Sollte die neue Freundin meines Ex wissen, dass er ein Psychopath ist?

Wenn man relativ arge Dinge über jemanden weiß. Und dieser Er jetzt eine neue Freundin hat. Sagt man ihr das dann? Oder behält man das für sich? 

Eva Maria ist im Wigelwogel. Lange im Nachhinein ist sie draufgekommen, dass der Mann, mit dem sie über einen Zeitraum von über drei Jahren was hatte, zumindest dreigleisig gefahren ist, also zur gleichen Zeit Beziehungen mit zwei weiteren Frauen geführt hat. Sie hat viel drüber nachgedacht, sich erkundigt, nachgelesen und findet, so wie er sich verhält oder verhalten hat, so werden auch Menschen mit psychopathischen Zügen beschrieben. Er hat jetzt eine neue Freundin. Eine, die nicht weiß, dass er auch seit er mit ihr zusammen ist, versucht hat, Eva Maria ins Bett zu kriegen. Eine, die wahrscheinlich bis jetzt nur seine nette Seite kennt. Ihr etwas sagen? Eva Maria ist ein bisschen ratlos. Denn sie weiß nicht, was sie mehr plagt: Der Gedanke, sich in etwas einzumischen, was sie eigentlich nichts angeht. Oder der Gedanke, eine Frau nicht gewarnt zu haben vor jemandem, der notorisch hintergeht und betrügt. Das, was Eva Maria gerne sagen würde, wäre Folgendes, aber würdet ihr das wissen wollen?

Liebe C.,

soweit ich weiß, bist du die neue Freundin von J.. Ich bin die, die es seit drei Jahren gab, mit der er immer wieder was hatte und die gleichzeitig und parallel mit einer anderen Frau darauf gewartet hatte, dass er sich von D. trennt. Wir waren drei gleichzeitig. Nichtsahnend. Aber wer hält denn auch für möglich, dass jemand, der sich grade trennt und da recht offen ist, das gleichzeitig zwei Frauen erzählt und die gleich wieder hintergeht. Nach der Trennung gab´s dann immer mindestens noch uns zwei parallel. Oder dann auch wieder alternierend, denn wir haben ihn beide immer wieder weggeschickt, weil wir nicht ausgehalten haben, dass er sich so gar nicht einlassen, so gar keine Nähe zulassen konnte.

Er ist ein geschickter Betrüger. Während er mit ihr auf Urlaub war, hat er mir Bilder davon geschickt – ohne sie drauf natürlich. Es war ein Incentive der Firma, also hatte ich mich auch nicht gewundert, dass er mit einer Kollegin und deren Partner dort gewesen sein soll. Und dass er halt alleine fliegt, weil er seinen Sohn (der bei der Mutter in einem anderen Bundesland lebt) nicht aus der Schule bekommen hat. Am Tag als sie nach der großen Reise wieder in Wien angekommen sind, war er bei mir, um das Wiedersehen zu feiern. Gewusst haben diese Frau und ich voneinander bis vor Kurzem nichts. Passt nicht in das Bild, das du von ihm hast? Ja, versteh ich gut. Er hat nämlich ja auch diese unfassbar liebe, gewinnende, attraktive Seite. Die, in die ich mich auch mal so verliebt hab. Die, die einen nicht glauben lassen will, wer da wirklich in ihm drin steckt.

Aber es gibt eben leider auch die andere. Die, die sich so gar nicht einfühlen kann in jemand anderen. Die, die sich nur um die eigenen Angelegenheiten sorgt und sich nicht schert, was mit dir ist. Die, die dir immer an allem die Schuld gibt, wenn etwas nicht passt. Die, die es für richtig und selbstverständlich hält, dass er unfassbar wütend wird, wenn du ihn drauf hinweist, dass da etwas nicht okay ist. Die, die sicher die Schuld bei dir finden kann, wenn etwas nicht passt. Die, die nicht verstehen kann, dass sein Verhalten andere verletzt. Empathie? Fehlanzeige. Schuldbewusstsein? Fehlanzeige. Sich mal entschuldigen? Fehlanzeige. Ein Gewissen? Nicht vorhanden.

Du kannst jetzt natürlich sagen, was interessiert mich, was vor einiger Zeit war. Du kannst sagen: Misch dich nicht ein und ja, vielleicht ist das richtig. Und vielleicht würde ich das an deiner Stelle auch alles gar nicht glauben. So wie er sich darstellen kann, ist es ja auch wirklich schwer zu fassen. Vielleicht interessiert dich, dass er mich noch am Donnerstag, bevor ihr auf Urlaub geflogen seid, getroffen hat. Oder im März, als ihr offensichtlich schon zusammen wart und er mir kein Sterbenswörtchen über dich erzählt hat. In seiner Darstellung gab´s niemanden. Er hat mit mir geflirtet, mit mir geschmust, mich umworben. Hätte weitergemacht wie immer. Und ich wusste nicht, dass es dich gab, oder gibt.

Ich bin aus allen Wolken gefallen, als mir klar war, wie sehr er mich, sie, dich, uns, wer weiß wie viele, hintergangen hat. Ich habe gekotzt angesichts des Ausmaßes an Lug und Trug. Ich habe zu lange gebraucht, diese andere Seite zu entdecken. Ich wünsche dir, du erkennst sie früher. Ich wünsche dir, du kannst gut auf dich aufpassen. Ich wünsche dir das Beste!

E. M.

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