Solltest du beim Dating risikofreudiger sein?

Sollten wir nur Menschen vertrauen, die keine Fehler machen? Und was können neue Partner*innen für die Fehler, die Menschen in unserer Vergangenheit gemacht haben?

Solltest du beim Dating risikofreudiger sein?

Das Leben ist ein einziges Risiko. Wir wissen nicht, was morgen sein wird. Wir wissen nicht mal, ob wir morgen noch sein werden. Ja, ich weiß, that escalated quickly. Aber ihr wisst was ich meine. Und genau deshalb wiegt unser Gehirn permanent ab, ob wir uns in einer risikoreichen Situation befinden und versucht diese zu vermeiden.

Mauer um mein Herz

Ähnlich funktioniert auch unser Herz. Wir möchten es beschützen und sichergehen, dass ihm niemand weh tut. Wenn wir bereits schlechte Erfahrungen mit einem gewissen Typ Mensch gemacht haben, dann werden wir Ausschau nach Zeichen halten, damit wir sichergehen, dass wir uns nicht wieder mit demselben Typ einlassen. Wenn wir mit ein paar Narzisst*innen zu viel ausgegangen sind, werden unsere Augenbrauen hochgezogen, wenn unser*e Partner*in ein wenig zu viel prahlt. Wenn ein*e frühere*r Partner*in mit Drogenmissbrauch zu kämpfen hatte, könnten wir bei neuen Partner*innen übermäßig reagieren, wenn diese es gelegentlich mit dem Trinken übertreiben.

Und obwohl es wichtig ist, beim Dating auf sein Bauchgefühl zu vertrauen und Red Flags nicht zu ignorieren, so führt eine erhöhte Wachsamkeit auch dazu, dass wir vielen Menschen gar keine Chance geben und keine Risiken eingehen, obwohl diese Person vielleicht das ist, was wir suchen.

Risiken eingehen hilft das Vertrauen zu stärken

Seien wir realistisch. Während einer langjährigen Beziehung wird es immer wieder Verletzungen und Probleme geben. Sogar kleine Dinge können sich über die Jahre summieren, sodass dann in dem Gehirn des*der Partner*in, der verletzt wurde für immer der Satz "Es wird wieder passieren" eingebrannt ist. Dadurch wird man achtsam, vorsichtig und lässt sich nicht mehr 100 % darauf ein. Paarpsychologin Esther Perel erklärt in ihrem Blog dazu: "Wenn dir das alles bekannt vorkommt, ist das Letzte, was du hören willst, dass es an dir liegt, dich wieder der Möglichkeit zu öffnen, verletzt oder enttäuscht zu werden... aber dieses Risiko einzugehen ist der einzige Weg, um Vertrauen in eine mögliche Alternative aufzubauen: dass es besser werden kann."

Autor Eli J. Finkel stellt in seinem Buch The All-or-Nothing Marriage dazu die wichtige Frage: "Bist du bereit, dich sehr verletzlich zu zeigen, um tiefe Intimität zu erlangen, oder bist du eher bereit, ein gewisses Maß an Intimität zu opfern, um nicht sehr verletzlich zu sein?"

Fehler sind unvermeidbar

Bei Vertrauen in Beziehungen geht es nicht um das Versprechen keine Fehler zu machen und sich gegenseitig nicht zu verletzen. Es ist das Risiko, dass wir uns gegenseitig verletzen, und die Zuversicht, dass wir in diesem Fall die Probleme lösen und uns gegenseitig heilen können. Um dieses Maß an Vertrauen aufzubauen, sind Millionen von Mini-Risiken erforderlich, die uns zeigen, dass wir nicht dumm sind, weil wir Vertrauen in unsere Beziehung oder diese neue Person haben. Es erfordert, gemeinsam Risiken einzugehen, die uns zeigen, dass unser*e Partner*in nicht mit den Menschen aus unserer Vergangenheit identisch ist, die uns verletzt haben. Vor allem aber erfordert Vertrauen, dass wir gemeinsam Risiken eingehen, die uns helfen, zu besseren Partner*innen zu werden.

 

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