Soll ich in Crowdfunding investieren?

Über Geld spricht man nicht? Doch! Die WIENERIN hat ganz genau nachgefragt, wie Crowdfunding als Investitionsmöglichkeit funktioniert und wie hoch das Risiko ist.

Crowdfunding

Die Spezialistin für alternative Finanzierung Christiane Holzinger ist seit 2019 Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft. Zusätzlich ist Holzinger geschäftsführende Gesellschafterin der Steuerberatungskanzlei 360° Business Planner GmbH und der Beratungsfirma Start-up Stars GmbH und berät Unternehmen bei klassischer Finanzierung sowie Crowdfunding und Social Entrepreneurship.

Wienerin: Liebe Frau Holzinger, es wird immer öfter über Crowdfunding gesprochen. Was ist das überhaupt?

Christiane Holzinger: Crowdfunding ist eine Möglichkeit, wie ein Unternehmen ein Produkt oder eine Entwicklung finanzieren kann. Das machen vor allem Unternehmen, die ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen möchten, aber nicht das nötige Eigenkapital haben und es nicht von der Bank bekommen. Sie sagen: Dann suche ich andere Leute, die sich für mein Produkt interessieren und mir Geld leihen bzw. zur Verfügung stellen! Das Konzept kommt aus den USA.

Was habe ich als Investorin davon?

Es gibt unterschiedliche Formen von Crowdfunding. Im Kunst- und Kulturbereich bekommt man meistens nur ein Danke oder eine Plakette, aber selten eine wirkliche Gegenleistung. Geht es aber um wirtschaftliche Unternehmen, kann man es sich so vorstellen, dass man das Produkt oder die Dienstleistung vorfinanziert; man vergibt also ein Darlehen für einen bestimmten Zeitraum und bekommt dafür Zinsen. Die Zinsen bekommt man entweder in Geld oder als Naturalien, also als Produkte. Ist es zum Beispiel ein Hotel, kann ich die Zinsen in Übernachtungen bekommen, ist es ein Getränk, in monatlichen Getränkelieferungen, und so weiter.

Wenn das erledigt ist, empfehle ich immer, dass Sie sich bei der ersten Investition ein Thema wählen, das Sie selbst spannend finden. Dann macht das Recherchieren mehr Spaß!

von Christiane Holzinger

Wie risikoreich ist Crowdfunding?

Es ist auf jeden Fall risikoreicher als etwa die Investition in ETFs, weil Fonds ja sehr breit gestreut sind. Crowdfunding ist eine gute Investitionsmöglichkeit, aber ich weise immer darauf hin, dass es sich um Risikokapital handelt; das heißt, man sollte nur so viel investieren, wie man bereit wäre, zu verlieren. Was ich persönlich an Crowdfunding toll finde, ist, dass ich damit regionale Produkte oder Unternehmen oder innovative Ideen für die Zukunft unterstützen kann. Ich habe einen starken Bezug zu meinem Investment.

Wenn ich in Crowdfunding investieren möchte, wie gehe ich das an?

Zuallererst müssen Sie sich mal überlegen, wie viel Geld Sie investieren möchten. Das ist eigentlich die wichtigste Hausaufgabe. Dabei sollte Ihnen bewusst sein, dass dieses Geld Risikokapital ist. Wenn das erledigt ist, empfehle ich immer, dass Sie sich bei der ersten Investition ein Thema wählen, das Sie selbst spannend finden. Dann macht das Recherchieren mehr Spaß – und gute Vorbereitung ist die halbe Miete! Frauen wählen zum Beispiel gerne Themen rund um Nachhaltigkeit oder Investitionen, bei denen sie das Gefühl haben, dass das Sinn für die Zukunft ergibt, und bei denen vielleicht ein Stückchen die Welt verbessert wird.

Ich empfehle, dass Sie mit vielen Menschen über Ihre Idee sprechen.

von Christiane Holzinger

Und wo finde ich Projekte, in die ich investieren kann?

Dafür gibt es bestimmte Plattformen, die diese Projekte sammeln und nach Themen gliedern. Sucht man Projekte rund um das Thema Klimaschutz, kann man auf crowd4climate.org oder auf greenrocket.at reinschauen. Angebote rund um Immobilienprojekte findet man zum Beispiel unter zinsquartier.at oder rendity.com.

Mit wem spreche ich am besten über meine Investitionsidee?

Ich empfehle, dass Sie mit vielen Menschen über Ihre Idee sprechen. Fragen Sie Freunde und Freundinnen: "Würdest du das kaufen? Braucht die Welt so etwas?". Denn so können Sie abschätzen, ob das Produkt interessant für den Markt ist, ob jemand es kaufen würde, ob es eine zukunftsträchtige Idee ist – und auch, ob die Zeit schon dafür reif ist. Besonders innovative Ideen brauchen manchmal noch ein paar Jahre, bevor der Markt und die Kund*innen diese wirklich annehmen. All das ist entscheidend für den Erfolg des Produkts.

 

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