Statt schneller & härter: Try a little Tenderness

Rough Sex ist so was von over – was wir jetzt im Bett brauchen, ist ein Booster für die Seele.

Theresa Lachner: Try a little Tenderness

Ob Sex ­richtig ­guter Sex ist, weiß man oft erst nach ein bisschen Inkuba­tionszeit. Manchmal schwebe ich noch tagelang danach mehrere Zentimeter über dem Erdboden und fühle mich so gelöst, als hätte ich gerade mehrere Stunden Hot Yoga hinter mir; manchmal habe ich eher das Bedürfnis, mir mindestens doppelt so oft die Zähne zu putzen wie sonst, irgendwas ritualisiert zu verbrennen und trotz rigorosen Bestehens auf Kondome mal wieder einen Test auf Geschlechtskrankheiten zu machen. Was für den Emo-Kater sorgt?

Zu schnell, zu viel

"Mach 30 Prozent weniger und du bekommst von mir 50 Prozent mehr", sage ich dem Typen, der an mir rumschubbert, als gäbe es kein Morgen; der mir unbedingt zeigen will, wie männlich und dominant er im Bett ist, indem er mich "braves Mädchen" nennt – obwohl das Einzige, was er damit bewegt, meine Augen sind, die ich genervt verdrehe.

Ich bin drüber hinweg. Über Shades of Grey, Typen, die "Not Vanilla" in ihre Tinder-Kurzbio schreiben, über alles das, was sie "kinky" nennen (was man, wenn man mal ein paar Kink-Workshops besucht hat, wirklich nur schwer mit tatsächlich abgesprochener, bewusster Sexualität verwechseln kann): Das, was hier passiert, ist billiger Gonzo-Porn, und es ist schlechter Stil.

Eine Metaanalyse aus 22 Studien bestätigte, dass Menschen, die viel Pornografie konsumieren, im Schnitt sexuell aggressiver und übergriffiger sind. Laut einer BBC-Studie gaben ganze 38 Prozent aller britischen Frauen unter 40 an, während des Sex schon mal ohne ihr Einverständnis geschlagen, gewürgt oder bespuckt worden zu sein – und 20 Prozent von ihnen sagten aus, sich danach verstört oder verängstigt gefühlt zu haben. Und das, um es hier mal ganz klar zu sagen, ist kein Kink: Das sind sexuelle Übergriffe. Sie passieren ohne Vorwarnung, und sie passieren sehr oft. Auch mir.

Nein, danke

Häusliche Gewalt ist eben nicht nur das, was in Frauenhäusern und Femiziden endet, sondern auch das, was so oft passiert, dass wir es mit einem Schulterzucken abtun oder uns fragen, ob wir jetzt eigentlich uncool sind, weil wir darauf keine Lust haben. So wie der Typ, der mir jetzt erklärt, er könne im Bett mit mir "gar nicht richtig er selbst sein" – weil ich ihm gerade gesagt habe, dass ich beim ersten Mal Sex nicht geohrfeigt werden will, vor allem nicht unabgesprochen; dass Kink sich entwickeln muss und Vertrauen und gute Absprachen braucht.

Weil Consent nicht nur sexy ist – sondern die Grundlage für alles. Und wir nicht härter und schneller wollen, sondern Sanftheit, in die wir uns fallen lassen können. Geborgenheit ist Goldstandard, und da­runter machen wir es nicht mehr. Thank you, next!

 

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