Statistik: Es sind Frauen, die unsere Gesellschaft in der Krise aufrecht erhalten (und auch sonst)

Nur wer einen systemerhaltenden Beruf hat, soll wirklich noch zur Arbeit gehen, heißt es von offizieller Seite in der Corona-Krise. Die Statistik zeigt: Diese Systemerhalter*innen sind meistens Frauen - und trotzdem werden sie schlecht bezahlt.

Corona: Wer arbeitet in systemerhaltenden Branchen?

Sie schlichten Regale in Supermärkten oder sitzen an der Kassa. Sie pflegen und versorgen Kranke und Hilfsbedürftige. Sie unterrichten und betreuen, sie reinigen und putzen. Was in Zeiten der Corona-Krise als systemerhaltend gilt, ist klassische 'Frauenarbeit'.

Berufsgruppen, die existentielle Lebensbereiche betreffen, sind überwiegend weiblich. Eine Grafik der deutschen Statistik-Agentur Statista auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigt das besonders deutlich. Weit mehr als 70 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Lebensmittel-Einzelhandel, bei den Sozialversicherungen oder in den Krankenhäusern sind Frauen. Bei den Kindergärten und Vorschulen sind es sogar über 90 Prozent. "In allen Bereichen ist derzeit großer Einsatz, Mut und viel Improvisations- und Organisationstalent gefragt, um den beruflichen Alltag zu meistern", so die Statista in einer Aussendung.

Systemerhalter*innen sind großteils weiblich

Der österreichische Markt sieht nicht viel anders aus. Im Gesundheits- und Sozialwesen sind 77% der Beschäftigten weiblich, im Einzelhandel sind es 74 Prozent und in der Reinigung und Hausbetreuung 63 Prozent. All diese Berufsgruppen werden notorisch schlecht bezahlt. Dennoch sind sie es, die unerlässlich für die Sicherstellung einer funktionierenden Gesellschaft sind. Die Corona-Krise macht das gerade mehr als deutlich.

Eine aktuelle Petition fordert eine Verkürzung der Arbeitszeit im Sozialbereich auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Diese würde die großteils weiblichen und großteils in Teilzeit arbeitenden Beschäftigten deutlich entlasten - und sei "ein richtiger und wichtiger Schritt in die Zukunft". Diese Zukunft kommt vielleicht nach Corona - wenn sich all jene, die jetzt um 18 Uhr am Balkon klatschen, für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Pflegepersonal und andere systemerhaltende Berufsgruppen einsetzen.

 

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