Sorry, ELLE Germany, aber Schwarz-Sein ist kein Modetrend

ELLE Germany titelt seine neueste Ausgabe "Back to Black“ und feiert Schwarze Models als Inspiration auch abseits des Laufstegs. Dabei suggeriert das Magazin, Schwarz-Sein wäre eine Modeerscheinung, die kommt und geht. Die Krönung? Das Model auf dem Cover ist weiß. Das kann nur ein rassistischer Fail der Woche sein.

Fail der Woche - ELLE Germany

ELLE Germany hat beim Versuch, ethnic diversity zu highlighten, so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann: Die neueste Ausgabe trägt den Titel "Back to Black“, unter der gleichen Überschrift findet sich im Heft ein Fashion Feature mit sechs Models of Color. Als ob Schwarz-Sein ein Modetrend wäre, der ständig kommt und geht... Hallo, das ist nicht nur ein bisschen problematisch!

Weißes Model auf dem Cover

Der Instagram-Account @diet_prada wies in einem Posting auf die bedenklichen Inhalte der November-Ausgabe des deutschen ELLE-Magazins hin. Leider war es mit der Anspielung, Schwarz-Sein wäre ein Modeerscheinung, noch nicht getan: Im genannten Artikel verwechselte man auch noch Model Naomi Chin Wing mit Janaye Furman und druckte den falschen Namen unter Wings Foto ab. Die Spitze des Eisbergs: Als Covermodel entschied sich ELLE für das dänische Model Getrud Hegelund – mit blondem Haar und heller Haut. Seriously?

Cover ELLE Germany

Shitstorm incoming

Für seine fragwürdigen Inhalte erntet das Magazin online (zurecht) eine Menge Kritik. User*innen vermuten, dass derartige Fehltritte auf die fehlende Diversität in Redaktionen zurückzuführen sind:

Models of Color sind keine Modeerscheinung

Auch Model-Ikone Naomi Campellschaltete sich via Instagram ein und brachte ihre Enttäuschung zum Ausdruck. So schrieb Campbell: "Ich habe unzählige Male gesagt, dass wir kein TREND sind. Wir sind hier, um zu bleiben. Es ist in Ordnung, Models of Color zu feiern, aber bitte tut das auf ELEGANTE und RESPEKTVOLLE Weise.“ Campbell teilte mit, dass sie selbst mehrfach Opfer von misidentification aufgrund ihrer Hautfarbe wurde.

Entschuldigung von ELLE Germany

Mittlerweile hat sich Sabine Nedelchev, die Chefredakteurin des Magazins selbst zu Wort gemeldet. In einem Posting auf Instagram erklärt sie: "In unserer aktuellen Ausgabe möchten wir die Farbe Schwarz von verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Als ein Thema wollten wir starke Schwarze Frauen, die als Models in der Modeindustrie arbeiten hervorheben. Dabei haben wir mehrere Fehler gemacht, für die wir uns entschuldigen.“

Das vollständige Statement von ELLE Germany findet ihr hier:

Mehr Diversität ist super - aber passt auf, wie ihr's verpackt

Dass ein weltbekanntes Magazin mehr People of Color einbeziehen möchte, ist ja prinzipiell eine gute Sache – allerdings wäre in diesem Fall deutlich mehr Feingefühl angebracht gewesen. Fakt ist: People of Color sind auch im Modegeschäft deutlich unterrepräsentiert, Schwarze Models haben es im Mode-Business um ein Vielfaches schwerer als ihre weißen Kolleg*innen. Anstatt auf zwei Seiten eines Magazins ein paar Schwarze Models abzubilden, um sagen zu können, man wäre eh super divers, wäre es schön, einfach generell mehr People of Color einzubeziehen (und zwar gerade nicht nur in eigenen Rubriken und Artikeln). So würden sich vielleicht auch Leser*innen of Color endlich mal repräsentiert fühlen und erkennen, dass sie völlig normal und willkommen sind – auch in der fancy Modewelt.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

 

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