So zerstören Helikopter-Eltern das Leben ihrer Kinder

Das Phänomen Hubschrauber-Eltern ist in aller Munde: Eltern, die ihre Kinder so umkreisen, dass diesen kaum noch Luft zum Atmen, Bewegen und Lernen bleibt. Und diese gibt es wirklich, wie WIENERIN-Redakteurin Eva Jankl im Gespräch mit einigen Wiener Lehrern erfahren hat. Und noch ganz andere Exemplare.

Eltern wollen in der Regel ihre Kinder schützen, sie vor schlimmen Erfahrungen bewahren und ihnen den Lebensweg so einfach wie möglich gestalten. Das ist gut und natürlich. Allerdings ist es manchmal Zuviel des Guten. Laut einer Wienern Grundschullehrerin werden etwa ein Viertel aller Schüler von ihren Hubschrauber-Eltern umkreist. „Diese trauen ihren Kindern wenig zu, weil sie selbst Angst vor der Situation haben. Sie neigen dazu, den Kindern jegliche Schwierigkeit aus dem Weg zu räumen“, erzählt sie und weiter: „Ich hatte zum Beispiel einmal einen Vater, der am Anfang der ersten Klasse nach Unterrichtsbeginn noch eine Viertelstunde vor der Klasse stand, wo er nervös auf und ab ging. Häufig holte er sein Kind, welches bereits am Unterricht teilnahm, noch einmal heraus, um ihm Anweisungen zu geben. Ein anderes Kind durfte weder zum Schulskitag noch zum Eislaufausflug mitkommen, weil ihm etwas passieren könnte. Wieder ein anderes muss bei jedem Klogang Toilettenpapier auf den Sitz auflegen, wodurch es bei jedem Toilettengang ewig braucht – was nicht zuletzt auch für das Kind anstrengend und nervig ist“

Was passiert bei den Kindern?

Die Folgen für die Kinder sind fatal, denn die Kinder sind ängstlicher und trauen sich wenig zu. „Eltern, die sich so verhalten stellen häufig ein Problem für die Kinder dar. Denn mit der Überbehutsamkeit stehen die Kinder permanent unter Stress und werden in der Entwicklung gehemmt. Schließlich wollen sie alles gut machen, so dass Mama und Papa sich nicht aufregen.“ Stress entsteht auch, wenn die Kinder ein zu volles Programm haben. „Viele Kinder haben fast täglich einen Nachmittagskurs, sie sollen ja gut auf das Berufsleben vorbereitet werden. Das überfordert die Kinder total.“

Lösungsvorschlag

Die Pädagogen weisen die Eltern zwar auf diese Entwicklungen hin, es wollen ja alle, dass die Kinder zu selbstständigen und selbstbewussten Menschen erzogen werden. „Maria Montessori sagte „Er (der Lehrer) muss passiv werden, damit das Kind aktiv werden kann.“ - das gilt meiner Meinung auch für die Eltern“, so eine der befragten Lehrerinnen. Und das Loslassen der Eltern bedeutet nicht, dass sie nichts mehr machen dürfen, im Gegenteil, die Kinder brauchen nach wie vor Unterstützung. „Es ist zum Beispiel sehr wichtig, dass die Eltern am Abend Zeit für die Kinder haben und sie erzählen lassen, wie der Tag war. Oder sie einfach nur auffangen, in den Arm nehmen und eine Gute-Nacht-Geschichte erzählen.“

Was, wenn sich die Eltern zu wenig kümmern?

Die Lehrer wissen aber auch genau vom gegenteiligen Typ Eltern zu erzählen. Von jenen, die sich zu wenig um die Kinder kümmern, deren Kinder vor der Schule nicht einmal ein Frühstück bekommen und die das Geld für den Ausflug trotz Aufforderung via Mitteilungsheft nie mithaben, weil die Eltern nicht einmal auf die Idee kommen darin nachzulesen, ob es etwas Neues gibt. Und auch Eltern, die nicht einmal die Zeit finden, um einmal im Jahr an gemeinsamen Schulveranstaltungen mit den Kindern teilzunehmen. „Diese Kinder sind dann zwar sehr selbstständig, aber auch irgendwie traurig und überfordert.“ Ganz traurig wird es dann, wenn Eltern und Kinder auch am Wochenende nichts gemeinsam unternehmen. „Ich finde es schade, dass die Kinder dann rein gar nichts zu erzählen haben, wenn man sie am Montag fragt, was sie erlebt haben“, meint ein Lehrer traurig.

 

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