Sophie Passmann: "Ich will Feminismus, der die Klassenfrage nicht ignoriert!"

Barbara Schöneberger sagt über sie: "Sophie Passmann ist das Schweizer Taschenmesser des Feuilletons." Wir finden, es macht viel Spaß, mit ihr über Feminismus zu reden - aber noch mehr über ihre Wohlstandsverwahrlosung, mit der sie als junge weiße Mittelschichtsfrau zu kämpfen hat.

Sophie Passmann im Gespräch über Feminismus

"Alte weiße Männer", das war ihr Bestseller. 15 Gespräche mit alten weißen Männern -ein Terminus, den seit #Metoo zwar alle kennen, der aber nie ordentlich definiert wurde. Egal, Sophie Passmann hat ihn sich genommen. Und das Buch wurde nicht nur richtig oft gekauft, es wurde auch heftig diskutiert. Die damals 25-jährige Deutsche hat das genossen. In Die Zeit skizzierte sie damals ihr Bild des alten weißen Mannes so: "Es ist das Gefühl der Überlegenheit, gepaart mit der scheinbar völligen Blindheit für die eigenen Privilegien."

Heute ist Passmann 27 Jahre alt, sie ist Comedian, Satirikerin, Autorin, schreibt für das Zeit Magazin eine lustige Kolumne, macht einen hörenswerten Podcast (Jubel & Krawall) und hat jetzt ein neues Buch herausgebracht, in dem es schon wieder um privilegierte Menschen geht; Menschen wie sie selbst: junge weiße deutsche Mittelstandsleute, die gerne die ganze Welt problematisieren, ohne irritiert zu sein, dass der Kult um ihre Insta-tauglichen Wohnungen an Spießigkeit kaum zu übertreffen ist. Passmann hat keinen Report geschrieben, sie hat keinen Roman geschrieben, sie hat eine zornige Erzählerin erfunden, und diese könnte sie sein oder auch nicht. Das Buch heißt "Komplett Gänsehaut" (Kiepenheuer &Witsch, € 19,60), und es ist guter Stoff.

Aber bevor wir über Dinge wie "Body Positivity als narzisstische Störung" reden oder die eigene Bedeutungslosigkeit betrauern, als junger Mensch ohne interessanten Background aufgewachsen zu sein, soll es hier um Feminismus gehen. Denn da, sagen alle, kennt Passmann sich richtig gut aus.

WIENERIN: Sophie, du bist Komikerin, kannst Witze schreiben und bist Feministin. Feminismus kommt in seiner politischen Forderung ohne ironische Note aus. Wie viel Witz darf Feminismus haben?

Sophie Passmann: Jede Art von Aktivismus, der die Welt verbessern möchte, braucht immer einen sehr unlustigen Kern. Was ich mache -nämlich Feministin sein, aber hauptberuflich als Humoristin arbeiten -, geht nur, weil es andere Feministinnen gibt und gab, die aktivistisch arbeiten. Ich war nie Aktivistin. Ich bin sicher politischer als ein Comedy-Dude, der Witze über seine Freundin macht, aber ich würde mir niemals anmaßen, dass Witze mit einer feministischen Pointe ebenso mächtig sein könnten wie echter feministischer Aktivismus.

... das komplette Interview findest du in der aktuellen Ausgabe der WIENERIN (03/2021). Hör' doch auch mal in unseren Podcast "Feminismus zum Mithören" rein, wo Sophie Passmann mit Barbara Haas über über Feminismus, Comedy und die Intersektionen des Politischen geplaudert hat.

 

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