Spanierinnen wehren sich gegen Oben-Ohne-Verbot

Zwei Spanierinnen sitzen in einem öffentlichen Freibad und sonnen sich. Für nahtlose Bräune oder weil Sonne sich auch auf bloßen Brüsten gut anfühlt, lassen sie dabei ihre Bikinioberteile weg. Dem Bademeister passt das nicht, also zeigt er die beiden bei der Polizei an. Und die kommt just, um den Frevel vier nackter Frauenbrüste zu beenden und fordert die beiden Frauen an, sich zu bedecken.

Was wie eine Geschichte aus einer prüden Vorabendserie der '90er klingt, in der die nackten Brüste selbstverständlich nicht gezeigt werden dürfen, sondern von geschickt-ungeschickt platzierten Requisiten verdeckt werden, ist vor Kurzem in einem katalanischen Dorf in der Nähe von Barcelona geschehen, wie bento unter Berufung auf spanische Medien berichtet.

Die DorfbewohnerInnen wollten das so nicht hinnehmen und protestierten gegen die Sexualisierung weiblicher Brustwarzen im öffentlichen Raum: In Bikinioberteilen mit aufgeklebten, rosa Nippeln zeigten sich zahlreiche Frauen und Männer in den Bädern der Stadt. Jeder solle sich oben ohne sonnen dürfen - unabhängig vom Geschlecht, so die Meinung der Protestierenden.

Mehr als 60 Prozent der Frauen stimmen für Oben-Ohne-Baden

Schließlich schaltete sich die Gemeinde selbst ein und ließ jene abstimmen, die von dem Verbot tatsächlich betroffen sind: die Frauen. Bis zum 10. Juni konnten alle in L'Ametlla del Vallès gemeldeten Bewohnerinnen über 16 Jahren abstimmen, ob Frauen künftig oben ohne baden dürften. 379 Frauen aus dem 8.000-Einwohner-Dorf gaben ihre Stimme ab - und votierten mit 60,9 Prozent für das Baden mit unbedeckten Brüsten.

Auch wenn die Wahlbeteiligung damit ziemlich gering ist, zählt das Ergebnis: Die katalanische Regierung hatte sich zuvor verpflichtet, die Abstimmung als rechtlich bindend zu werten und die entsprechenden Regelungen der Stadt gegebenenfalls anschließend zu ändern.

Stadträtin Dolores Ferrer ist jedenfalls zufrieden mit dem Ergebnis: "Wir konnten heute der Stadt eine Stimme geben und können jetzt den Willen der Mehrheit umsetzen", sagt sie der Zeitung La Vanguardia.

Die Änderung der Regelung in öffentlichen Bädern soll sofort in Gang gesetzt werden.

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