsetzlich", sagte sie später in einem Interview. Vergangenes Jahr gab es Massenproteste in der Hauptstadt Lima, um auf den erschreckenden Zustand der Gewaltopfer hinzuweisen. Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2013 rangiert Peru auf Platz drei der Länder mit der höchsten Zahl von weiblichen Opfern sexueller Gewalt durch ihre Partner.

 

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