Starke Frau

Konsumwahn, Ausbeutung der Erde und Frauenunterdrückung sind für sie mehr als bloß ein schmerzhafter Dorn im Auge. Die indische Ökofeministin Vandana Shiva kommt am 17. März nach Wien.

Dass Frauen und Natur gleichermaßen ausgebeutet werden, war für Vandana Shiva der maßgebliche Auslöser, sich mit den Rechten von Frauen und dem Umweltschutz zu beschäftigen. Spätestens seit der industriellen Revolution wurden Frauen und Natur „auf ihre Rolle als Lieferantinnen von menschlichem und natürlichem Rohmaterial reduziert", kritisiert die indische Ökofeministin und Umweltschützerin, die 1993 den Alternativen Nobelpreis erhielt. Begründung für die Auszeichnung: Vandana Shiva habe „Frauen und Ökologie im Zentrum des modernen Diskurses um Entwicklungspolitik platziert". Die 58Jährige zählt heute zu den bekanntesten Persönlichkeiten Indiens und gilt als Galionsfigur der internationalen Frauenbewegung. Bis dahin war es aber ein weiter und steiniger Weg: Jahrzehntelang engagierte sich Vandana Shiva unermüdlich für mehr Selbstbestimmung von Frauen sowie für den schonenden und nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Naturverbundenheit.

Ihre Ideale wurzeln vermutlich in ihrem Elternhaus. Beide naturbegeisterte Akademiker mit Hippie-Idealen, hatten sie den Staatsdienst aufgegeben, um in der Landwirtschaft zu arbeiten. Vandana erzählt, sie sei mit Tigerbabys aufgewachsen und habe an der Seite von Elefanten die Wälder erkundet. Für einige Jahre verließ sie dann ihre Heimat, studierte in Kanada Physik und promovierte im Fach Quantenphysik. Einer wissenschaftlichen Karriere in den USA wäre nun nichts mehr im Weg gestanden, aber Vandana wollte sich in ihrem eigenen Land nützlich machen.

Erste Erfolge

Zuallererst richtete sie im Kuhstall ihrer Mutter ein Labor ein und forschte, wie sie die indische Bevölkerung im Widerstand gegen die Rodung großflächiger Gebiete unterstützen könnte. Dadurch stieß sie in den 70er-Jahren zur Chipko-Bewegung, der ersten Umweltbewegung indischer Frauen. Die Aktivistinnen ließen sich beispielsweise an Bäumen festketten, um deren Abholzung zu verhindern - mit Erfolg! Schließlich stellte die Regierung Kredite zur Verfügung, wodurch die örtlichen Wälder erhalten werden konnten. Shivas Verdienst dabei: Sie brachte ihr umfangreiches Wissen in die Verhandlungen mit internationalen Wirtschaftsorganisationen und staatlichen Behörden ein und bewahrte so die Einheimischen vor einer Übervorteilung.

Herrschaftskritik

Die Globalisierungsgegnerin tritt vor allem gegen transnationale Firmen auf, weil sie zunehmend Einfluss auf die indische Landwirtschaft ausüben: „Manches westliche Unternehmen erinnert mich an einen Arzt, der einen Kaiserschnitt vornimmt und behauptet, er habe auch das Kind gemacht", ärgert sie sich. Die großen Handelsnationen würden ihr Patentdenken nun auch auf die „Dritte Welt" übertragen wollen, kritisiert sie, auf Pflanzen, die es dort schon immer gegeben hat: „Heute müssen sie nicht mehr so tun, als wollten sie mit Gentechnologie das Hungerproblem auf der Welt lösen, heutzutage wollen sie die Herrschaft über den Weltmarkt."

Dr. Dambisa Moyo und Dr. Vandana Shiva sind wichtige Vordenkerinnen des 21. Jahrhunderts
von Sylvia Margret Steinitz, WIENERIN Chefredakteurin
Wir setzen mit ‚Frauen und Bildung’ auf ein brandaktuelles Thema
von Svetlana Puljarevic, GF SMM Ladies
Frauen und Mädchen bei ihrem Bildungsweg zu unterstützen und aktiv zu fördern, heißt gleichzeitig auch in eine bessere Zukunft für die gesamte Gesellschaft zu investieren
von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Schirmherrin des 1. WIENERIN SUMMIT
Beim
1. WIENERIN Summit 2011
spricht Vandana Shiva über Empowerment für Frauen durch Bildung.

17. März 2011
9.00–16.00 Uhr
Redoutensäle der Wiener Hofburg

Großartiges Projekt

Aus diesem Grund rief sie 1991 das Projekt Navdanya www.navdanya.org ins Leben. Diese Organisation setzt sich für die Sicherung von Saatgut traditioneller Nahrungspflanzen ein. Regionale Sorten werden gesammelt und auf einer Versuchsfarm im nordindischen Dehradun am Fuße des Himalaya angebaut. Damit sollen biologische Anbaumethoden gefördert, Bauern und Bäuerinnen unterstützt und die lokalen Märkte gestärkt werden. Bisher wurden 54 Saatgutbibliotheken in ganz Indien installiert.

Umdenken

In einem Interview mit dem „Spiegel" plädierte Vandana Shiva angesichts von Weltwirtschaftskrise und Klimaerwärmung dafür, neue Prioritäten zu setzen: „Die Krise zeigt uns, dass das stetige Anhäufen von materiellen Dingen vorbei ist." Demnach könne die Menschheit entweder in Panik geraten oder - handeln. Jede/-r Einzelne könne etwas dazu beitragen, beispielsweise durch den Anbau von Gemüse. „Gärtnern kann die Welt retten", meint sie. „Wir sind an einem Punkt, an dem Gartenarbeit viel ändern kann - materiell, emotional und politisch. Jeder sollte gärtnern. Für die Menschen, die keinen Platz haben, müssten die Gemeinden dafür öffentlichen Raum schaffen - und nicht neue Parkplätze."

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