Soziale Gerechtigkeit: Österreich versagt bei Frauenbildung

Wie gerecht ist das Leben in der Europäischen Union? Die Bertelsmann-Stiftung untersucht soziale Gerechtigkeit in der EU und OECD - und stellt Österreich schon wieder ein schlechteres Zeugnis aus. 2019 liegt das Land nur noch auf Platz 17.

Wie misst man soziale Gerechtigkeit? Die Bertelsmann-Stiftung beschäftigt sich seit Jahren mit Fragen des gerechten Lebens. Für den jährlichen Index der sozialen Gerechtigkeit für EU und OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) erfasst die Stiftung sechs Dimensionen: Armutsvermeidung, Bildungschancen, Zugang zum Arbeitsmarkt, Nichtdiskriminierung, Gesundheit und Gerechtigkeit zwischen den Generationen. Jede davon setzt sich aus mehreren Kennziffern zusammen - in der Kategorie Bildung werden etwa die Pisa-Ergebnisse herangezogen.

Österreich so: Frauenbildung und soziale Durchlässigkeit, was ist das?

Die Studenautor*innen bewerten Armutsvermeidung, Bildungschancen und Zugang zum Arbeitsmarkt besonders hoch - und genau das wirkt sich in Österreich negativ aus. Hierzulande sieht es besonders schlecht aus in puncto Gerechtigkeit bei den Bildungschancen. Österreich liegt in dieser Kategorie auf Platz 36 von den insgesamt 41 Plätzen. Dahinter finden sich nur noch die Slowakei, Rumänien, Ungarn, Tschechien und die Türkei.

Das schlechte Abschneiden hat vor allem zwei Gründe: Zum einem klafft die Schere zwischen Frauen und Männern in keinem anderen der untersuchten Länder so weit auseinander wie in Österreich. Beim Anteil der Frauen, die keine Matura oder einen vergleichbaren Abschluss haben, liegt Österreich auf dem letzten Platz. Zum anderen ist Bildung in Österreich immer noch vererbbar. "Ein Grund, für das schlechte Abschneiden ist insbesondere, dass der Lernerfolg der Kinder und Jugendlichen stark von ihrem sozioökonomischen Hintergrund abhängt," heißt es in dem Bericht. Das bedeutet: Kinder aus höher gebildeten Elternhäusern haben weniger Probleme in ihrer Ausbildung. Von Armut betroffene Kinder bleiben auf der Strecke - der Staat schafft es nicht, hier entsprechend auszugleichen.

Willst du Gleichstellung, schau nach Skandinavien (und drum herum)

Es geht halt auch anders: Die fünf Spitzenplätze belegen die nordischen Sozialstaaten Island, Norwegen, Dänemark, Finnland und Schweden. Es zahlt sich also aus, längerfristig für sozialen Ausgleich zu sorgen.

Soziale Gerechtigkeit - Index

  1. Island
  2. Norwegen
  3. Dänemark
  4. Finnland
  5. Schweden
  6. Niederlande
  7. Slowenien
  8. Tschechien
  9. Neuseeland
  10. Deutschland
  11. Großbritannien
  12. Kanada
  13. Irland
  14. Schweiz
  15. Frankreich
  16. Polen
  17. Österreich
  18. Belgien
  19. Luxemburg
  20. Zypern
  21. Ungarn
  22. Slowakei
  23. Malta
  24. Portugal
  25. Estland
  26. Australien
  27. Japan
  28. Spanien
  29. Italien
  30. Israel
  31. Litauen
  32. Kroatien
  33. Lettland
  34. Südkorea
  35. Griechenland
  36. USA
  37. Chile
  38. Bulgarien
  39. Rumänien
  40. Türkei
  41. Mexiko
 

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