SPÖ-Frauen zum Equal Pay Day: "Frauen verdienen 100 Prozent!"

Aktuell erhalten Frauen in Österreich rund 20 Prozent weniger Gehalt als Männer. Pamela Rendi-Wagner und Gabriele Heinisch-Hosek fordern Lohntransparenz sowie einen raschen Ausbau der Kinderbetreuung, um die Lohnschere zu schließen.

SPÖ Frauen

Heute, am 22. Oktober ist in Österreich Equal Pay Day, also jener Tag, ab dem Frauen de facto gratis arbeiten. Während ein Mann im Oktober das Jahresgehalt einer Frau längst in der Tasche hat, muss sie noch bis Ende Dezember arbeiten. Das ist unfair. Durch Corona hat sich die Situation für Frauen noch verschlimmert. Unter dem Motto "Frauen verdienen 100 Prozent!" wirbt die SPÖ für neue Maßnahmen zur Schließung der Lohnschere.

"Frauen doppelt und dreifach gefordert"

"In der momentanen Krisensituation sind Frauen doppelt und dreifach gefordert", so SPÖ-Vorsitzende und Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner. "Frauen sollen alles gleichzeitig bewältigen. Sie sind es, die oft einspringen, wenn einzelne Schulen oder Klassen schließen oder die Betreuung und Pflege in der Familie nicht gewährleistet werden kann. Wir müssen alles tun, um Frauen zu stärken!" Es sei vor allem die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie, die Frauen arbeits- und gehaltstechnisch zurückwirft.

Um die Ungerechtigkeiten zu beseitigen, brauche es laut Rendi-Wagner Rechtsanspruch auf ganztägige Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr des Kindes. Dies gäbe Frauen die Möglichkeit, selbstständig zu sein, arbeiten zu gehen und die Karriere nicht unterbrechen zu müssen. SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek kritisiert, dass die Kinderbetreuung je nach Bundesland unterschiedlich gehandhabt wird. Gerade am Land sei die Kindergartensituation oft nicht zufriedenstellend, weshalb es dringend ein bundesweites Rahmengesetz brauche.

Tatsächlich variieren die Lohnunterschiede von Bundesland zu Bundesland stark. Während der Equal Pay Day in Wien heuer erst auf den 11. November fällt, arbeiten Frauen in Vorarlberg bereits seit 24. September gratis. Das läge laut Rendi-Wagner in erster Linie an der guten Kinderbetreuungssituation in der Bundeshauptstadt.

Lohntransparenz und Halbe-Halbe-Modell

Als weiteren Schlüssel zur Verkleinerung der Lohnschere sehen die SPÖ-Frauen Lohntransparenz nach isländischem Vorbild. Ein erster Schritt wäre es, die bereits bestehenden Einkommensberichte auch für kleinere Unternehmen zu öffnen, erklärt Bundesfrauenvorsitzende Heinisch-Hosek gegenüber der WIENERIN. Aktuell müssen lediglich Firmen mit mehr als 150 Mitarbeiter*innen Einkommensberichte erstellen.

Darüber hinaus fordert die SPÖ einen KV-Mindestlohn von 1.700 Euro steuerfrei sowie eine Arbeitszeitverkürzung. Um die Vereinbarkeit von Job und Familie zu erleichtern, schlägt man das Modell "Halbe-Halbe Neu" vor. Dieses steht in einem bewussten Unterschied zu einer Teilzeitbeschäftigung. Die Leistung ist bei Paaren explizit an die Bedingung geknüpft, dass beide Elternteile 80 Prozent arbeiten. Für einen Großteil der Paare würde dies für Mütter eine Ausdehnung, für Väter eine Reduktion ihrer gegenwärtigen Arbeitszeit bedeuten. "Er reduziert, sie stockt ein bisschen auf, beide arbeiten 80 Prozent, alle haben mehr Zeit für die Familie", so Heinisch-Hosek.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die Berufswahl: "Frauen können alles", so Pamela Rendi-Wagner. "Wir wollen, dass Frauen weg von den traditionell weiblichen Berufen mehr in Richtung technische Berufe ausgebildet werden". In den letzten Jahren hätte es hier bereits viele Bemühungen gegeben. "Auch das ist ein Weg, den wir gehen müssen".

Rat für Betroffene

Was können Arbeitnehmerinnen, die Unterbezahlung vermuten, tun? "Sofern es Betriebsrät*innen gibt, unbedingt an diese wenden", rät Heinisch-Hosek. Darüber hinaus empfiehlt die Bundesfrauenvorsitzende, sich Einkommensberichte anzusehen und den Gehaltsrechner zu nutzen, um festzustellen, welches Gehalt für die eigene Position angemessen wäre, um so leichter verhandeln zu können.

 

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