SPÖ-Frauen fordern: Gleiche Arbeit verdient gleiche Löhne!

Gabriele Heinisch-Hosek und die SPÖ-Frauen fordern Lohntransparenz und Konsequenzen für ungerechte Bezahlung bei Frauen. Als Vorbild für den neuen Plan dient das Island-Modell.

SPÖ Frauen

Frauen in Österreich arbeiten pro Jahr etwa 80 Tage umsonst. Während ein Mann im Oktober das Jahresgehalt einer Frau längst in der Tasche hat, muss sie noch bis Ende Dezember hackln. Das ist ungerecht. Unter dem Motto "Was Frauen verdienen? Gerechte Löhne!“ wirbt die SPÖ für einen neuen Plan zur Schließung der Lohnschere. Wie soll’s funktionieren? Island macht es vor.

"Die Strafen müssen wehtun, sonst tut sich ja nichts!“

Der Plan für mehr Lohngerechtigkeit à la Island sieht vor, dass Unternehmen für ungleiche Bezahlung mit Strafen gerügt werden. Effektive Einkommensberichte sollen für mehr Transparenz sorgen. "Hier in Österreich müssen wir Frauen beweisen, dass wir schlechter bezahlt werden – in Island ist es andersherum. Wir brauchen eine Beweislastumkehr“, erklärt SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek. "Das Unternehmen muss gleich bezahlen, ansonsten wird gestraft – und die Strafen müssen wehtun, sonst tut sich ja nichts!“. Um Unterbezahlung in einzelnen Branchen zu bekämpfen, möchte die SPÖ in Pilotprojekten gemeinsam mit Arbeitgeber*innen- und Arbeitnehmer*innenvertretungen neue Kriterien für Entlohnung ausarbeiten.

"Was haben Unternehmen zu verbergen?“

In einigen europäischen Ländern ist Lohntransparenz längst zur Norm geworden. Österreich hinkt in diesem Bereich noch hinterher: "Bei uns ist das so ein Geheimnis, in Österreich wird nicht geredet. In Schweden kann man einsehen, wer was verdient, das ist alles sehr transparent. Bei uns ist alles sehr intransparent“, findet die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende. "Ich frage mich: Was haben Unternehmen zu verbergen, wenn sie nicht offenlegen wollen, was ihre Mitarbeiter*innen bei gleicher Arbeit verdienen?“ Heinisch-Hosek merkt an, dass sich die Lohnschere (derzeit bei etwa 20%) zwar nach und nach schließt, ohne strikte Maßnahmen sei aber nur ein äußerst langsamer Fortschritt zu verzeichnen: "[Die Lohnschere] geht langsam zu – aber ich will nicht noch 30 Jahre warten".

Mit wem umsetzen?

"Meine Vorstellungskraft ist hier enden wollend“, erklärt Heinisch-Hosek auf die Frage, mit welcher anderen Partei die SPÖ ihre Pläne realistisch umsetzen könne. "Mit den Grünen kann ich’s mir denken. Die NEOS reden schon auch immer davon, dass sie faire Bezahlung wollen, aber gleichzeitig auch von unternehmerischer Freiheit – da bin ich mir dann schon nicht mehr so sicher. Die anderen Parteien haben für Frauen in dem Sinne ja nicht so viel übrig." Wiener Frauenvorsitzende Marina Hanke führt aus: "Es wird - so wie es auch die letzten Jahre war - ein Kampf bleiben, zu schauen, dass man da Bündnispartner*innen findet. Sowohl die ÖVP als auch die FPÖ mit ihren konservativen Familien- und Frauenbildern sind da natürlich eher nicht so auf unserer Seite. Deswegen wird es da eher schwierig.“

Wir müssen reden

Was können Arbeitnehmerinnen, die Unterbezahlung vermuten, zum jetzigen Zeitpunkt tun? "Am wichtigsten ist, dass Sie mit Ihren Kolleg*innen reden. Reden Sie darüber, wer was verdient. Und wenn Sie draufkommen, Sie sind lohndiskriminiert, dann sofort zum Chef und sagen: ,Was ist da los? Warum ist das so?‘“, rät Heinisch-Hosek. Darüber hinaus empfiehlt die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende, sich an Betriebsrät*innen zu wenden (ab 150 Mitarbeiter*innen müssen Unternehmen Einkommensberichte erstellen) oder mit der Gleichbehandlungsanwaltschaft zu reden. Wienerinnen rät Marina Hanke, sich an das Frauenservicecenter der Stadt Wien im 8. Bezirk zu wenden.

Der österreichweite Equal Pay Day ist heuer am 21. Oktober 2019. Das ist jener Tag, an dem Männer bereits das Einkommen erreicht haben, für das Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen.

 

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