"Sonst gibt’s auf die Goschn" – Antwort auf Manspreading-Posting ruft zu Gewalt auf

Manspreading regt auf. Nicht nur die Frauen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln neben besonders präpotenten Exemplaren um jedes Fitzerl Platz kämpfen müssen, sondern vor allem: ebenjene Männer, die sich breit machen. Und sie sind es auch, die nun besonders geschmacklos auf die aktuelle Awareness-Kampagne der Wiener Linien reagieren.

"Owa mit da Toschn, sonst gibt’s auf die Goschn!" steht auf dem Sujet, das eine Frau in einem öffentlichen Verkehrsmittel zeigt, die mehrere Sitzplätze mit Taschen belegt. Das Bild tauchte in einem Subforum auf der Plattform Reddit auf. Es soll ein "Gegenentwurf der Manspreading-Kampagne der Wiener Linien" sein, wie der Poster schreibt.

Keine breiten Männerbeine mehr in den Wiener Linien

Die Wiener Linien hatten zuvor mit dem Spruch "Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!" das Bewusstsein für Manspreading schärfen wollen. (>>> wir haben berichtet). Das Phänomen der sich auf mehrere Sitze ausbreitenden Männern ist nämlich real – nicht nur in den Wiener Öffis, sondern auf der ganzen Welt. Nur akzeptieren wollen das einige Städte, Verkehrsbetriebe und Frauen so nicht mehr.

Die meisten Awareness-Kampagnen arbeiten mit einer Prise Humor, so auch in Österreich. Die Wiener Linien schmunzeln über den eigenen "Schummelzettel", der Wiener Zentralfriedhof reagiert mit einem Sarg für passionierte Manspreader, die auch der Tod nicht von der Breitbeinigkeit abhalten kann und die Tagespresse titelt "Erstmals ohne Manspreading U-Bahn gefahren: Mann fallen Hoden ab".

Anders die "Gegenaktion": Sie ruft zu Gewalt gegen Frauen auf und negiert gleichzeitig, dass Männer sich im öffentlichen Raum selbstverständlich mehr Raum einnehmen als nötig. Das viel schlimmere Problem wäre das so genannte "She-Bagging": Also Frauen, die ihre Einkaufs- und Handtaschen auf freie Sitzplätze abstellen. Gezeichnet ist das Posting mit dem Logo der Wiener Linien. Dort sorgt das für Irritation: "Wir würden so etwas seitens der Wiener Linien niemals machen. Aufrufe zu Gewalt gibt es nicht bei uns“, sagt Barbara Pertl, Pressesprecherin der Wiener Linien, gegenüber der futurezone. Momentan prüfe man, ob rechtliche Schritte eingeleitet werden sollen.

Reddit sperrt Thread

Der Beitrag wurde noch am selben Tag von einer*einem Moderator*in des Subforums r/austria gesperrt. Nutzer*innen können nichts mehr posten, das Bild kann aber noch angeklickt werden. "Wir wollen, dassr/Austriaein Platz für lebendige Diskussionen ist, wo unterschiedliche Ansichten willkommen sind. Um das sicherzustellen, müssen wir Verhalten, welches nur dazu dient Diskussionen zu schädigen, unterbinden. Kommentare und Postings die darauf abzielen, Streit zu schüren, werden nicht toleriert."

Wir wollen noch nicht zu viel verraten, aber auch beim WIENERIN #aufstand, der Konferenz mit Festivalcharakter, wird es was zum Thema Manspreading geben - neben Diskussionen und Vorträgen rund um die gesellschaftspolitische Selbstbestimmung von Frauen* mit Inputs aus Kultur, Kunst und Wissenschaft.

WIENERIN #aufstand 2019

Sonntag, 17. November 2019
RadioKulturhaus Wien

Eintritt frei, HIER anmelden (Anmeldung unbedingt erforderlich)!

 

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