SOS per Emoji: Wie niederschwellige Hilfe bei sexualisierter Gewalt gelingt

In Ecuador werden Whatsapp-Emojis genutzt, um Opfern sexualisierter Gewalt den Kontakt zu Hilfsorganisationen zu erleichtern

Es sind die Frauen, die unter der Corona-Pandemie besonders leiden. Das liegt unter anderem daran, dass Frauen einen geringeren Zugang zu formalen Entscheidungsprozessen, die Maßnahmen gegen COVID-19 betreffen, haben. Eine Analyse von CARE zeigt, dass Frauen in Krisenstäben weltweit unterrepräsentiert sind.

Dabei sind sie es, die mehrheitlich in systemrelevanten Berufen arbeiten und die die unbezahlte Fürsorge-Arbeit in Zeiten wie diesen noch mehr tragen. Und besonders besorgniserregend: Die Ausgangsbeschränkungen führten zu einem dramatischen Anstieg von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Die räumliche Enge im Lockdown führte zu einer Zunahme an häuslichen Übergriffen.

Wie Hilfe bei Opfern häuslicher Gewalt ankommt

In Ecuador betreibt die Federación de Mujeres de Sucumbíos, eine Partnerorganisation von CARE, ein Frauenhaus und bietet Hilfe für Opfer sexualisierter Gewalt in einer Kleinstadt im Amazonasbecken. Der Zugang zu diesen Diensten hat sich für hilfsbedürftige Frauen während der COVID-19-Pandemie erschwert. "Unsere größte Sorge gilt den Frauen, die unsere Hilfe dringend benötigen, aber wegen des Lockdowns mit ihren Peinigern im selben Haus festsitzen", berichtet Amparo Peñaherrera von der Federación de Mujeres de Sucumbíos. "Ihre Wohnungen bestehen oft nur aus einem Raum, und die Frauen haben oft keinen Zugang zu einem eigenen Telefon. Wir sehen deshalb einen alarmierenden Rückgang an Frauen, die sich telefonisch an uns wenden."

In den ersten Monaten des Lockdowns erhielt der Telefondienst der Frauenorganisation nur 4-7 Anrufe pro Monat, so viele Anrufe wir zuvor täglich. "Von den Frauen, die uns angerufen haben oder zu denen wir schon vor dem Lockdown Kontakt hatten, wissen wir, dass sie oft die Telefone ihrer Angreifer nutzen müssen, um Hilfe zu holen. Das ist nicht ungefährlich und es ist für uns schwierig, Frauen unter diesen Umständen zu unterstützen."

Hilfe per Emojis

Es wurde deshalb ein System kodierter Emoticons geschaffen, mit dessen Hilfe die Frauen unbemerkt über Whatsapp kommunizieren können. "Wir stimmen mit ihnen eine Reihe von Emoticons ab, wobei jede Frau eine eigene, kodierte Bedeutung wählt", erklärt Peñaherrera. "Wir benutzen die Emoticons nicht intuitiv - wir würden also zum Beispiel kein weinendes Gesicht verwenden, weil gewalttätige Partner dann vermuten könnten, dass die Frauen jemandem von ihrer Situation erzählt haben. Stattdessen verwenden wir zum Beispiel ein Tier oder ein Objekt", so Peñaherrera. "Eine Maus könnte bedeuten: 'Ich muss mich verstecken', eine Katze: 'Ich brauche Hilfe zur Flucht', oder eine Sonne: 'Bitte schicken Sie jemanden zu mir nach Hause'. Auf diese Weise können wir Frauen, die zu ängstlich sind, um einen Anruf zu tätigen, eine digitale Rettungsleine anbieten."

 

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